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fischer High Tack AC im Test: Was der Montagekleber kann – und wann Silikon oder Acryl besser ist

by Dimitri Roschkowski
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Bei fischer denkt jeder an Dübel. Dass das Unternehmen aus dem Schwarzwald auch ein komplettes Sortiment an Bauchemie führt — Kleber, Silikone, Acryl, Bauschaum —, wissen die wenigsten. Ich habe mir den fischer High Tack AC geholt, einen Montagekleber für gut vier Euro die Kartusche. In diesem Test geht es darum, was „High Tack“ überhaupt bedeutet, wofür man so einen Kleber braucht und wann stattdessen Silikon, Acryl oder ein anderer Klebstoff die richtige Wahl ist.

Zwei Kartuschen fischer High Tack AC Montageklebstoff, Vorder- und Rückseite
fischer High Tack AC: 310 ml, wasserbasiert, für den Innenbereich.

Was bedeutet „High Tack“?

„Tack“ ist der Fachbegriff für die Anfangshaftung eines Klebstoffs — also dafür, wie stark er hält, bevor er ausgehärtet ist. Ein gewöhnlicher Kleber braucht dafür Zeit: Man muss das Teil abstützen, festklemmen oder mit Klebeband sichern, bis der Kleber anzieht. Ein High-Tack-Kleber hält das Bauteil sofort. Andrücken, loslassen, fertig.

Beim fischer High Tack AC sind das laut Kartusche 345 kg pro Quadratmeter nach zehn Sekunden. Das klingt gewaltig, muss man aber richtig lesen: Es ist die Haftung bei vollflächiger Verklebung. Eine Sockelleiste mit zwei dünnen Kleberaupen hat nur einen Bruchteil davon als Klebefläche. Für eine Leiste, eine Dämmplatte oder ein Holzprofil reicht das trotzdem locker.

Das „AC“ im Namen steht für Acrylat. Der Kleber ist eine wasserbasierte Acrylatdispersion: Kunststoffteilchen, fein verteilt in Wasser. Er härtet aus, indem das Wasser verdunstet oder vom Untergrund aufgesaugt wird. Daraus ergeben sich alle seine Stärken und Schwächen.

Die Daten

Kennwerte auf der Kartusche: Anfangshaftung 345 kg pro Quadratmeter, Endfestigkeit 45 kg pro Quadratzentimeter, Elastizität 1 von 5, Endhaftung 4 von 5
Die Skalen auf der Kartusche: hohe Endhaftung, kaum Elastizität.
Merkmal fischer High Tack AC
Basis 1K-Acrylatdispersion, wasserbasiert, lösemittel- und silikonfrei
Anfangshaftung 345 kg/m² nach 10 Sekunden (Herstellerprüfung)
Endfestigkeit ca. 45 kg/cm² (4,5 MPa Zugscherfestigkeit, Buche auf Buche)
Hautbildung nach 10–15 Minuten
Endfest nach ca. 48 Stunden bei 20 °C
Verarbeitung +10 bis +30 °C
Temperaturbeständigkeit −20 bis +60 °C
Einsatzbereich nur innen, nicht dauerhaft wasserbeständig
Klebefuge hart und starr, schleif- und überstreichbar
Emissionen EMICODE EC1 PLUS, französische Klasse A+
Inhalt 310 ml / 400 g, Farbe weiß
Haltbarkeit 24 Monate, frostfrei lagern
Preis ca. 4,30 € bei Amazon

Wofür braucht man einen Montagekleber?

Montagekleber ersetzt Nägel, Schrauben und Dübel überall dort, wo keine großen Kräfte wirken und man keine Löcher will. Typische Fälle:

  • Sockelleisten und Abschlussleisten
  • Dämm- und Styroporplatten, Deckenplatten, Stuckleisten
  • Holzprofile, Paneele und Verkleidungen
  • Kabelkanäle, Türschwellen, Übergangsprofile
  • Einzelne Fliesen oder Sockelfliesen nachkleben
  • Fensterbänke aus Holz oder Naturstein im Innenbereich

Der High Tack AC ist ausdrücklich Styropor-verträglich. Das ist nicht selbstverständlich: Lösemittelhaltige Kleber fressen Polystyrol regelrecht auf. Außerdem ist er laut Kartusche für Naturstein geeignet — er hinterlässt keine Randverfärbungen, wie sie bei manchem Silikon auftreten.

