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Neues UniFi Design Center: WLAN-Planung mit automatischer Wanderkennung und 3D

by Dimitri Roschkowski
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Ubiquiti hat am 24. September eine neue Generation des UniFi Design Center vorgestellt. Das Planungswerkzeug erkennt Wände jetzt selbstständig aus hochgeladenen Grundrissen, setzt Access Points automatisch und baut aus mehreren Etagen ein dreidimensionales Gebäudemodell. Am Ende lässt sich die fertige Planung direkt in den Site Manager übernehmen.

Der Satz, der den Rest der Ankündigung überstrahlt, steht ganz am Schluss: Das alles gebe es „ohne wiederkehrende Softwaregebühren“. Wer schon einmal ein Angebot für professionelle WLAN-Planungssoftware eingeholt hat, weiß, warum das eine Ansage ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Automatische Wanderkennung: Grundriss als Bild oder PDF hochladen, das Werkzeug erzeugt daraus die Wände — ohne dass man jede Linie selbst nachzieht.
  • Automatische AP-Platzierung: Zonen und erwartete Client-Zahl definieren, Design Center schlägt Positionen und einen Kanalplan vor.
  • 3D-Gebäudemodell: Mehrere Etagen lassen sich zu einem Gesamtmodell kombinieren, inklusive etagenübergreifender Funkplanung.
  • Brücke zum Betrieb: Die Planung wandert in den Site Manager zum Pre-Provisioning und taucht anschließend in InnerSpace als real verwaltetes Netz auf.
  • Web und Mobil synchron: Projekte bleiben über beide Oberflächen hinweg auf demselben Stand.
  • Keine laufenden Softwarekosten — der Haken steckt woanders, dazu unten mehr.

Was Ubiquiti angekündigt hat

Der Beitrag von Tom Hildebrand im Ubiquiti-Blog gliedert die Neuerungen in fünf Punkte.

Aus dem Grundriss bauen. Bisher war das Zeichnen der Wände der mühsamste Teil jeder Funkplanung — und zugleich der wichtigste, weil die Dämpfung an den Wänden hängt. Design Center importiert nun Bilder oder PDFs und erzeugt die Wände daraus selbst. Ubiquiti verspricht eine „präzise Grundlage für die Simulation der Funkabdeckung“.

Access Points optimal setzen. Statt Geräte per Hand zu verteilen, definiert man Zonen und die erwartete Zahl gleichzeitiger Clients. Das Werkzeug errechnet daraus Positionen und schlägt einen Kanalplan vor. Ubiquiti nennt das „vorhersagbare WLAN-Leistung ab Tag 1“.

Das ganze Gebäude sehen. Einzelne Etagenpläne lassen sich zu einem 3D-Modell zusammensetzen. Das ist mehr als Kosmetik: Funk hält sich nicht an Geschossdecken, und wer nur Etage für Etage plant, übersieht die gegenseitige Störung der Stockwerke.

Von der Planung in den Betrieb. Das fertige Design geht in den Site Manager, wo Geräte vorkonfiguriert werden können, bevor sie überhaupt montiert sind. Nach der Installation erscheint dieselbe Planung in InnerSpace, Ubiquitis Visualisierung, die Abdeckung von WLAN und Kameras über den Grundriss legt.

Überall synchron. Web- und Mobilversion teilen sich denselben Projektstand — gedacht für den Fall, dass man auf der Baustelle nachjustiert, was am Schreibtisch geplant wurde.

Warum der Preis-Satz der eigentliche Nachrichtenwert ist

Professionelle WLAN-Planung war bisher ein eigener Markt mit eigenen Preisen. Die Referenz ist Ekahau AI Pro: KI-gestützte AP-Planung, 3D-Visualisierung, CAD-Import, Simulation für 2,4, 5 und 6 GHz. Ein Blick in die einschlägigen Shops zeigt, wie dieser Markt funktioniert — bei den deutschen Distributoren steht dort durchgängig „Preis auf Anfrage“, verbunden mit einer verpflichtenden Jahreslizenz.

Ubiquiti stellt ein Werkzeug mit vergleichbarer Funktionsliste daneben und sagt: kostet als Software nichts. Für kleinere Integratoren, Elektrobetriebe und ambitionierte Selbermacher verschiebt das die Grenze dessen, was man sich an Planungsqualität leisten kann, erheblich.

Und wo ist der Haken?

