1 Jeder, der schon einmal eine Abzweigdose, ein Gehäuse oder eine Halterung an die Wand geschraubt hat, kennt den Moment: Das Bohrloch muss durch das Bauteil hindurch auf der Wand markiert werden — und der Stift kommt nicht hin. Der Edding ist zu dick, der Bleistift zu kurz, und am Ende schätzt man, bohrt daneben und ärgert sich. Genau für diesen Moment gibt es den Tieflochmarker. Ich habe zwei sehr unterschiedliche Vertreter im Einsatz: den Pica Dry 3030, einen Bleistift mit ausfahrbarer Spitze, der seit Jahren der Standard auf Baustellen ist — und den neuen Pica Powder 2020, der statt zu schreiben grüne Kreide durch das Loch sprüht. Als Testobjekt diente eine Abzweigdose mit tief im Gehäuse liegenden Schraublöchern. Was die beiden können, wo der Sprühmarker den Bleistift schlägt und wo umgekehrt, zeigt dieser Test mit Fotos und Video. Das Wichtigste in Kürze Ein Tieflochmarker markiert Bohrpunkte durch Löcher hindurch, an die ein normaler Stift nicht heranreicht. Pica Dry 3030: Bleistift mit 2,8-mm-Graphitmine und Teleskophülse, Spitzer in der Kappe, nachfüllbar. Präzise, aber auf dunklen Flächen schlecht sichtbar und in der Tiefe begrenzt. Pica Powder 2020: Pumpe sprüht fluoreszierend grünes Kreidepulver bis 25 cm tief durch Löcher ab 3 mm. Leuchtet auch auf schwarzem Kunststoff und Metall. Im Test hat der Powder rund 20 cm weit gesprüht; die Kreide lässt sich fast rückstandsfrei wegwischen — danach ist kaum noch etwas zu sehen. Ein Edding scheitert an tief liegenden Löchern grundsätzlich — dafür ist er nicht gebaut. Für präzise Striche auf Holz: der Dry. Für dunkle Flächen, große Tiefen und schnelles Arbeiten: der Powder. Wer beides hat, braucht nichts anderes. Was ein Tieflochmarker ist — und was nicht Der Begriff meint Stifte, die einen Bohrpunkt durch ein Bauteil hindurch auf den Untergrund übertragen. Klassisch ist das ein Bleistift mit langer, dünner Hülse, aus der die Mine erst beim Aufsetzen herausfährt: Die Hülse passt in ein 5-mm-Loch, und die Spitze erreicht die Wand dahinter. Davon zu unterscheiden sind Bohrlochmarker wie der edding 8850 — Filzstifte mit extra langer, dünner Spitze. Sie reichen ein paar Zentimeter tief und markieren mit Tinte. Für flache Bauteile genügt das, bei tief liegenden Löchern und auf dunklen Untergründen stoßen sie an dieselben Grenzen wie ein normaler Marker. Die dritte Kategorie ist neu: Sprühmarker, die Kreidepulver durch das Loch schießen. Sie brauchen keinen Kontakt mit der Wand, deshalb spielt die Tiefe kaum eine Rolle. Das Testobjekt: eine Abzweigdose, deren Befestigungslöcher tief im Gehäuse sitzen. Bis zur Wand sind es mehrere Zentimeter durch Kunststoff. Der Klassiker: Pica Dry 3030 Der Pica Dry ist das, was die meisten meinen, wenn sie „Tieflochmarker“ sagen. Ein Druckbleistift im Handwerkerformat: Gehäuse aus Kunststoff mit Clip, vorn eine Teleskophülse, die beim Aufdrücken die 2,8-mm-Mine freigibt, hinten eine Kappe mit integriertem Spitzer. Die Mine wird nachgeschoben wie bei jedem Druckbleistift; Ersatzminen gibt es in Graphit (verschiedene Härten), Weiß, Gelb, Rot und wasserfest — für Holz, Beton, Fliesen oder Metall jeweils die passende. Die Teleskophülse des Pica Dry passt in das Loch und erreicht die Wand — solange die Tiefe nicht größer ist als die Hülse lang. Was ihn seit Jahren unverzichtbar macht: Er schreibt wie ein Bleistift, also präzise und dünn. Anzeichnen auf Holz, Striche für den Zuschnitt, Bohrpunkte durch Beschläge — alles mit einem Werkzeug, das in der Brusttasche steckt. Die Hülse schützt die Mine vor Staub und Feuchtigkeit, und die Kappe hält den Stift dicht. Seine Grenzen liegen genau dort, wo unser Testobjekt beginnt: Auf schwarzem Kunststoff ist ein Graphitpunkt kaum zu sehen. Und wenn das Loch tiefer ist als die Hülse lang, kommt die Mine nicht mehr an. Man kann ihn schräg ansetzen und hoffen — oder man greift zum zweiten Stift. Der Neue: Pica Powder 