Home Produkt-TestsSTEVIAGO Stevia Pulver und Tabs im Test: Dosierung, Kosten und Geschmack

STEVIAGO Stevia Pulver und Tabs im Test: Dosierung, Kosten und Geschmack

by Dimitri Roschkowski
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Eine Dose Süßstoff für 36,90 Euro klingt erst einmal nach einer schlechten Idee. Ich habe meine im Dezember 2025 gekauft, sie ist seit gut neun Monaten täglich im Einsatz, und sie wird noch etwa zwei weitere Monate halten. Damit relativiert sich der Preis erheblich — aber nicht so stark, wie die Werbung glauben macht.

Ich nutze STEVIAGO Stevia Pulver, um Tee zu süßen, und habe zusätzlich die Stevia Tabs derselben Marke ausprobiert. Beide Produkte bestehen aus hochreinem Rebaudiosid A. In diesem Test geht es um drei Fragen, die vor dem Kauf wirklich zählen: Wie dosiert man das Zeug, was kostet eine Tasse am Ende tatsächlich, und stimmt es, dass Stevia bitter schmeckt? Und weil auf der Verpackung acht Werbeversprechen stehen, habe ich die auch noch gegen die EU-Regeln gehalten. Das Ergebnis ist interessanter als der Geschmackstest.

STEVIAGO Stevia Pulver Dose mit Dosierlöffel
50 Gramm Pulver mit Dosierlöffel. Die Dose ist kleiner als ein Senfglas und ersetzt laut Hersteller 22 Kilogramm Zucker.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ergiebigkeit: 50 g Pulver entsprechen laut Hersteller 22 kg Zucker. Meine Dose läuft seit neun Monaten und ist noch nicht leer.
  • Dosierung: Ein gestrichener Messlöffel süßt wie 3 bis 4 Zuckerwürfel. Ich nehme einen halben Löffel auf 250 ml Tee, einen ganzen auf 500 ml.
  • Kosten: Etwa 1,8 Cent pro großer Tasse. Das ist ungefähr so viel wie die entsprechende Menge Haushaltszucker — der Preisvorteil, mit dem geworben wird, existiert gegenüber Zucker nicht.
  • Pulver oder Tabs? Die Tabs sind pro Süßeinheit rund zehnmal teurer als das Pulver und enthalten zusätzliche Hilfsstoffe. Sie lohnen sich nur unterwegs.
  • Geschmack: Ich schmecke keine Bitterkeit, weder beim Pulver noch bei den Tabs. Das hat nachvollziehbare Gründe, hängt aber auch von der Dosierung und von der eigenen Genetik ab.
  • Die Werbung übertreibt: Von den acht Verkaufsargumenten auf der Packung sind mehrere in dieser Form in der EU gar nicht zulässig.
  • Preise (Stand 22.09.2026): Pulver 36,90 € (4,3 von 5 Sternen, 1.153 Bewertungen), Tabs 9,90 € (3,9 von 5 Sternen, 901 Bewertungen).

Die beiden Produkte im Überblick

Stevia Pulver Stevia Tabs
Inhalt 50 g 200 Tabs (12 g)
Preis 36,90 € 9,90 €
Zutaten Steviolglycoside (Reb-A > 97 %), sonst nichts Steviolglycosid (Reb-A > 97 %), Natriumhydrogencarbonat, Leucin, Magnesiumstearat
Süßkraft ca. 450-fach; 1 Löffel ≙ 3–4 Zuckerwürfel 1 Tab ≙ 1 Zuckerwürfel
Kosten je Zuckerwürfel-Äquivalent ca. 0,5 Cent ca. 5 Cent
Bewertung auf Amazon 4,3 von 5 (1.153) 3,9 von 5 (901)
Praktisch für zu Hause, Backen, große Mengen unterwegs, Büro, Restaurant

Dosierung: wie viel ist ein halber Löffel?

