2 An meinem Haus hängt eine Reolink RLC-823A, eine PTZ-Kamera, die sich schwenken, neigen und zoomen lässt. Sie überwacht den hinteren Bereich meines Gartens – hauptsächlich, weil mein Malinois dort nichts verloren hat. Doch seit einiger Zeit war die Kamera tot. Kein Bild, keine Verbindung, nichts. Wegwerfen kam nicht infrage: Ich habe extra nachgeschaut, gekauft habe ich die Kamera im Juni 2022 für 315,99 Euro. Kein Schnäppchen, das man mal eben austauscht. Also habe ich mich der Sache angenommen. In diesem Ratgeber zeige ich die komplette Reolink-Reparatur: Fehlersuche, die ungewöhnliche Pinbelegung des 6-adrigen Reolink-Kabels, den Umbau auf ein Keystone-Modul – und den Fehler, den ich dabei gemacht habe. Meine Reolink RLC-823A nach dem Abbau. Das Problem steckte nicht in der Kamera, sondern im Anschlusskabel. Das Wichtigste in Kürze Typischer Fehler: Feuchtigkeit in der Steckverbindung am Kamerakabel. Bei mir waren Metallstecker und Buchse verrostet und oxidiert. Kontaktspray half nicht: Weder PoE- noch Link-LED am Switch leuchteten. Die Buchse musste ab. 6 statt 8 Adern: Reolink nutzt Pin 1, 2, 3 und 6 für Daten und Pin 4 (grau) und 7 (violett) für PoE. Statt Orange steckt bei mir Gelb im Kabel, Blau und Braun fehlen ganz. Neuer Anschluss: ein Keystone-Modul nach Schema T568B, bei mir ein LogiLink NK4003 (Cat6A). Mein Fehler: Ich habe die A-Reihe statt der B-Reihe gelesen. Die Kamera fuhr hoch und schwenkte, bekam aber kein Netzwerk. Ergebnis: Mit richtiger Belegung meldet der Switch die Kamera sofort – mit PoE+ und 100 Mbit/s. 300 Euro gespart. Fehlersuche: Ist wirklich der Stecker schuld? Ich habe die Kamera abgebaut und zuerst den Ethernet-Anschluss geprüft, denn hier treten die meisten Probleme auf. Bei mir war es nicht das erste Mal: Eine Reolink Duo 2 PoE an meinem Haus hatte exakt dasselbe Problem, und ich habe sie genauso repariert. Nach dem Abnehmen der Regenkappe über dem Netzwerkstecker war die Sache klar: Am Metallstecker saß Rost, und auch in der Buchse am Kamerakabel war alles oxidiert. Die Netzwerkbuchse am Kamerakabel: Rost am Metallgehäuse, oxidierte Kontakte. In der Hoffnung, dass es nur oberflächlich ist, habe ich die Kontakte mit Kontaktspray behandelt und die Kamera direkt an einem Switch-Port ausprobiert, ohne Verlängerung dazwischen. Ergebnis: Weder die PoE-LED noch die Link-LED blinkte. Damit stand fest: Die Buchse muss ab. Bevor du zur Zange greifst, lohnt sich diese kurze Prüfung: Anderer Port und anderes Kabel: Die Kamera mit einem bekannt guten Patchkabel direkt am PoE-Switch oder Injektor testen. LEDs am Switch: Leuchtet gar nichts, kommt weder Strom noch Signal durch. Leuchtet nur PoE, liegt das Problem eher bei den Datenadern. Sichtprüfung: Regenkappe abnehmen. Grüner oder brauner Belag, Rost oder Wasser in der Buchse sind eindeutig. Garantie: Ist die Kamera noch in der Garantie, zuerst den Reolink-Support fragen – mit abgeschnittenem Kabel dürfte die Garantie dahin sein. Meine Kamera war über vier Jahre alt. Die Überraschung: 6 statt 8 Adern im Reolink-Kabel Nachdem ich die Buchse abgeschnitten hatte, kam eine merkwürdige Kabel-Kombination zum Vorschein. Ich kannte sie schon von der ersten Kamera: Statt acht Adern wie bei einem normalen Gigabit-PoE-Kabel waren es nur sechs. Statt Orange wurde Gelb verwendet, Braun und Blau waren gar nicht vorhanden. Dafür gibt es eine graue und eine violette Ader. Sechs Adern statt acht: Violett, Gelb, Weiß-Gelb, Grün, Weiß-Grün und Grau. Der Grund: Die RLC-823A hat laut Reolink eine Netzwerkschnittstelle mit 10/100 Mbit/s. Für Fast Ethernet reichen zwei Adernpaare, also vier Adern auf Pin 1, 2, 3 und 6. Die beiden zusätzlichen Adern auf Pin 4 und 7 führen den Strom nach PoE-Modus B, die Pins 5 und 8 bleiben frei. Eine kurze Recherche brachte