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Gewinde abdichten: wann im Gewinde, wann über die Fläche

by Dimitri Roschkowski
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Ein Gewinde ist keine Dichtung. Es ist eine Schraubverbindung — und zwischen Flanken und Kern bleibt immer ein Spalt, durch den Wasser, Gas oder Luft entweichen können. Ob du diesen Spalt abdichten musst, hängt davon ab, welche Art von Verbindung du vor dir hast. Das ist die wichtigste Unterscheidung in diesem Thema, und sie wird ständig übersehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Dichtend im Gewinde: konische Gewinde (R, NPT) — hier muss ins Gewinde abgedichtet werden.
  • Dichtend an der Fläche: zylindrische Gewinde (G) mit Flachdichtung oder O-Ring — hier wäre Hanf im Gewinde falsch.
  • Faustregel: Hat die Verbindung eine Dichtfläche, dichtet die Fläche. Hat sie keine, dichtet das Gewinde.
  • Trapezgewinde sind Bewegungsgewinde und dichten grundsätzlich nicht.

Warum ein Gewinde überhaupt undicht ist

Schnittzeichnung des Kanals zwischen den Gewindeflanken mit und ohne Dichtmittel
Zwischen den Flanken bleibt ein durchgehender Kanal. Genau den füllt das Dichtmittel.

Damit sich zwei Gewindeteile überhaupt ineinander drehen lassen, braucht es Spiel. Das Außengewinde ist minimal kleiner als das Innengewinde, zwischen den Flanken bleibt ein schraubenförmiger Kanal — eine durchgehende Wendel vom Anfang bis zum Ende der Verbindung.

Bei Luft ohne Druck merkt das niemand. Bei 3 bar Wasserdruck wird daraus ein Rinnsal, bei Gas ein Sicherheitsproblem. Das Dichtmittel hat genau eine Aufgabe: diesen Kanal zu füllen. Nicht kleben, nicht schmieren — füllen.

Konisch oder zylindrisch — die entscheidende Frage

Schnittzeichnung: konisches Gewinde dichtet im Gewinde, zylindrisches ueber eine Flachdichtung
Links verkeilt sich das konische Gewinde und dichtet zwischen den Flanken. Rechts übernimmt die Flachdichtung an der Stirnfläche.
Eckventil mit unbehandeltem Außengewinde
Ein typisches Eckventil: Das Außengewinde rechts ist konisch und muss im Gewinde abgedichtet werden.

Konisches Gewinde (R, NPT) — dichtet im Gewinde

Ein konisches Gewinde wird zum Ende hin dünner. Beim Eindrehen verkeilen sich die Flanken ineinander, die Verbindung wird mit jeder Umdrehung fester. Hier gibt es keine Dichtfläche — die Abdichtung passiert ausschließlich zwischen den Flanken.

  • R (nach DIN EN 10226, früher „Rp/R“) ist das kegelige Whitworth-Rohrgewinde, der Standard in der europäischen Sanitärtechnik.
  • NPT ist das amerikanische Pendant mit 60°-Flankenwinkel statt 55°. NPT und R sind nicht kompatibel — sie lassen sich ein Stück weit zusammendrehen und werden nie dicht.

Hier muss ein Dichtmittel ins Gewinde: Hanf, Dichtfaden, Teflonband oder Flüssigdichtung.

Zylindrisches Gewinde (G) — dichtet an der Fläche

Ein zylindrisches Gewinde hat über die ganze Länge denselben Durchmesser. Es kann sich nicht verkeilen und dichtet deshalb nie über das Gewinde. Die Abdichtung übernimmt eine Flachdichtung oder ein O-Ring, der beim Anziehen gegen eine plane Fläche gepresst wird.

Typische Beispiele: Verschraubungen am Heizkörper, Schlauchanschlüsse, Panzerschlauch an der Armatur, Wasserzähler-Verschraubungen.