Rückseite der STEVIAGO-Verpackung mit Angaben zu Süßkraft, Dosierung und Nährwerten
Die Rückseite liefert alle Zahlen, die man braucht: Süßkraft, Dosierung, Nährwerte, Herkunft und Haltbarkeit.

Der Hersteller gibt an: Ein gestrichener Dosierlöffel hat die Süßkraft von etwa 3 bis 4 Zuckerwürfeln, das sind rund 9 bis 12 Gramm Zucker. Der Löffel liegt bei, was wichtiger ist, als es klingt — bei einer 450-fachen Süßkraft kommt man mit Küchenlöffeln nicht weit.

In der Praxis sieht meine Dosierung so aus: ein halber Löffel auf eine Tasse mit 250 ml, ein ganzer Löffel auf 500 ml. Ich trinke aus großen Tassen, daher ist der ganze Löffel bei mir der Normalfall. Das entspricht etwa zehn Gramm Zucker auf einen halben Liter Tee, also einer mittleren Süße. Wer Tee nur leicht süßt, kommt mit der Hälfte aus.

Das Pulver löst sich in heißem Tee sofort auf. In kalten Getränken dauert es länger; dort rührt man besser gründlich um oder löst es vorab in etwas warmem Wasser. Einen Nachteil hat das feine Pulver: Es ist sehr leicht und staubt, wenn man zu schwungvoll dosiert. Der Löffel gehört trocken zurück in die Dose, sonst verklumpt der Rest.

Geöffnete Dose mit feinem weißem Stevia-Pulver
Feines, reinweißes Pulver ohne Füllstoffe. Wichtig: trocken lagern und den Löffel nicht feucht zurücklegen.

Was eine Tasse wirklich kostet

Jetzt zur Rechnung, die auf keiner Packung steht. Der Hersteller schreibt, 50 g entsprächen 22 kg Zucker, und ein Löffel süße wie 9 bis 12 g Zucker. Daraus ergibt sich:

  • 22.000 g Zuckeräquivalent geteilt durch rund 10,5 g je Löffel ergibt etwa 2.100 Dosierlöffel pro Dose.
  • 36,90 Euro geteilt durch 2.100 Löffel sind rund 1,8 Cent pro Löffel — also pro großer Tasse Tee.

Diese Zahl passt zu meiner Erfahrung. 2.100 Löffel, verteilt auf die elf Monate, auf die die Dose zusteuert, sind gut sechs Tassen am Tag. Das kommt bei mir hin. Die Herstellerangabe „hält mehrere Monate“ ist also keine Übertreibung, sondern eher untertrieben.

Und jetzt der Teil, den die Werbung weglässt. Auf der Packung steht als achtes Verkaufsargument „Günstig aufgrund der Ergiebigkeit“. Rechnen wir gegen:

Für die Süße von 22 kg Zucker zahlt man Preis
STEVIAGO Stevia Pulver (1 Dose) 36,90 €
Haushaltszucker zu 0,99 €/kg 21,78 €
Haushaltszucker zu 1,49 €/kg 32,78 €
Haushaltszucker zu 1,99 €/kg 43,78 €

Pro Tasse gerechnet: etwa 1,8 Cent für Stevia gegenüber 1,0 bis 2,1 Cent für die gleiche Menge Zucker. Das Pulver ist also ungefähr gleich teuer wie Zucker, je nach Zuckerpreis mal etwas darunter, mal etwas darüber. Günstiger ist es nicht.

Das ist kein Argument gegen das Produkt — es ist nur ein Argument gegen ein falsches Kaufmotiv. Wer zu Stevia greift, tut das wegen der null Kalorien und wegen der Zähne, nicht um Geld zu sparen. Der Preisvergleich lohnt sich gegenüber anderen Süßstoffprodukten, und da schneidet reines Pulver ohne Füllstoffe gut ab.

Pulver oder Tabs? Eine klare Sache

STEVIAGO Stevia Tabs Spender mit 200 Tabs
Der Tabspender mit 200 Tabs: gute Mechanik, wiederauffüllbar, mit Frischesiegel. Für unterwegs praktisch, zu Hause unnötig teuer.

