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UniFi Protect 7.3: Kameras an entfernten Standorten per Teleport anlernen

by Dimitri Roschkowski
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Ubiquiti hat UniFi Protect 7.3.70 veröffentlicht. Die offiziellen Release Notes stellen zwei Neuerungen nach vorn: die Dashboard Time Machine und Super Encoding, das bis zu 50 Prozent Speicherplatz sparen soll. Die eigentlich spannendste Neuerung der 7.3-Generation steht dort aber gar nicht: Kameras lassen sich jetzt per Teleport an einer Protect-Installation an einem ganz anderen Standort anlernen, über das Internet und ohne Site-to-Site-VPN.

Teleport-Adoption: Kameras an entfernten Standorten

Bisher galt bei UniFi Protect eine einfache Regel: Die Kamera muss im selben Netz hängen wie die Konsole, auf der Protect läuft. Wer eine Kamera im Ferienhaus, in der Garage am anderen Ende des Orts oder bei den Eltern betreiben wollte, brauchte dort entweder eine eigene UniFi-Konsole mit eigener Protect-Instanz oder musste beide Standorte per Site-to-Site-VPN verbinden — mit allem, was dazugehört: Routing, Firewall-Regeln, Adoption über Layer 3.

Mit Protect Teleport Adoption ändert sich das. Laut Ubiquitis Hilfeartikel kann eine Kamera an einem Standort auf ein Gateway oder einen NVR an einem anderen Standort aufzeichnen, über das Internet. Ziel ist ausdrücklich, Kameras mehrerer Standorte auf einem einzigen Aufzeichnungsziel zusammenzufassen, ohne Site-to-Site-VPN.

Technisch steckt dahinter Teleport, Ubiquitis Zero-Configuration-VPN. Es baut einen WireGuard-Tunnel auf, der über ausgehende Verbindungen läuft und deshalb auch hinter NAT funktioniert, ohne Portfreigabe. Bisher kannte man Teleport vor allem als Fernzugang für Smartphone und Laptop über die WiFiman-App. Jetzt nutzt Protect denselben Mechanismus für Kameras.

So funktioniert die Einrichtung

  1. Teleport auf dem Ziel-Gateway aktivieren (der Standort, an dem aufgezeichnet wird).
  2. Mit dem Smartphone vor Ort beim Kamerastandort ins selbe lokale Netz wie die noch nicht angelernte Kamera gehen.
  3. Die Protect-App zeigt die erkannten Kameras zur Adoption an.
  4. Gewünschtes Aufzeichnungsziel auswählen und auf Adopt tippen.

Man muss also einmal physisch am entfernten Standort sein. Danach läuft die Kamera dauerhaft über Teleport.

Voraussetzungen

Komponente Mindestversion / Anforderung
Kameras G6-Serie (außer G6 Edge), AI-Serie, Doorbell Lite
Kamera-Firmware 5.5.29
UniFi Protect 7.3.68
UniFi OS 6.0.9
Protect-App iOS 3.12, Android 3.9
Ziel Cloud Gateway mit aktiviertem Teleport; Aufzeichnung auf dem Gateway selbst oder einem NVR in dessen lokalem Netz
Internet Beide Standorte brauchen eine direkte Teleport-Verbindung; eine öffentliche WAN-IP am Ziel-Gateway wird „dringend empfohlen“

Die iOS-App 3.12.0 mit Teleport-Unterstützung ist am 29. September erschienen. Protect 7.3.70 erfüllt die Mindestversion 7.3.68.

Die Haken

Ältere Kameras bleiben außen vor. G4 und G5 werden nicht unterstützt, ebenso die G6 Edge. Wer seinen Bestand an einem Zweitstandort einbinden will, muss also neue Hardware kaufen.

CGNAT kann zum Problem werden. Teleport selbst kommt mit NAT gut zurecht, Ubiquiti empfiehlt für das Ziel-Gateway aber ausdrücklich eine öffentliche IPv4. Wer zu Hause keine eigene öffentliche IPv4 hat, etwa wegen DS-Lite oder CGNAT — bei vielen Kabel- und Glasfaseranschlüssen in Deutschland der Normalfall —, sollte nicht fest damit rechnen, dass es reibungslos läuft.

Der Upload am Kamerastandort ist der Flaschenhals. Jede Kamera schickt ihren Videostrom dauerhaft durchs Internet. Im Ferienhaus mit LTE-Router oder schwacher DSL-Leitung reicht das für eine Kamera, für mehrere wird es eng. Ubiquiti nennt keine Bandbreitenanforderungen.