Der klassische Fehler: Hanf oder Teflonband auf ein G-Gewinde zu wickeln, weil es tropft. Das hilft nicht — und schlimmer: Es verhindert, dass die Dichtfläche sauber aufliegt. Wenn eine Flachdichtungsverbindung undicht ist, liegt es fast immer an einer beschädigten, verhärteten oder fehlenden Dichtung. Oder daran, dass die Dichtfläche verkratzt ist.

Wie erkennt man, was man vor sich hat?

Merkmal Konisch (R/NPT) Zylindrisch (G)
Form wird zum Ende dünner gleichbleibend dick
Dichtfläche keine Bund oder Nut für Dichtung
Beim Eindrehen wird kontinuierlich schwerer läuft leicht bis zum Anschlag
Abdichtung im Gewinde an der Fläche

Die Probe ohne Messschieber: Dreh das Teil von Hand ein. Läuft es locker bis zu einem Anschlag, ist es zylindrisch. Wird es nach zwei, drei Umdrehungen von selbst stramm, ist es konisch.

Die Mischform: R-Außengewinde in Rp-Innengewinde

In der Praxis trifft man oft ein konisches Außengewinde (R), das in ein zylindrisches Innengewinde (Rp) geschraubt wird. Diese Paarung ist genormt und völlig üblich — zum Beispiel beim Eckventil in der Wandscheibe. Auch hier wird im Gewinde abgedichtet, weil das konische Teil die Verkeilung übernimmt.

Trapezgewinde: dichtet nicht, soll es auch nicht

Ein Trapezgewinde (Tr, nach DIN 103) hat keinen spitzen, sondern einen trapezförmigen Flankenquerschnitt mit 30° Flankenwinkel. Es ist ein Bewegungsgewinde, kein Befestigungsgewinde.

Seine Aufgabe ist, Drehbewegung in Längsbewegung umzusetzen — bei Spindeln von Schraubstöcken, Hubtischen, Pressen, Schiebern und Ventilspindeln. Es ist dafür gebaut, Kräfte zu übertragen und sich dabei leichtgängig zu bewegen. Mit großem Spiel, damit es nicht klemmt.

Ein Trapezgewinde abzudichten ist weder vorgesehen noch sinnvoll. Wo eine Spindel durch ein Gehäuse geht und dort dicht sein muss — etwa bei einem Absperrschieber — übernimmt das eine Stopfbuchse oder ein O-Ring an der Spindel, nicht das Gewinde selbst.

Dasselbe gilt für andere Bewegungsgewinde wie Sägengewinde oder Rundgewinde.

Welches Dichtmittel wofür?

Steht fest, dass im Gewinde abgedichtet werden muss, bleiben vier Möglichkeiten:

Mittel Stärken Schwächen
Hanf mit Dichtpaste nachjustierbar, bewährt, quillt bei Wasser Übung nötig, nicht für alle Medien
Dichtfaden sauber, schnell, kein Werkzeug begrenzte Temperatur, nicht nachziehbar
Teflonband billig, überall erhältlich fehleranfällig in der Wickelrichtung
Flüssigdichtung sehr sicher, auch bei Vibration Aushärtezeit, schwer zu lösen

Welches davon im Einzelfall passt, hängt von Medium, Temperatur, Druck und davon ab, ob die Verbindung später noch ausgerichtet werden soll. Die Details stehen in den weiterführenden Artikeln:

Eine Regel zum Schluss

Ein Dichtmittel repariert kein kaputtes Gewinde. Wenn Flanken ausgerissen, verkantet oder überdreht sind, hilft keine Menge Hanf. Dann muss das Teil getauscht werden. Ebenso wenig ersetzt Dichtmittel die fehlende Flachdichtung an einer Verschraubung.

Bei Gas gilt zusätzlich: Arbeiten an Gasleitungen sind in Deutschland einem zugelassenen Fachbetrieb vorbehalten. Dichtmittel müssen dafür ausdrücklich zugelassen sein — erkennbar an der DVGW-Prüfung und der Angabe der Gasklasse.

Dichtmittel für Gewinde

Die vier gängigen Varianten — vom Klassiker Hanf bis zur anaeroben Flüssigdichtung.

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