Die Tabs kosten 9,90 Euro für 200 Stück, also knapp 5 Cent pro Tab. Ein Tab entspricht einem Würfelzucker. Ein Löffel Pulver entspricht drei bis vier Würfeln und kostet 1,8 Cent — pro Würfelzucker-Äquivalent also etwa ein halber Cent.

Damit sind die Tabs rund zehnmal teurer als dieselbe Süße aus der Dose. Für meine große Tasse bräuchte ich drei bis vier Tabs, das wären 15 bis 20 Cent statt 1,8 Cent. Bei zwei Tassen am Tag macht das über ein Jahr einen Unterschied von etwa hundert Euro.

Dazu kommt ein inhaltlicher Unterschied, den man kennen sollte:

Zutatenliste der Stevia Tabs mit Steviolglycosid und den Hilfsstoffen
Die Tabs enthalten neben dem Süßstoff drei Hilfsstoffe. Das Pulver kommt ohne aus.

Während das Pulver ausschließlich aus Steviolglycosiden besteht, enthalten die Tabs zusätzlich Natriumhydrogencarbonat, Leucin und Magnesiumstearat. Das ist nichts Bedenkliches — Natriumhydrogencarbonat ist Natron und sorgt dafür, dass sich der Tab schnell auflöst, Leucin und Magnesiumstearat sind Presshilfsmittel, ohne die man aus wenigen Milligramm Pulver keine Tablette formen kann. Aber wer bewusst ein Produkt ohne Zusätze kauft, sollte wissen, dass die Tabs eben keines sind.

Mein Urteil: Zu Hause das Pulver, keine Frage. Die Tabs haben genau einen Vorteil, und der ist real: Sie passen in die Hemdtasche, dosieren sich ohne Löffel und ohne Staub, und im Restaurant oder im Büro will niemand mit einer Dose und einem Messlöffel hantieren. Der Spender ist gut gemacht, lässt sich wieder auffüllen und hat ein Frischesiegel. Die schlechtere Amazon-Bewertung (3,9 gegenüber 4,3 beim Pulver) dürfte auch am Preis-Leistungs-Verhältnis liegen.

Schmeckt Stevia bitter?

Das ist die Frage, die bei Stevia immer kommt, und meine ehrliche Antwort lautet: Ich schmecke nichts davon. Weder beim Pulver noch bei den Tabs. Kein Lakritz, keine Bitternote, kein Nachgeschmack. Nach neun Monaten täglichem Gebrauch würde es mir auffallen.

Das ist allerdings keine allgemeingültige Aussage, und es lohnt sich zu verstehen, warum. Es gibt drei Gründe, warum mein Eindruck von dem abweicht, was man oft liest:

Erstens der Reinheitsgrad. Die Steviapflanze enthält verschiedene Süßstoffe. Steviosid, der Hauptbestandteil günstiger Rohextrakte, hat einen deutlich lakritzartigen und bitteren Beigeschmack. Rebaudiosid A ist das mildeste der klassischen Glykoside, und bei über 97 Prozent Reinheit sind auch die bitteren Begleitstoffe aus dem Blattextrakt weitgehend entfernt. Sensoriktests bestätigen das: Hochreines Reb A schneidet deutlich besser ab als Steviosid oder kommerzieller Rohextrakt.

Zweitens die Dosierung. Und das ist der Punkt, den kaum jemand erwähnt. Die Bitterkeit von Stevia ist dosisabhängig. In einer Sensorikstudie trat die Lakritznote bei niedriger Süßintensität gar nicht auf, sondern erst bei höheren Konzentrationen. Wer einen Kaffee auf die Süße von sechs Zuckerwürfeln bringt, schmeckt etwas anderes als jemand, der einen halben Liter Tee mit dem Gegenwert von zehn Gramm Zucker versieht. Meine Dosierung ist moderat — das dürfte ein wesentlicher Teil der Erklärung sein.

