12 Mit UniFi Network 10.6 (Version 10.6.97) hat Ubiquiti eines der rundesten Updates der letzten Monate veröffentlicht. Die drei Überschriften-Features heißen Drift Inspector, Topology Spotlight und ein deutlich ausgebautes SafeOps – dazu kommen die Time Machine für Radios, ein Port Manager, der jetzt die letzten 24 Stunden aller Ports zurückspulen kann, und eine lange Liste an Detailverbesserungen. Ich habe das Update bereits auf einer unserer Konsolen im Einsatz und zeige dir die Neuerungen mit echten Screenshots aus der Praxis. Topology Spotlight: Ordnung in großen Topologien Wer mehr als eine Handvoll UniFi-Geräte und ein paar Dutzend Clients betreibt, kennt das Problem: Die Topologie-Ansicht wird schnell unübersichtlich. Genau hier setzt das neue Selection Spotlight an. In der Topology-Seitenleiste gibt es dafür einen neuen Schalter – aktivierst du ihn und wählst einen Filter (etwa ein Frequenzband, ein VLAN, eine SSID oder einen Hersteller), werden alle passenden Geräte samt ihrer Verbindungen hervorgehoben, während der Rest der Topologie in den Hintergrund tritt. Selection Spotlight in Aktion: Nur die 5-GHz-Clients werden hervorgehoben, der Rest wird abgedimmt. (Topologie-Beschriftungen aus Datenschutzgründen unkenntlich gemacht) In der Praxis ist das Gold wert, wenn du zum Beispiel wissen willst, welche Clients noch im 2,4-GHz-Band hängen, welche Geräte in einem bestimmten VLAN stecken oder wo sich die Geräte eines bestimmten Herstellers im Netz verteilen. Dazu passt eine weitere Neuerung: Die Geräteliste lässt sich jetzt nach Topologie sortieren, und in der Infrastructure-Ansicht kannst du zusätzliche Beschriftungen einblenden. Instabile Verbindungen werden dort ebenfalls deutlicher dargestellt – und erkennt UniFi Sonos-Lautsprecher, die gleichzeitig per Kabel und WLAN verbunden sind (ein Klassiker für Netzwerk-Loops und Streaming-Aussetzer), warnt die Topologie jetzt aktiv davor. SafeOps wird erwachsen: Test & Confirm und nächtliche Channel-AI SafeOps – die Sammlung von Schutzfunktionen gegen Fehlkonfigurationen – bekommt in 10.6 die größten funktionalen Zuwächse. Die Idee dahinter: Änderungen am Netzwerk sollen sich selbst absichern, so wie man es aus professionellen Umgebungen kennt („Commit Confirm“). Die SafeOps-Zentrale in Network 10.6.97: nächtliche Channel-AI-Optimierung, Test & Confirm, VLAN-Rollback und Auto-Recovery an einem Ort. Konkret neu in dieser Version: Test & Confirm für VPN- und Management-Netzwerke: Die Funktion, die Änderungen automatisch zurücknimmt, wenn ein Gerät danach nicht mehr erreichbar ist, deckt jetzt auch VPN-Konfigurationen und das Management-Netzwerk ab. Gerade beim Management-VLAN konnte man sich bisher wunderbar selbst aussperren – dieses Sicherheitsnetz nimmt dem Thema viel Schrecken. Für nicht unterstützte Geräte zeigen die Einstellungen nun einen klaren Hinweis. Nightly Channel AI Optimization: Die Kanaloptimierung per KI kann jetzt automatisch jede Nacht laufen. Dabei analysiert sie benachbarte Access Points und Störquellen und weist die WLAN-Kanäle neu zu – mit einem laut Ubiquiti verbesserten Algorithmus. Wichtig für die Praxis: Du kannst gezielt auswählen, welche Radios einbezogen werden. Wer also ein empfindliches Funknetz für Zigbee-Koexistenz oder eine Punkt-zu-Punkt-Strecke hat, nimmt die betroffenen Radios einfach aus. Reduced Firewall State Timeouts: Für EFG, EF-Core und UXG-Enterprise gibt es ein neues Profil mit verkürzten Timeouts für Firewall-States – interessant für Umgebungen mit sehr vielen kurzlebigen Verbindungen. Dazu wurden bestehende SafeOps-Bausteine stabiler gemacht: Die automatische Geräte-Wiederherstellung (Device Auto-Recovery) arbeitet zuverlässiger, ebenso die Data Plane Protection, die unter Last unwichtige Dienste abwirft, bevor der Datenverkehr