Was ich damit schon geklebt habe

Der Name ist Programm: Es geht um einen Kleber, der von Anfang an hält, auch bei schweren Teilen. Drei Beispiele aus meiner eigenen Praxis:

  • Einzelne Fliesen zur Reparatur. Eine lose oder ersetzte Fliese wieder einsetzen, ohne Fliesenkleber anzurühren: Kleber auf die Rückseite, andrücken, sitzt. Der Untergrund aus altem Kleberbett oder Putz saugt, genau wie der Kleber es braucht.
  • Klinker an der Hausfassade. Das ist durchaus etwas Schweres, und es hängt senkrecht. Hier zeigt sich, was hohe Anfangshaftung bedeutet: Der Klinker bleibt an der Wand, ohne dass man ihn abstützen muss.
  • Eine Mehrfachsteckdose an den Tisch. Steckdosenleiste unter die Tischplatte kleben statt schrauben — das Holz der Platte liefert die saugende Fläche.

Ein ehrlicher Hinweis zum Klinker: Laut Kartusche ist der High Tack AC für den Innenbereich gedacht und nicht dauerhaft wasserbeständig. An der Fassade bewegt man sich damit außerhalb dessen, was fischer freigibt. Wer außen klebt und auf Nummer sicher gehen will, nimmt das Schwesterprodukt High Tack MS — dieselbe Idee mit der sofortigen Haftung, aber wetterfest.

Die wichtigste Regel: Eine Seite muss saugen

Rückseite der Kartusche fischer High Tack AC mit Verarbeitungshinweisen
Das Kleingedruckte: Eine Fügefläche muss saugend sein, nicht für PE, PP und PTFE.

Weil der Kleber durch Wasserabgabe aushärtet, braucht das Wasser einen Weg hinaus. Mindestens eine der beiden Flächen muss saugfähig sein — Putz, Gips, Beton, Holz, Ziegel. Klebt man zwei dichte Flächen aufeinander, etwa Metall auf Fliese oder Kunststoff auf Glas, bleibt das Wasser eingeschlossen. Der Kleber härtet dann am Rand an und bleibt in der Mitte über Wochen weich.

Das ist der häufigste Fehler mit Acrylat-Montageklebern und der Grund für die meisten schlechten Bewertungen dieser Produktklasse. Der Kleber ist nicht schlecht — er wurde falsch eingesetzt.

Weitere Grenzen:

  • Nicht für außen und nicht für Nassbereiche. Ausgehärtet verträgt er Feuchtigkeit, aber kein dauerhaftes Wasser.
  • Nicht auf PE, PP und PTFE (Teflon) sowie auf teer- und bitumenhaltigen Untergründen.
  • Nicht elastisch. Die Fuge wird hart und starr. Wo Bauteile arbeiten, reißt sie.
  • Nicht unter +10 °C verarbeiten und die Kartusche vor Frost schützen — eine einmal durchgefrorene Dispersion ist hin.

Montagekleber, Silikon oder Acryl?

Vergleichstabelle: Eigenschaften von Acrylat-Montagekleber, MS-Polymer, PU-Kleber, Lösemittelkleber, Silikon und Acryl-Dichtstoff
Die sechs gängigen Produktklassen aus der Kartusche im Vergleich.

Im Baumarktregal stehen die Kartuschen nebeneinander und sehen gleich aus. Sie tun aber grundverschiedene Dinge.

Silikon: dichtet, klebt aber nicht

Silikon ist ein Dichtstoff. Es bleibt dauerhaft elastisch, ist wasserfest und UV-beständig — ideal für Fugen in Bad und Küche, an Fenstern und überall, wo Bewegung und Wasser zusammenkommen. Als Kleber taugt es kaum: Die Anfangshaftung ist gering, die Festigkeit niedrig. Und es lässt sich nicht überstreichen — Farbe perlt ab, auch auf den Flächen daneben, wenn man mit silikonverschmierten Fingern darüberwischt.

Acryl-Dichtstoff: die Fuge für den Maler

Acryl aus der Kartusche (Maleracryl) ist ebenfalls ein Dichtstoff, chemisch aber mit dem High Tack AC verwandt. Es ist überstreichbar und damit die richtige Wahl für Anschlussfugen an Wand und Decke, Risse im Putz oder die Fuge zwischen Türzarge und Wand. Es ist nur wenig elastisch und im Nassbereich fehl am Platz.