2020 Der Powder funktioniert anders als alles, was ich vorher als Marker in der Hand hatte. Im Gehäuse steckt eine manuelle Pumpe — kein Treibgas, Pica nennt das „Zero Gas“ — und ein Vorrat an fluoreszierend grünem Kreidepulver. Ein Druck auf den Kolben schießt einen Puls Kreide aus der schwenkbaren Düse, laut Hersteller reicht der Vorrat für rund 1.500 Sprühstöße und wird mit dem Nachfüllpulver 2030 wieder aufgefüllt. Düse ans Loch, einmal pumpen: Der Powder braucht keinen Kontakt zur Wand. Die Kreide fliegt durch das Gehäuse und landet dort, wo gebohrt werden soll. Wie weit sprüht er wirklich? Der Hersteller nennt 25 cm. Ich habe es nachgemessen: Auf einem Blatt Papier neben dem Lineal reicht der Kreidestrahl rund 20 Zentimeter, mit der stärksten Konzentration in den ersten zehn. Für jedes Bauteil, das man an eine Wand schrauben will, ist das mehr als genug — die Löcher einer Abzweigdose, eines Verteilerkastens oder einer Wandhalterung sind selten tiefer als fünf Zentimeter. Nachgemessen: rund 20 cm Sprühweite. Der dichteste Auftrag liegt in den ersten zehn Zentimetern — genau dort, wo sich Bohrlöcher üblicherweise befinden. Der Sprühstoß in Bewegung: ein Druck auf den Kolben, und die Kreide legt sich als Spur über das Lineal — die Reichweite ist im Video gut zu sehen. Sichtbar auf Schwarz — das eigentliche Argument Das Grün ist nicht dezent, und das ist der Punkt. Auf der schwarzen Abzweigdose, auf dunklem Metall, auf Beton oder Putz leuchtet der Kreidepunkt so, dass man ihn aus zwei Metern sieht. Ein Graphitpunkt an derselben Stelle ist nur im richtigen Licht zu finden. Wer regelmäßig dunkle Gehäuse, Kabelkanäle oder Metallteile montiert, spart sich damit das Suchen. Und danach? Die Kreide ist kein Permanentmarker. Auf glatten Flächen wischt sie sich mit dem Finger oder einem Lappen weg; auf rauem Putz bleibt sie etwas länger. Was nach dem Wischen zurückbleibt, zeigt das Foto — nämlich fast nichts. Auf dem Papier ist nur noch ein Hauch von Grün zu erahnen, und den muss man suchen. Für Sichtflächen im Wohnbereich ist das der große Vorteil gegenüber Tinte: markieren, bohren, wischen, fertig. Die Kehrseite: Die Markierung ist nicht zum Aufheben. Wer sprüht, sollte auch bald bohren — und im Freien bei Regen hält sie ohnehin nicht. Nach dem Wegwischen: Die Kreide ist praktisch vollständig verschwunden. Was bleibt, ist ein kaum sichtbarer Hauch — auf einer Wand fällt das niemandem mehr auf. Der Praxisvergleich an der Abzweigdose Drei Stifte, ein Loch, das durch das ganze Gehäuse führt: Der Edding kommt nicht einmal in das Loch hinein. Er ist kein Tieflochmarker, und das sieht man sofort. edding 8400: Die Spitze ist zu dick für das Loch und zu kurz für die Tiefe. Man kann den Rand des Lochs anmalen und schätzen — mehr nicht. Pica Dry: Die Hülse passt, die Mine erreicht die Wand, sofern das Loch nicht zu tief ist. Der Punkt ist präzise, auf dunklem Grund aber schwer zu sehen. Pica Powder: Düse ansetzen, pumpen, fertig. Der grüne Punkt sitzt auf der Wand und ist nicht zu übersehen — unabhängig von der Tiefe. Welcher für wen? Pica Dry 3030 Pica Powder 2020 Prinzip Bleistift mit Teleskophülse Pumpe sprüht Kreidepulver Reichweite einige Zentimeter (Hülsenlänge) bis 25 cm, ab 3 mm Lochdurchmesser Markierung feiner Strich oder Punkt Kreidepunkt, fast rückstandsfrei wischbar Sichtbarkeit auf dunklem Grund schlecht (Graphit), besser mit weißer Mine sehr gut, fluoreszierend Präzision hoch, auch zum Anzeichnen Punkt statt Strich, leichte Streuung Nachfüllen Minen in vielen Farben und Härten Nachfüllpulver 2030 Typischer Einsatz Holz, Zuschnitt, Beschläge, flache Bauteile Gehäuse, Kanäle, Metall, tiefe Löcher Die ehrliche Antwort lautet: beide. Der Dry ist das Universalwerkzeug für alles, was angezeichnet werden muss. Der Powder ist die Speziallösung für genau den Fall, in dem der Dry versagt — und der kommt häufiger vor, als man denkt, sobald