Drittens die Genetik. Steviolglykoside docken an zwei bestimmte Bitterrezeptoren an. Genetische Varianten dieser Rezeptoren sind in der Bevölkerung unterschiedlich verteilt, und das erklärt, warum manche Menschen die Bitternote schon bei geringen Mengen deutlich wahrnehmen und andere überhaupt nicht. Wer Stevia probiert und es scheußlich findet, bildet sich das also nicht ein.

Der Vollständigkeit halber: Reb A ist zwar milder als Rohextrakt, gilt unter den moderneren Glykosiden aber als das bitterste. Rebaudiosid D und M schneiden in Tests besser ab, weshalb die Industrie zunehmend auf diese umstellt. Für ein Produkt in dieser Preisklasse ist Reb A mit über 97 Prozent trotzdem ein guter Stand.

Die acht Werbeversprechen im Faktencheck

Acht Werbeversprechen auf der STEVIAGO-Verpackung
Acht Gründe, die laut Verpackung für das Produkt sprechen. Mehrere davon dürften so gar nicht dort stehen.

Auf der Packung stehen acht Verkaufsargumente. Ich habe sie gegen das EU-Recht für gesundheitsbezogene Angaben gehalten, und das Ergebnis ist bemerkenswert. Vorweg: Das sagt nichts über die Qualität des Süßstoffs aus. Es sagt etwas über die Werbung.

Aussage Bewertung
„450-fache Süßkraft von Haushaltszucker“ Sachangabe, plausibel und in sich stimmig (50 g ≙ 22 kg)
„Sehr ergiebig – hält mehrere Monate“ Trifft zu, eher untertrieben
„0 Kalorien – Süßen ohne Reue!“ Für Tafelsüße zulässig; reine Steviolglykoside erfüllen die Bedingung
„Schnell löslich“ Trifft zu, in Heißgetränken sofort
„Günstig aufgrund der Ergiebigkeit“ Gegenüber Zucker nicht haltbar (siehe Rechnung oben)
„Zahnfreundlich, Plaque-hemmend, nicht kariogen“ In dieser Form nicht zulässig
„Die Alternative für Diabetiker“ Nicht zulässig
„Stevia stabilisiert den Blutzuckerspiegel und ist insulinneutral“ (Packungsrückseite) Nicht zulässig und sachlich zu weitgehend

Warum „Alternative für Diabetiker“ problematisch ist: Gesundheitsbezogene Angaben, die sich auf eine Krankheit beziehen, sind in der Lebensmittelwerbung untersagt. Dazu kommt, dass die Kategorie „Diabetiker-Lebensmittel“ in Deutschland bereits 2010 abgeschafft wurde, mit Übergangsfrist bis 2012. Menschen mit Diabetes brauchen laut Bundesamt für Verbraucherschutz keine speziellen diätetischen Lebensmittel.

Warum „stabilisiert den Blutzuckerspiegel“ falsch ist: Zugelassen ist für Süßstoffe ausschließlich eine vergleichende Aussage — dass der Blutzucker nach dem Verzehr weniger stark ansteigt als bei zuckerhaltigen Lebensmitteln. Eine eigenständig regulierende oder stabilisierende Wirkung wurde nie zugelassen. Und „insulinneutral“ ist noch heikler: Es gibt einen Laborbefund, wonach ein Abbauprodukt der Steviolglykoside an isolierten Mäusezellen die Insulinausschüttung anregte. Das ist nicht auf den Menschen übertragbar, widerlegt aber die Behauptung einer erwiesenen Neutralität.

Was man stattdessen sagen dürfte: „Erhöht den Blutzucker nicht“ ist sachlich tragfähig. Steviolglykoside werden im oberen Verdauungstrakt gar nicht gespalten; erst die Dickdarmflora baut sie ab, das Abbauprodukt wird in der Leber umgebaut und über die Nieren ausgeschieden. Als Zucker im Blut landen sie nicht.