Der Unterschied zum Acrylat-Montagekleber: Maleracryl ist weich eingestellt und soll Fugen füllen. Der Montagekleber ist auf Haftung und Festigkeit getrimmt und härtet hart aus. Mit Maleracryl hält keine Sockelleiste, und mit Montagekleber sollte man keine Bewegungsfuge schließen.

MS-Polymer: der Alleskönner

Hybridkleber auf Basis von MS-Polymer verbinden die Vorteile beider Welten: Sie kleben und dichten, bleiben elastisch, sind überstreichbar, haften auch auf nicht saugenden Untergründen und funktionieren außen wie innen, sogar auf feuchten Flächen. Sie härten durch Luftfeuchtigkeit aus und brauchen keinen saugenden Untergrund. Der Preis: Sie kosten zwei- bis dreimal so viel wie ein Acrylatkleber.

PU- und Lösemittelkleber

PU-Kleber (Polyurethan) erreichen sehr hohe Festigkeiten und sind wasserfest — die Wahl für konstruktive Verklebungen, etwa bei Holz im Außenbereich. Sie schäumen teils leicht auf und sind auf der Haut hartnäckig. Lösemittelhaltige Montagekleber auf Kautschukbasis ziehen schnell an und haften auch auf dichten Flächen, riechen aber stark, greifen Styropor an und sind in Innenräumen kaum noch zeitgemäß.

Die Kurzfassung

Aufgabe Richtige Wahl
Sockelleiste auf Putz, Styropor an die Decke, Holzprofil an die Wand Acrylat-Montagekleber wie High Tack AC
Spiegel, Metall auf Fliese, Kunststoff auf Glas MS-Polymer
Alles im Außenbereich oder im Bad MS-Polymer oder PU
Fuge an Dusche, Wanne, Waschbecken Sanitärsilikon
Anschlussfuge Wand/Decke, die gestrichen wird Acryl-Dichtstoff
Schwere, tragende Verbindung Schrauben und Dübel — kein Kleber

In der Verarbeitung

Der Kleber kommt als standfeste, cremeweiße Paste aus der Kartusche und tropft nicht — auch nicht über Kopf. Er ist praktisch geruchlos, was in Wohnräumen ein echter Vorteil gegenüber lösemittelhaltigen Produkten ist. Die Emissionsklassen EC1 PLUS und A+ bestätigen das: sehr emissionsarm.

Aufgetragen wird er als Raupe oder in Punkten im Abstand von etwa 15 cm. Dann das Bauteil ansetzen, ausrichten und fest andrücken. Korrigieren muss man vor dem Andrücken — danach sitzt das Teil, einige Minuten lässt es sich noch leicht verschieben. Nach 10 bis 15 Minuten bildet sich eine Haut, nach etwa 48 Stunden ist die Endfestigkeit erreicht.

Frische Kleberreste gehen mit Wasser und einem Lappen weg. Ausgehärtet hilft nur noch Mechanik: abschaben, abschleifen. Dafür lässt sich die ausgehärtete Fuge schleifen und überstreichen, was bei Leisten und Stuck die Nacharbeit einfach macht.

Ein Hinweis für Allergiker: Der Kleber enthält als Konservierungsmittel Isothiazolinone, die auf der Kartusche deklariert sind. Wer darauf reagiert — das Problem ist von Wandfarben bekannt —, sollte Handschuhe tragen und gut lüften.

Für die Verarbeitung braucht man eine Kartuschenpistole. Auf der Kartusche stehen die Kürzel KPM 1, KPM 2 Plus und KPM 3 — das sind fischers eigene Auspresspistolen. Jede andere Pistole für 310-ml-Kartuschen funktioniert genauso.

Fischer macht nicht nur Dübel

Die Bauchemie-Sparte von fischer geht laut Unternehmenshistorie auf das Jahr 1997 zurück, als der Schaum- und Silikonhersteller Rocca Bauchemie integriert wurde. Heute gibt es ein vollständiges Programm, dessen Namen einem klaren Schema folgen: AC steht für Acryl, MS für MS-Polymer, SI für Silikon, PU für Polyurethan.