leidet. Ein Bugfix in diesem Umfeld: Clients mit konfigurierter Stromquelle (etwa PoE-Geräte mit definierter Versorgung) landen nicht mehr versehentlich in der Auto-Recovery. Time Machine: 24 Stunden zurückspulen – jetzt auch für Radios und alle Ports Die mit früheren Versionen eingeführte Time Machine im Port Manager war bisher auf einzelne Ports beschränkt. In 10.6 wird daraus ein echtes Diagnose-Werkzeug für das ganze Netzwerk. Port Manager mit Time Machine über alle Ports: Links läuft die 24-Stunden-Zeitleiste mit Ereignismarkern, rechts der Zustand aller Switch-Ports zum gewählten Zeitpunkt. (MAC-Adressen, IPs und Gerätenamen zensiert) Die wichtigsten Neuerungen im Überblick: Time Machine für alle Ports: Statt einen einzelnen Port zu betrachten, spulst du jetzt den Zustand sämtlicher Ports über die letzten 24 Stunden zurück. Auf der Zeitleiste sind Ereignisse markiert – so findest du auf einen Blick den Moment, in dem ein Netzwerksegment Probleme gemacht hat. Der Port Manager öffnet die Time Machine dabei automatisch. Flapping-Filter: Ein neuer Filter zeigt gezielt Clients mit häufigen Verbindungsabbrüchen („flapping“). Wackelkontakt am Kabel, sterbendes Netzteil, zickige WLAN-Karte – solche Kandidaten musste man bisher mühsam in Logs suchen. Time Machine für Radios: Auch die Funkseite bekommt ihre Zeitreise: Für jedes Radio lassen sich Auslastung, Konfigurationsänderungen und Funkereignisse der letzten 24 Stunden nachvollziehen. Perfekt, um der Frage nachzugehen, warum das WLAN „gestern Abend“ schlecht war. Time Machine für Radios: Signalwerte, Interferenz, Airtime und TX-Retries pro Radio – rückblickend über 24 Stunden. (Access-Point-Namen zensiert) Ergänzend gibt es im Port Manager einen Filter für deaktivierte Ports, die Aktionen „Reset Stats“ und „Clear Last Seen Device“ wurden sauber getrennt, und die Verwaltung von Port-Profilen wurde überarbeitet. Drift Inspector: Kontrolle über Konfigurationsabweichungen Das dritte Headline-Feature richtet sich an alle, die mehrere Standorte über den Site Manager mit Blueprints orchestrieren – also mit zentral definierten Soll-Konfigurationen, die auf mehrere Sites ausgerollt werden. Der neue Drift Inspector zeigt übersichtlich, wo eine lokale Konfiguration vom Blueprint abweicht („Configuration Drift“), und bietet einen direkten Weg, die Abweichung aufzulösen – entweder durch Zurücksetzen auf den Blueprint oder durch bewusstes Übernehmen der lokalen Änderung. Lokale Anpassungen an einzelnen Standorten sind damit erstmals sauber möglich, ohne dass die zentrale Orchestrierung zur Blackbox wird. Für Heimnetze mit einer einzelnen Konsole spielt das Feature kaum eine Rolle – wer aber Familie, Ferienhaus oder Firmenstandorte mit verwaltet, bekommt hier genau das Werkzeug, das bisher fehlte. Weitere Verbesserungen im Überblick Wie üblich steckt viel Substanz in der zweiten Reihe des Changelogs. Die aus meiner Sicht relevantesten Punkte: Multicast Suppressor: Neue Funktion gegen Multicast-Fluten im WLAN – benötigt Access-Point-Firmware 8.8 oder neuer. Lock Port to UniFi Device: Ein Switch-Port lässt sich fest an ein bestimmtes UniFi-Gerät binden (ab Switch-Firmware 7.6) – ein einfacher, wirksamer Schutz gegen umgestecktes Fremdgerät am AP-Port. DHCP Guarding ist bei neuen Netzwerken standardmäßig aktiv: Rogue-DHCP-Server werden damit ab Werk blockiert. Eine kleine Änderung mit großer Wirkung für die Netzwerkhygiene. OpenVPN-Härtung: Die unsichere OpenVPN-Kompression lässt sich deaktivieren, Server-Konfigurationsdateien verzichten auf die periodische TLS-Neuverhandlung (benötigt UniFi OS 5.1), und eine neue Validierung verhindert, dass OpenVPN-Server und Site-to-Site-VPN denselben UDP-Port belegen. RADIUS MAC Authentication: Neue Option „Allow Empty Password“ für Setups mit externen