3 Proxmox und TrueNAS gehören im Homelab und in kleinen Firmen zusammen wie Server und Netzteil: Der eine virtualisiert, der andere speichert. Nur die Verbindung zwischen beiden war bislang Handarbeit. Wer eine VM-Festplatte auf TrueNAS ablegen wollte, klickte sich durch zvol, iSCSI-Extent, Target und LUN-Mapping — und dann noch einmal durch Proxmox, damit der Hypervisor die neue Platte auch sieht. iXsystems, der Hersteller von TrueNAS, hat dafür jetzt ein offizielles Proxmox-Plugin veröffentlicht, das diese Arbeit an eine Schnittstelle abgibt: Proxmox fragt, TrueNAS baut. Das Plugin ist ein nativer Storage-Backend für Proxmox VE, der VM-Disks über iSCSI oder NVMe/TCP auf TrueNAS anlegt, per ZFS-Snapshot sichert, vergrößert, klont und löscht — alles aus der Proxmox-Oberfläche. Der Haken: Es ist ein Early-Adopter-Release. iXsystems selbst rät, es zuerst auf einem Cluster zu testen, an dem nichts hängt. Das Wichtigste in Kürze iXsystems hat am 11. September das TrueNAS Proxmox Plugin offiziell vorgestellt: ein Storage-Backend, das VM-Festplatten auf TrueNAS automatisch als zvol anlegt und per iSCSI oder NVMe/TCP an Proxmox durchreicht. Anlegen, Snapshot (auch mit RAM-Zustand), Klon, Template, Größe ändern, Live-Migration im Cluster und Löschen laufen über die TrueNAS-API — kein SSH, keine manuellen LUNs. Voraussetzungen: TrueNAS 25.10 „Goldeye“ oder neuer, Proxmox VE 8.x oder 9.x (empfohlen). NVMe/TCP nur mit Proxmox 9 und dem Paket nvme-cli. Installation über ein signiertes APT-Repository, einen cluster-fähigen Installer oder ein einzelnes .deb-Paket. Das Plugin kann nur Block-Storage. ISOs, Backups und LXC-Container bleiben auf NFS oder SMB. Status: Early Adopter für die Community Edition, Enterprise-Support in Validierung, kein Termin für die allgemeine Freigabe. Das Problem, das gelöst wird Proxmox kann seit jeher mit TrueNAS reden — über NFS oder über von Hand angelegte iSCSI-LUNs. Beides funktioniert, beides hat Preise. NFS ist schnell eingerichtet, aber VM-Disks liegen dann als qcow2-Dateien auf einer Dateifreigabe: Snapshots sind langsam, und die Proxmox-Dokumentation selbst warnt vor I/O-Blockaden unter Last. iSCSI liefert Block-Performance, aber vor Proxmox 9 gab es darauf keine nativen Snapshots, und jede neue Platte bedeutete den Rundgang durch zwei Oberflächen. Bisher fünf Schritte in zwei Oberflächen, mit dem Plugin ein Klick in Proxmox. TrueNAS erledigt den Rest über die API. Wer das einmal macht, lebt damit. Wer regelmäßig VMs anlegt, vergrößert und löscht, wird zum „menschlichen API-Gateway“ zwischen zwei Verwaltungsoberflächen, wie es Tech Made Simple treffend beschreibt. Genau diese Rolle nimmt das Plugin ab. Wie es funktioniert Das Plugin registriert sich in Proxmox als eigener Storage-Typ. Ein Eintrag in der Storage-Konfiguration nennt den TrueNAS-Host, einen API-Schlüssel, das Ziel-Dataset und das Transportprotokoll. Legt man in Proxmox einer VM eine Festplatte hinzu, spricht das Plugin die versionierte WebSocket-API an, die TrueNAS mit Version 25.10 eingeführt hat. TrueNAS erzeugt daraufhin ein zvol im gewählten Dataset und veröffentlicht es als iSCSI-LUN oder als NVMe/TCP-Namespace; Proxmox bindet es ein und weist es der VM zu. Weil die Disk ein echtes ZFS-Volume ist, kommen die ZFS-Eigenschaften gratis mit: Snapshots sind sofort da und kosten nur die geänderten Blöcke, Klone sind Copy-on-Write, Kompression und Thin Provisioning wirken transparent. Live-Snapshots einer laufenden VM samt Arbeitsspeicher werden unterstützt; wo der RAM-Zustand landet, ist konfigurierbar. Für Cluster ist der Storage als „shared“ markierbar, sodass Live-Migration zwischen Knoten funktioniert, und Multipath sowie CHAP-Authentifizierung sind vorgesehen. iSCSI oder NVMe/TCP Der Transport ist pro Storage-Eintrag wählbar. iSCSI läuft mit Proxmox 8 und 9 und ist der bekannte Weg. NVMe/TCP schickt NVMe-Befehle statt SCSI-Kommandos über normales Ethernet, spart den SCSI-Overhead und senkt Latenz und CPU-Last — braucht aber Proxmox 9, das Paket nvme-cli auf jedem Knoten und den aktivierten NVMe-oF-Target-Dienst in TrueNAS, der ebenfalls mit 25.10 kam. Für ein Homelab mit 2,5 oder 10 Gigabit ist iSCSI die vernünftige Wahl; NVMe/TCP lohnt sich, wenn Netz und Platten schnell genug sind, dass das Protokoll zum Flaschenhals wird. Was das Plugin nicht macht Ein