Und die Zähne? Ein Claim zur Erhaltung der Zahnmineralisierung ist für Süßstoffe durchaus verfügbar, aber nur in einem exakt vorgegebenen Wortlaut und nur unter einer messbaren Bedingung. „Zahnfreundlich“ ist nicht dieser Wortlaut, „nicht kariogen“ ist krankheitsbezogen, und „Plaque-hemmend“ behauptet mehr als zugelassen — eine Neutralisierung von Plaquesäuren ist nur für zuckerfreien Kaugummi anerkannt. Dass Stevia den Zähnen nicht schadet, ist unstrittig. Nur darf man es so nicht bewerben.

Wie viel darf man davon nehmen?

Für Steviolglykoside gilt ein ADI-Wert von 4 mg pro Kilogramm Körpergewicht und Tag, ausgedrückt in Steviol-Äquivalenten. Die europäische Lebensmittelbehörde hat diesen Wert 2024 ausdrücklich bestätigt und einen Antrag auf Anhebung abgelehnt.

Was heißt das konkret? Für eine 80 Kilogramm schwere Person sind das 320 mg Steviol-Äquivalente. Umgerechnet auf Rebaudiosid A und den Reinheitsgrad dieses Produkts ergibt das rund ein Gramm Pulver pro Tag. Ein Dosierlöffel enthält etwa 0,023 Gramm. Man müsste also gut 40 große Tassen Tee am Tag trinken, um den Wert auszuschöpfen. Für Tafelsüße im Haushalt ist der ADI damit praktisch nicht erreichbar.

Eine Einschränkung gehört dazu: Bei Kleinkindern und Säuglingen sieht das anders aus. Die Expositionsschätzungen der EFSA zeigen, dass diese Gruppen den ADI überschreiten können — allerdings nicht durch Tafelsüße, sondern über gesüßte Getränke und Fertigprodukte, in denen Steviolglykoside enthalten sind.

Backen und Kochen: nur die halbe Miete

Die Packung wirbt mit „süßen, backen & kochen“ und zeigt Kuchen, Desserts und Marmeladen. Das ist nicht falsch, aber es verschweigt das eigentliche Problem. Zucker erfüllt beim Backen vier Aufgaben, und Stevia übernimmt nur eine davon:

  1. Süße — die ersetzt Stevia problemlos.
  2. Masse und Volumen — ein Gramm Pulver ersetzt ein paar hundert Gramm Zucker. Diese Masse fehlt im Teig und muss anders aufgefüllt werden, etwa mit gemahlenen Nüssen, Haferflocken, mehr Mehl oder Erythrit. Sonst fällt das Gebäck in sich zusammen.
  3. Bräunung — ohne Zucker keine Karamellisierung und keine Maillard-Reaktion. Gebäck bleibt blass. In der Backpraxis empfiehlt es sich, einen Rest echten Zucker im Rezept zu lassen.
  4. Konservierung — in Marmelade wirkt Zucker konservierend. Mit Stevia gesüßte Konfitüre hält deutlich kürzer, und Gelierzucker-Systeme funktionieren nicht ohne Weiteres.

Dazu ein Detail für Hefeteig: Hefe braucht vergärbaren Zucker als Nahrung. Steviolglykoside werden nicht vergoren. Ein bis zwei Teelöffel echter Zucker oder Honig als Starter lösen das Problem.

Steviolglykoside gelten als hitzestabil, deshalb funktioniert Backen grundsätzlich. Die oft genannte Obergrenze von 200 Grad habe ich in keiner amtlichen Quelle gefunden — sie kursiert als Faustregel, mehr nicht.

Was die WHO dazu sagt

Ein Punkt, der in einen ehrlichen Test gehört, auch wenn er dem Produkt nicht schmeichelt. Die Weltgesundheitsorganisation hat im Mai 2023 eine Leitlinie zu Süßstoffen veröffentlicht mit der Empfehlung, Süßstoffe nicht zur Gewichtskontrolle oder zur Senkung des Risikos nichtübertragbarer Krankheiten einzusetzen. Steviolglykoside fallen ausdrücklich darunter. Begründung: Ein systematischer Review fand keinen langfristigen Nutzen bei der Reduktion von Körperfett, dafür Hinweise auf mögliche ungünstige Langzeiteffekte.