Produkt Typ Einsatz
High Tack AC Acrylat-Montagekleber innen, saugende Untergründe, hohe Anfangshaftung
High Tack MS MS-Polymer-Kleber innen und außen, auch nicht saugende Flächen
Multi MS MS-Polymer Allrounder zum Kleben und Dichten
Crystal MS MS-Polymer, transparent sichtbare Verklebungen, Glas
Express PU PU-Konstruktionskleber schnelle, hochfeste Verbindungen
Sanitary Pro SI Sanitärsilikon Bad und Küche
Natural Stone SI Natursteinsilikon Marmor, Granit ohne Randverfärbung
Paint AC Acryl-Dichtstoff überstreichbare Anschlussfugen
PU Pro 500 1K-Montageschaum Türzargen, Fenster, Hohlräume
Auspresspistole KPM 2 Plus Kartuschenpistole für alle 310-ml-Kartuschen

Die Produktnamen in der Tabelle sind Affiliate-Links zu Amazon. Kaufst du darüber, erhalte ich eine kleine Provision – der Preis ändert sich für dich nicht.

Für die meisten Heimwerker reichen zwei Kartuschen im Regal: ein Acrylat-Montagekleber wie der High Tack AC für alles Trockene im Innenraum und ein MS-Polymer für den Rest.

Was mir gefällt

  • Hält sofort, auch schwere Teile wie Klinker oder Fliesen — kein Abstützen, kein Klebeband
  • Geruchlos und sehr emissionsarm (EC1 PLUS)
  • Styropor- und natursteinverträglich
  • Tropft nicht, auch über Kopf
  • Schleif- und überstreichbar
  • Frisch mit Wasser zu entfernen
  • Sehr günstig

Was mir nicht gefällt

  • Nur innen, nicht für Nassbereiche
  • Braucht eine saugende Fläche — sonst härtet er nicht durch
  • Starre Fuge, nichts für arbeitende Bauteile
  • 48 Stunden bis zur Endfestigkeit
  • Frostempfindlich bei Lagerung und Transport im Winter
  • Nur in Weiß

Fazit

Der fischer High Tack AC ist ein unspektakulär guter Montagekleber für den Innenausbau. Er hält sofort, riecht nicht, verträgt Styropor und kostet wenig. Solange eine der beiden Flächen saugt und kein Wasser im Spiel ist, gibt es keinen Grund, mehr auszugeben.

Sobald es nach draußen geht, ins Bad oder auf zwei dichte Flächen, ist er der falsche Kleber. Dann greift man zum High Tack MS oder einem anderen MS-Polymer — und zahlt entsprechend mehr. Wer den Unterschied kennt, kauft für jede Aufgabe die richtige Kartusche und ärgert sich nicht über Leisten, die nach einer Woche wieder abfallen.

Häufige Fragen

Wie lange braucht Montagekleber zum Trocknen?

Der fischer High Tack AC bildet nach 10 bis 15 Minuten eine Haut und ist nach etwa 48 Stunden endfest. Bei dicken Schichten, kühler Luft oder wenig saugendem Untergrund dauert es länger.

Montagekleber oder Silikon?

Montagekleber zum Befestigen, Silikon zum Abdichten. Silikon hat kaum Klebkraft und ist nicht überstreichbar, Acrylat-Montagekleber ist weder elastisch noch wasserfest.

Kann man mit dem High Tack AC Sockelleisten kleben?

Ja, das ist eine der Hauptanwendungen. Die Wand muss trocken, staubfrei und tragfähig sein. Auf Tapete hält der Kleber nur so gut wie die Tapete an der Wand.

Ist der fischer High Tack AC wasserfest?

Nein. Er ist nach dem Aushärten feuchtigkeitsbeständig, aber nicht dauerhaft wasserfest und nur für innen gedacht.

Wie entfernt man Montagekleber?

Frisch mit Wasser. Ausgehärtet nur mechanisch: mit Spachtel, Klinge oder Schleifpapier. Wärme aus einem Heißluftföhn macht Acrylatkleber etwas weicher und erleichtert das Abschaben.

Hält Montagekleber auf Fliesen?

Ein Acrylatkleber nur, wenn das Gegenstück saugt, etwa Holz. Für Metall, Kunststoff oder Glas auf Fliese braucht es ein MS-Polymer.

Montagekleber und Zubehör

Der getestete Kleber, die Alternative für draußen und was man zum Verarbeiten braucht.

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