Pool, zwei Wege: Block-Storage für VM-Disks über das Plugin, Dateien wie ISOs und Backups weiter über NFS oder SMB vom selben TrueNAS. Das Plugin ist bewusst auf Block-Storage beschränkt. ISO-Images, Backups, Container-Volumes und dateibasierte Templates gehören weiterhin auf eine NFS- oder SMB-Freigabe — die kann vom selben Pool kommen, sodass ZFS unter allem liegt. Klonen, Verschieben, Sichern und Importieren laufen außerdem weiterhin host-seitig über Proxmox, nicht als ZFS-Operation auf dem Array. Wer sich davon Wunder erhofft, sollte die Erwartung justieren: Das Plugin nimmt die Provisionierung ab, nicht das Verständnis für Storage-Netze. Ein einzelnes Ethernet-Kabel als Storage-Pfad bleibt ein einzelnes Kabel. Voraussetzungen und Installation Komponente Anforderung TrueNAS 25.10 „Goldeye“ oder neuer (Community oder Enterprise) Proxmox VE 8.x oder neuer, 9.x empfohlen NVMe/TCP nur Proxmox 9.x, nvme-cli auf jedem Knoten, NVMe-oF-Target in TrueNAS aktiv Netz iSCSI Port 3260 bzw. NVMe/TCP Port 4420, API über Port 443; eigenes Storage-VLAN empfohlen Paketquelle signiertes APT-Repo (bookworm für PVE 8, trixie für PVE 9), Installer-Skript oder .deb Auf der TrueNAS-Seite braucht es ein Dataset für Proxmox, einen API-Schlüssel und ein iSCSI-Target beziehungsweise NVMe-Subsystem; die Schritte sind in der TrueNAS-Dokumentation beschrieben. Der interaktive Installer erkennt, ob er auf einem einzelnen Knoten oder in einem Cluster läuft, prüft Kernelmodule und Netzwerk und kann auf allen Knoten gleichzeitig installieren — mit Rollback, falls etwas schiefgeht. Einordnung Das Plugin ist nicht aus dem Nichts entstanden. Community-Lösungen wie das ZFS-over-iSCSI-Plugin und Forks davon gibt es seit Jahren, und iXsystems hat die neue versionierte API in 25.10 ausdrücklich mit Blick auf Proxmox, Kubernetes und vSphere gebaut. Neu ist, dass der Hersteller die Integration selbst pflegt, signiert paketiert und in Richtung Enterprise-Support treibt. Für die vielen, die seit dem VMware-Umbruch auf Proxmox umgestiegen sind und TrueNAS darunter betreiben, schließt das eine der letzten Lücken zum kommerziellen Stack — ohne dass beide Produkte ihre Rollen tauschen müssen: Proxmox bleibt Hypervisor, TrueNAS bleibt Storage. Der Status ist ernst zu nehmen. „Early Adopter“ heißt: funktioniert, wird aktiv entwickelt, ist nicht fertig. Storage-Fehler haben einen anderen Humor als App-Abstürze. Wer ein Proxmox-System und ein selbst gebautes NAS mit TrueNAS 25.10 hat, findet hier ein lohnendes Wochenendprojekt — mit Wegwerf-VMs, absichtlich gezogenen Kabeln und Neustarts in der falschen Reihenfolge. Was den Test besteht, darf danach mehr tragen. Häufige Fragen Ersetzt das Plugin mein bestehendes NFS oder iSCSI? Für VM-Festplatten ja: Es ersetzt manuelle iSCSI-LUNs und qcow2 auf NFS. Für ISOs, Backups und Container nein, die bleiben auf NFS oder SMB. Läuft das mit TrueNAS 25.04 oder älter? Nein. Das Plugin nutzt ausschließlich die WebSocket-API, die es erst seit 25.10 gibt. Ein Upgrade des NAS geht dem Plugin voraus. Brauche ich Proxmox 9? Für iSCSI reicht Proxmox 8. NVMe/TCP und die Snapshot-Volume-Chains setzen Proxmox 9 voraus. iXsystems empfiehlt 9.x. Ist das produktionsreif? iXsystems stuft es als Early Adopter ein und empfiehlt den Test auf einem Nicht-Produktiv-Cluster. Für Homelabs und unkritische Workloads ist das vertretbar, für HA-Cluster mit Support-Pflichten noch nicht. Quellen: Ankündigung von iXsystems (11.09.2026), Early-Access-Brief und Dokumentation zum TrueNAS Proxmox VE Storage Plugin, GitHub-Repository truenas/truenas-proxmox-plugin, Release-Blog zu TrueNAS 25.10, Einordnung von Tech Made Simple und DATAZONE (16.09.2026). Abgerufen am 17.09.2026. Grafiken: eigene Darstellung nach Herstellerangaben. Vorheriger Beitrag Wayland vs. X11: Was der Umstieg wirklich bedeutet You may also like FBI beschlagnahmt NightmareStresser: Einer der ältesten DDoS-Mietdienste ist offline — zum zweiten... September 17, 2026 Eine Browser-Erweiterung genügt: Forscher kapern KI-Assistenten in Chrome, Edge, Comet, Opera Neon... September 16, 2026 Parallels Desktop: Lücke macht jedes Mac-Konto zu Root — Intel-Macs bekommen den... September 16, 2026 BambooToken: Schadsoftware steuert Windows und Linux über MQTT — das Smart-Home-Protokoll als... 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