Dazu drei Einordnungen. Erstens ist das eine bedingte Empfehlung, die sich auf Evidenz geringerer Sicherheit stützt — die WHO sagt das selbst. Zweitens nimmt die Leitlinie Menschen mit bereits bestehendem Diabetes ausdrücklich aus. Drittens ist sie fachlich umstritten; in der Literatur gibt es eine Gegenposition, die vor allem auf das Problem der umgekehrten Kausalität hinweist: Wer bereits übergewichtig ist, greift eher zu Süßstoffen, was in Beobachtungsstudien wie ein Zusammenhang aussieht.

Für die Praxis heißt das: Wer Stevia benutzt, um Zucker im Tee zu ersetzen, tut nichts Bedenkliches. Wer erwartet, allein dadurch abzunehmen, sollte die Erwartung senken.

Was auf der Packung steht — und was fehlt

Zwei Punkte zur Kennzeichnung, die mir beim genauen Hinsehen aufgefallen sind.

Herkunft China. Auf der Rückseite steht es offen: Herkunftsland China. Das ist bei Stevia der Normalfall, denn dort wird der Großteil der weltweiten Ernte verarbeitet. Ein Qualitätsurteil ist das nicht — die EU-Reinheitsanforderungen gelten unabhängig vom Anbauland. Für die Zulassung sind mindestens 95 Prozent Steviolglykoside vorgeschrieben, bezogen auf die Summe aller Glykoside. Die ausgelobten „über 97 Prozent Reb A“ liegen darüber und sind eine freiwillige Angabe des Herstellers.

Die E-Nummer. Im Zutatenverzeichnis steht schlicht „Steviolglycoside“. Die Sammelnummer E 960, unter der Stevia 2011 zugelassen wurde, gibt es in dieser Form nicht mehr: Sie wurde nach Herstellungsverfahren aufgeteilt in E 960a (aus Blättern extrahiert), E 960b (durch Fermentation mit einer gentechnisch veränderten Hefe, ganz ohne Pflanze), E 960c (enzymatisch) und E 960d. Eine genaue Angabe wäre hier hilfreich, gerade weil sich die Varianten in der Herstellung erheblich unterscheiden. Bei diesem Produkt deutet der Blattextrakt-Hinweis auf E 960a hin.

Am Rande: Der Hinweis „Süße aus der Natur“, mit dem viele Stevia-Produkte werben, gilt bei Verbraucherschützern als irreführend. Steviolglykoside werden in aufwendigen industriellen Verfahren gewonnen und gereinigt, mit dem Aufguss eines Steviablatts hat das wenig zu tun. STEVIAGO verzichtet auf der von mir fotografierten Verpackung weitgehend auf diese Masche, was positiv auffällt.

Stevia und Alternativen

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Fazit

Das Pulver ist ein gutes Produkt für einen zweifelhaften Preis — der sich beim Nachrechnen als völlig normal herausstellt. Knapp 37 Euro für eine kleine Dose schrecken ab, aber 1,8 Cent pro großer Tasse sind kein schlechter Kurs, und die Dose hält bei täglichem Gebrauch fast ein Jahr. Es löst sich sofort, staubt ein bisschen, enthält außer dem Süßstoff nichts, und ich schmecke nach neun Monaten keinerlei Bitterkeit. Für mich als Teetrinker ist es der richtige Kauf gewesen.

Die Tabs kann ich nur eingeschränkt empfehlen. Als Vorrat zu Hause sind sie schlicht Geldverschwendung — zehnmal teurer für dieselbe Süße, dazu mit Presshilfsstoffen. Als kleine Dose für die Jackentasche, fürs Büro oder für unterwegs sind sie dagegen genau richtig, und der Spender ist ordentlich gemacht. Wer beides kauft, nutzt sie so, und dann passt es.