Offen bleibt das Verhalten bei Verbindungsabbruch. Was passiert, wenn die Leitung am Kamerastandort ausfällt — ob die Kamera lokal puffert und nachliefert oder die Aufnahme einfach fehlt —, beschreibt Ubiquiti nicht. Wer Teleport-Kameras sicherheitsrelevant einsetzt, sollte das vorher selbst testen, indem er den Router am Kamerastandort für ein paar Minuten trennt.

Was sonst neu ist in Protect 7.3.70

Dashboard Time Machine

Das Dashboard lässt sich zurückdrehen: Statt nur den aktuellen Zustand zu sehen, kann man vergangene Aktivität auf einen Blick durchgehen. Gerade bei vielen Kameras ist das schneller, als jede Timeline einzeln zu durchsuchen.

Super Encoding

Unter Storage Budgeting gibt es eine neue Einstellung Super Encoding. Ubiquiti verspricht bis zu 50 Prozent bessere Speichereffizienz und damit längere Aufbewahrung bei gleicher Festplattenkapazität. Welches Verfahren dahintersteckt und ob es Auswirkungen auf Bildqualität oder CPU-Last der Konsole hat, sagen die Release Notes nicht. „Bis zu“ ist zudem der Bestfall — bei ruhigen Szenen mit wenig Bewegung dürfte die Ersparnis am größten ausfallen.

Find Anything

Die KI-Suche wurde stark ausgebaut:

  • Manage Identifications: Erkannte Gesichter lassen sich per Drag-and-Drop Personen zuordnen, Benachrichtigungen je Identität steuern und UniFi-Benutzer direkt identifizieren.
  • Neue Ansichten Most Recent und Commonality mit Schnellzugriff auf Personen und Kennzeichen aus der Suche.
  • Aktivitätsdiagramme für Erkennungen, bessere Filter und Hilfetexte im Kontext.
  • Gesichtsgruppen verlinken jetzt auf den passenden Eintrag im Bereich People der Konsole.

Wer Gesichtserkennung in Deutschland einsetzt, sollte das nicht unterschätzen: Biometrische Daten sind nach DSGVO besonders geschützt. Für das eigene Grundstück und die eigene Familie ist das unkritisch, sobald Kameras öffentlichen Raum, Nachbarn oder Mitarbeiter erfassen, ist es ein Datenschutzthema.

Sensoren und Alarm

  • Sensor Manager mit Ereignisdiagrammen, besseren Filtern, übersichtlicheren Datenansichten und anpassbaren Spalten.
  • Pegeldiagramm zur Kalibrierung von Glasbruchsensoren.
  • Neue Buzzer-Option im Alarm Manager für den G6 180 Enhancer.

Wiedergabe und Berichte

  • Bessere Bereichsauswahl bei der Wiedergabe und einheitlichere Player-Steuerung.
  • Case Manager: PDF-Berichte mit klarerer Zusammenfassung des Vorfalls.

Einordnung

Die Release Notes zu 7.3.70 lesen sich wie ein solides Pflegeupdate mit zwei Komfortfunktionen. Der eigentliche Schritt ist die Teleport-Adoption, die Ubiquiti nur über einen Hilfeartikel und die App-Release-Notes kommuniziert. Sie macht aus Protect ein System, das mehrere Standorte zentral aufzeichnen kann, ohne dass man ein VPN zwischen den Standorten pflegen muss. Für das klassische Szenario „Haupthaus plus Ferienhaus“ oder „Wohnung plus Garage“ ist das genau das, was bisher gefehlt hat.

Ganz frei ist der Weg aber nicht: Nur die aktuelle Kamerageneration wird unterstützt, die Upload-Bandbreite am entfernten Standort setzt die Grenze, und bei CGNAT am Ziel ist Vorsicht angesagt. Wer das alles erfüllt, spart sich eine zweite Konsole.

Wie Protect sich in Home Assistant einbinden lässt, steht in meinem Artikel UniFi Protect mit Home Assistant. Den Einstieg ins UniFi-System beschreibt der UniFi-Einrichtungsguide, und welche Sicherheitslücken Ubiquiti zuletzt schließen musste, steht unter UniFi-Sicherheitslücken 2026. Wer ohnehin plant, kann sich auch das neue UniFi Design Center ansehen.

Quellen: Ubiquiti Community Release Notes „UniFi Protect Application 7.3.70″; Ubiquiti Help Center „UniFi Protect: Teleport Adoption“; Release Notes UniFi Protect iOS 3.12.0 (29.09.2026).

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