man Elektroinstallation, Kabelkanäle oder Metallhalterungen montiert. Was mich stört Kreide staubt. Die Wolke landet nicht nur im Loch, sondern auch auf den Fingern und in der Umgebung. Wer mit dem Powder arbeitet, hat grüne Hände. Keine Striche. Der Powder markiert Punkte. Zum Anzeichnen einer Schnittkante ist er ungeeignet — dafür bleibt der Dry. Wind. Im Freien verweht die Kreide, bevor sie auf der Wand landet. Drinnen kein Thema, an der Fassade an einem windigen Tag schon. Der Dry auf Schwarz. Das ist kein Fehler des Stifts, aber der Grund, warum es den zweiten braucht. Eine weiße Mine hilft, ist aber nicht so präzise wie Graphit. Beide Stifte sind nachfüllbar und übrigens ein gutes Beispiel für Werkzeug, das man einmal kauft: Das Gehäuse hält, der Verbrauch sind Minen und Pulver für ein paar Euro. Die beiden Tieflochmarker und ZubehörWas im Test zum Einsatz kam, plus die Nachfüllungen:Pica Dry Tieflochmarker 3030Auf Amazon ansehenPica Powder Sprühmarker 2020 grünAuf Amazon ansehenPica Powder Nachfüllpulver 2030Auf Amazon ansehenPica Dry Minen-Set (Graphit, weiß, farbig)Auf Amazon ansehenedding 8850 BohrlochmarkerAuf Amazon ansehen* Affiliate-Links: Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Käufen. Bitte prüfe die Kompatibilität mit deinem System. Fazit Der Tieflochmarker ist eines dieser Werkzeuge, von denen man nicht wusste, dass man sie braucht — bis man das erste Mal durch ein Gehäuse hindurch markieren muss. Der Pica Dry löst das Problem seit Jahren zuverlässig, solange das Loch nicht zu tief und der Untergrund nicht zu dunkel ist. Der Pica Powder schließt genau diese beiden Lücken. Zwanzig Zentimeter Sprühweite, ein Grün, das auf jedem Untergrund leuchtet, und eine Markierung, die sich wieder wegwischen lässt — für Elektroinstallation und Montagearbeiten ist das die bessere Lösung, und der Dry bleibt für alles, was einen präzisen Strich braucht. Häufige Fragen Was ist ein Tieflochmarker? Ein Stift, der Bohrpunkte durch ein Bauteil hindurch auf den Untergrund überträgt — entweder mit einer langen Teleskophülse, aus der eine Bleistiftmine herausfährt, oder als Sprühmarker, der Kreidepulver durch das Loch schießt. Was ist der Unterschied zwischen Bohrlochmarker und Tieflochmarker? Bohrlochmarker wie der edding 8850 sind Filzstifte mit langer, dünner Spitze für flache Bauteile. Tieflochmarker mit Teleskophülse reichen tiefer und schreiben mit Bleistiftmine; Sprühmarker kommen ganz ohne Kontakt zur Wand aus und erreichen bis zu 25 cm. Wie tief kommt der Pica Powder? Laut Hersteller bis 25 cm durch Löcher ab 3 mm Durchmesser. Im Test reichte der Kreidestrahl rund 20 cm, mit dem dichtesten Auftrag in den ersten zehn Zentimetern. Ist die Kreide wischfest? Nein, und das ist gewollt. Auf glatten Flächen lässt sie sich mit dem Finger fast vollständig entfernen; es bleibt kaum etwas zurück. Für Sichtflächen ist das ideal — man sollte aber bohren, solange die Markierung noch da ist, und bei Regen im Freien hält sie nicht lange. Sieht man die Markierung auf dunklen Flächen? Beim Powder ja — das fluoreszierende Grün ist auf schwarzem Kunststoff, Metall und Beton deutlich sichtbar. Beim Dry mit Graphitmine kaum; dafür gibt es weiße und farbige Ersatzminen. Kann man beide nachfüllen? Ja. Der Dry nimmt Ersatzminen in 2,8 mm, der Powder wird mit dem Nachfüllpulver 2030 befüllt. Beide Gehäuse sind auf Jahre ausgelegt. Gibt es Alternativen? Beim Bleistift-Prinzip Bosch, Sola, Festool oder Lyra mit ähnlichem Aufbau. Beim Sprühprinzip den edding 8870 by Marxman, der jedoch nur etwa 50 mm tief reicht — der Pica Powder ist mit 25 cm in einer anderen Klasse. Technische Angaben nach Herstellerinformationen von Pica, Stand September 2026. Sprühweite, Sichtbarkeit und Wischverhalten wurden mit den abgebildeten Stiften selbst geprüft; alle Fotos und das Video sind eigene Aufnahmen. 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