RADIUS-Servern, die leere Passwörter erwarten; außerdem wurde die Validierung der RADIUS-Einstellungen verbessert. QoS mit Domain-Listen: QoS-Richtlinien können jetzt Domain Network Lists nutzen – Priorisierung nach Diensten statt nach IP-Bereichen. Geräte-Updates mit mehr Übersicht: Bulk-Update-Verwaltung auf der Geräteseite, eine Bestätigungsabfrage beim Aktualisieren aller Geräte und ein Update-Dialog, der anzeigt, wie viele verbundene Clients von einem Neustart betroffen wären. Das Zurücksetzen auf eine ältere Firmware ist für alle Geräte gleichen Modells und Stands in einem Rutsch möglich. Kleinigkeiten mit Alltagsnutzen: Sortierbare Netzwerk-Listen samt Beschreibungen beim Überfahren mit der Maus, sortierbare Tabellen in der Einstellungs-Übersicht, wählbare WAN-Schnittstellen für automatische Speedtests, abschaltbares LCM-Display bei gemeshten UX7-Geräten sowie die Unterstützung mehrerer U5G-Geräte pro Site über LAN. Die wichtigsten Bugfixes Auch bei den Fehlerbehebungen sind einige Punkte dabei, die in der Community länger diskutiert wurden: Der High-Traffic-Alarm meldete Downloads von WLAN-Clients fälschlich als Uploads – behoben. Die Client-Zählung in der WiFi-Broadcast-Übersicht stimmte nicht, wenn MLO-Clients (WiFi 7) verbunden waren. SD-WAN-Mesh-VPN-Tunnel konnten nach dem Entfernen der Konfiguration bestehen bleiben. MC-LAG-Konfigurationen konnten nach dem Einspielen eines Backups verloren gehen. Diverse UX7-Korrekturen (Hostname im Mesh-Betrieb, Anzeige verbundener WLAN-Clients, benutzerdefinierter APN beim SIM-Wechsel auf dem U5G) sowie fehlende Roaming-Ereignisse auf der Connectivity-Seite. Update-Empfehlung: Wer sollte wann aktualisieren? UniFi Network 10.6.97 wird wie gewohnt schrittweise über die offiziellen Kanäle verteilt; Selbsthoster bekommen das Paket über die üblichen Quellen. Beachte die Voraussetzungen für einzelne Features: Der Multicast Suppressor braucht AP-Firmware 8.8, „Lock Port to UniFi Device“ Switch-Firmware 7.6 und die OpenVPN-Verbesserungen UniFi OS 5.1. Es lohnt sich also, zusammen mit der Network Application auch die Geräte-Firmware aktuell zu halten – die neue Bulk-Update-Verwaltung macht genau das angenehmer. Mein Rat wie bei jedem größeren Update: vorher ein Backup der UniFi-Konfiguration ziehen, das Update am besten zu einer Zeit einspielen, in der ein kurzer Ausfall verschmerzbar ist, und danach einen Blick in Topologie und Systemprotokoll werfen. In unserem Setup lief das Update auf einer UCG Ultra reibungslos durch – SafeOps sei Dank fühlen sich Konfigurationsänderungen inzwischen deutlich entspannter an als noch vor einem Jahr. Wie schnell sich Ubiquitis Update-Tempo zuletzt erhöht hat, zeigte übrigens schon Version 9.1 mit den 8 WANs. Fazit UniFi Network 10.6 ist ein Update ohne spektakuläre Einzelfunktion, aber mit spürbarem Fortschritt an genau den richtigen Stellen: Diagnose (Time Machine, Spotlight, Flapping-Filter), Betriebssicherheit (SafeOps, Test & Confirm, DHCP Guarding ab Werk) und Multi-Site-Verwaltung (Drift Inspector). Gerade die Kombination aus nächtlicher Channel-AI-Optimierung und den erweiterten Rollback-Mechanismen zeigt, wohin die Reise geht – das System nimmt dem Admin Routinearbeit ab, ohne die Kontrolle zu entziehen. Wer sein UniFi-Netz gerade erst aufbaut, findet in unserem großen UniFi-Einrichtungs-Guide den passenden Einstieg. UniFi-Hardware für dein HeimnetzDu willst die neuen Funktionen selbst nutzen? Mit einem Cloud Gateway und aktuellen Access Points bist du dabei.UniFi Cloud Gateway UltraAuf Amazon ansehenUniFi U7-Access-PointAuf Amazon ansehenUniFi PoE-SwitchAuf Amazon ansehen* Affiliate-Links: Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Käufen. Bitte prüfe die Kompatibilität mit deinem System. 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