Zwei Dinge würde ich mir wünschen. Erstens eine ehrlichere Verpackung: Die Wirkversprechen zu Blutzucker, Diabetes und Zähnen sind in dieser Form nicht zulässig, und das Produkt hat sie nicht nötig — es ist auch ohne sie gut. Zweitens eine präzisere Kennzeichnung der E-Nummer. Wer 37 Euro für 50 Gramm ausgibt, darf wissen, welches der vier Herstellungsverfahren in der Dose steckt.

Häufige Fragen

Wie viel Stevia ersetzt einen Teelöffel Zucker?

Bei diesem Pulver mit etwa 450-facher Süßkraft entspricht ein gestrichener Dosierlöffel drei bis vier Zuckerwürfeln, also rund 9 bis 12 Gramm Zucker. Ein Teelöffel Zucker (etwa 4 Gramm) wäre demnach knapp ein halber Dosierlöffel. Ohne den mitgelieferten Löffel lässt sich das kaum sinnvoll abmessen.

Ist Stevia gesund?

Steviolglykoside sind in der EU als Süßungsmittel zugelassen und gelten in den erlaubten Mengen als sicher; der Grenzwert ist mit Tafelsüße im Haushalt praktisch nicht erreichbar. „Gesund“ im Sinne eines Nutzens sind sie aber nicht: Die WHO rät davon ab, Süßstoffe zur Gewichtskontrolle einzusetzen, weil ein langfristiger Nutzen nicht belegt ist. Wer Zucker ersetzt, spart Kalorien — mehr sollte man nicht erwarten.

Ist Stevia krebserregend?

Nein. Diese Frage taucht regelmäßig auf, weil in den 1980er Jahren einzelne Tierstudien mit sehr hohen Dosen diskutiert wurden. Die europäische Lebensmittelbehörde hat Steviolglykoside bewertet, einen Grenzwert festgelegt und diesen zuletzt 2024 bestätigt. Ein krebserregendes Potenzial wurde dabei nicht festgestellt.

Warum schmeckt mein Stevia bitter und deines nicht?

Dafür gibt es drei mögliche Gründe: ein Produkt mit niedrigerem Reinheitsgrad, eine zu hohe Dosierung — die Bitterkeit nimmt mit der Konzentration deutlich zu — oder schlicht die eigene Genetik. Die Bitterrezeptoren, an denen Steviolglykoside andocken, sind unterschiedlich ausgeprägt. Manche Menschen schmecken die Note bereits bei Mengen, bei denen andere gar nichts bemerken.

Kann man mit Stevia Marmelade einkochen?

Süßen ja, konservieren nein. Zucker wirkt in Marmelade konservierend, Stevia nicht. Entsprechend gesüßte Konfitüre hält kürzer und gehört nach dem Öffnen zügig verbraucht. Für längere Haltbarkeit braucht es entweder echten Zucker, spezielle Gelierhilfen oder das Einfrieren.

Warum sind die Tabs schlechter bewertet als das Pulver?

Der wahrscheinlichste Grund ist das Preis-Leistungs-Verhältnis: Pro Süßeinheit kosten sie rund das Zehnfache. Dazu kommt, dass ein Tab nur einem Würfelzucker entspricht — wer eine große Tasse süßen will, braucht drei bis vier Stück, und das fällt bei einem Beutel mit 200 Tabs schnell auf.

Angaben zu den Produkten nach den fotografierten Verpackungen und den Herstellerangaben auf Amazon, Preise und Bewertungen Stand 22.09.2026. Rechtliche Einordnung nach Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 und der Unionsliste zugelassener Angaben, Grenzwerte nach EFSA (2024). Dies ist ein Erfahrungsbericht und keine Ernährungsberatung. Die Amazon-Links sind Affiliate-Links: Wenn du darüber kaufst, bekomme ich eine kleine Provision, für dich ändert sich nichts.

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