Genau da, wo man ihn bei Ubiquiti erwartet: Design Center plant UniFi-Hardware. Das Geschäftsmodell ist nicht die Software, sondern das, was anschließend an der Decke hängt. Ekahau ist herstellerneutral und rechnet mit den Antennendiagrammen beliebiger Fabrikate — dafür zahlt man eben die Lizenz. Wer sich ohnehin für UniFi entschieden hat, bekommt hier ein Werkzeug geschenkt. Wer herstellerunabhängig plant, bekommt es nicht.

Zwei weitere Punkte lässt die Ankündigung offen, die in der Praxis entscheiden, wie viel die Simulation taugt:

  • Woher kennt das Werkzeug das Wandmaterial? Eine automatisch erkannte Wand ist zunächst nur eine Linie. Ob dahinter Rigips, Kalksandstein oder Stahlbeton steckt, macht in der Dämpfung einen Unterschied von mehreren Größenordnungen. Der Beitrag sagt nichts dazu, ob und wie man Materialien zuweist.
  • Simulation ist keine Messung. Die Ankündigung beschreibt durchgehend Planung und Vorhersage. Von einer Vermessung vor Ort — bei Ekahau die Domäne teurer Messhardware — ist nicht die Rede. Für die Kontrolle nach der Montage bleibt man bei Ubiquiti vorerst bei WiFiman.

Eine Versionsnummer, einen Starttermin für einzelne Funktionen oder Angaben zur Genauigkeit der Wanderkennung nennt der Beitrag ebenfalls nicht. Das Design Center selbst gibt es unter design.ui.com übrigens schon länger — dies ist ausdrücklich eine neue Generation, kein neues Produkt.

Für wen sich das lohnt

Für ein Einfamilienhaus mit drei Access Points ist eine Funksimulation Overkill — da kommt man mit gesundem Menschenverstand und einer Messung hinterher weiter. Interessant wird es ab dem Punkt, an dem man Geräte vor dem Kauf begründen muss: bei mehrstöckigen Gebäuden, Büros, Lagerhallen, Ferienwohnungen mit vielen gleichzeitigen Gästen.

Der praktisch wertvollste Teil ist dabei nicht die schöne 3D-Ansicht, sondern die Brücke zum Pre-Provisioning. Geräte fertig konfiguriert auf die Baustelle zu bringen, statt sie dort einzeln anzulernen, spart Stunden — und genau dieser Übergang von der Planung in den Betrieb war bisher der Bruch in der Werkzeugkette.

Wer UniFi ohnehin nutzt und bisher mit Papier und Bauchgefühl geplant hat, sollte sich das ansehen. Wer gerade erst einsteigt, findet den Unterbau in meinem Einsteiger-Guide zu UniFi, und wer sich fragt, welcher Access Point überhaupt sinnvoll ist, in der Einordnung zum UniFi Express 7.

Häufige Fragen

Was kostet das UniFi Design Center?

Ubiquiti bewirbt es ausdrücklich „ohne wiederkehrende Softwaregebühren“. Konkrete Preisangaben enthält die Ankündigung nicht — das Geld verdient der Hersteller mit der geplanten Hardware.

Kann ich damit auch fremde Access Points planen?

Danach sieht es nicht aus. Design Center ist Teil des UniFi-Ökosystems und auf dessen Geräte ausgelegt. Für herstellerneutrale Planung bleiben Werkzeuge wie Ekahau oder Hamina.

Was ist InnerSpace?

Ubiquitis Visualisierungsanwendung, die Geräte, WLAN-Abdeckung und Kamerasichtfelder über den Grundriss einer Installation legt. Design Center liefert künftig die Planungsdaten, aus denen dort das laufende Netz wird.

Brauche ich das für mein Heimnetz?

Eher nicht. Bei wenigen Geräten auf einer Etage ist der Aufwand höher als der Nutzen. Interessant wird es bei mehreren Stockwerken oder wenn Abdeckung und Kapazität vorher nachweisbar sein müssen.

Ersetzt die Simulation eine Ausleuchtungsmessung?

Nein. Eine Simulation rechnet mit Annahmen über Wände, Materialien und Störquellen. Was tatsächlich ankommt, zeigt erst eine Messung im fertigen Gebäude. Gute Planung reduziert die Zahl der Überraschungen, sie beseitigt sie nicht.

Quelle: „Meet the New UniFi Design Center“ von Tom Hildebrand im Ubiquiti-Blog, veröffentlicht am 24.09.2026, abgerufen am 25.09.2026. Angaben zu Ekahau nach den Produktbeschreibungen deutscher Distributoren. Das Beitragsbild ist eine Illustration, kein Screenshot der Anwendung.

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