die passende Belegung, die ich hier nachgebaut habe: Links der Standard T568B, rechts das Reolink-Kabel. Wo Orange vorgesehen ist, steckt bei manchen Kabeln Gelb – so auch bei mir. Pin Reolink-Kabel entspricht T568B Funktion 1 Weiß-Orange oder Weiß-Gelb Weiß-Orange Daten 2 Orange oder Gelb Orange Daten 3 Weiß-Grün Weiß-Grün Daten 4 Grau Blau PoE + 5 – Weiß-Blau frei 6 Grün Grün Daten 7 Violett Weiß-Braun PoE − 8 – Braun frei Die Farben können je nach Modell und Baujahr abweichen, wie das Gelb statt Orange zeigt. Entscheidend sind die Paare: Die gestreifte und die einfarbige Ader eines Paares gehören zusammen, und die Datenpaare müssen auf 1/2 und 3/6 liegen. Lässt sich die alte Buchse noch durchmessen, prüfst du die Zuordnung vor dem Abschneiden am besten mit einem Durchgangsprüfer. Material: Keystone statt Crimpstecker Ich habe mich für ein Keystone-Modul entschieden, also eine RJ45-Buchse, in die man die Adern ohne Crimpzange einlegt. Leider hatte ich keine Cat5-Keystones mehr, deshalb habe ich ein Cat6A-Modul verwendet, genauer das LogiLink NK4003: geschirmt, werkzeuglos, für Adern mit AWG 22 bis 24. Das LogiLink NK4003: Cat6A, geschirmt, werkzeuglos, für AWG 22–24. Der Nachteil: Die Adern im Reolink-Kabel sind deutlich dünner als die AWG 22–24, für die das Modul gebaut ist. Sie sitzen deshalb nicht richtig fest in den Schneidklemmen. Spoiler: Es hat trotzdem funktioniert. Wer die Wahl hat, nimmt besser ein Cat5e-Keystone oder einen RJ45-Stecker für dünne Adern. Außerdem brauchst du: Seitenschneider und Abisolierwerkzeug (oder ein scharfes Messer mit Gefühl) Kabelbinder für die Zugentlastung optional Kontaktspray für die Fehlersuche und einen Netzwerktester Reolink-Reparatur Schritt für Schritt 1. Alte Buchse abschneiden. Großzügig hinter der Korrosion abschneiden, damit nur saubere Adern übrig bleiben. 2. Kabel abisolieren. Den Mantel vorsichtig entfernen, ohne die dünnen Adern einzuschneiden. Die Paare entdrillst du nur so weit, wie es für das Modul nötig ist. 3. Adern nach Schema B einlegen. Pin 1 Weiß-Orange (bei mir Weiß-Gelb), Pin 2 Orange (bei mir Gelb), Pin 3 Weiß-Grün, Pin 4 Grau, Pin 6 Grün, Pin 7 Violett. Pin 5 und 8 bleiben leer. Auf dem Keystone sind beide Farbcodes aufgedruckt, jedes Feld zeigt die Farbe für A und für B – hier liegt die Verwechslungsgefahr. Die Adern in die Halterung des Moduls einführen. Alle sechs Adern sitzen. Die überstehenden Enden kommen nach dem Schließen mit dem Seitenschneider weg. 4. Modul schließen und überstehende Adern kürzen. Beim Zusammendrücken schneiden die Klemmen die Isolierung durch und stellen den Kontakt her. 5. Zugentlastung setzen und testen. Einen Kabelbinder um Kabel und Modul legen, dann die Kamera am PoE-Switch anschließen. Das geschlossene Keystone-Modul am Kamerakabel. Zugentlastung mit Kabelbinder – damit war die Reparatur abgeschlossen. Mein Fehler: A statt B Beim Einlegen habe ich einen Fehler gemacht: Statt des B-Schemas habe ich das A-Schema verwendet, und zwei Adern saßen dadurch verkehrt. Aufgefallen ist mir das beim Zusammenbau. Naiv dachte ich, die Kamera könnte auch so funktionieren. Trugschluss: Die Kamera fuhr zwar hoch und der PTZ-Kopf drehte sich, aber eine Ethernet-Verbindung kam nicht zustande. Also habe ich den Stecker noch einmal auseinandergebaut und die Adern in der richtigen Reihenfolge eingelegt – und schon wurde die Kamera am Switch erkannt, bei mir auf Port 6. Dass die Kamera trotz falscher Belegung hochfuhr, ist kein Widerspruch: Eine PoE-Kamera nimmt Strom über die Datenpaare oder über die Adern auf Pin 4 und 7 an, und diese Pins sind in A und B identisch. Für die Daten müssen dagegen die Paare exakt stimmen. Das typische Fehlerbild lautet deshalb: Kamera startet, PTZ bewegt sich, aber kein Netzwerk. Nach der Reparatur: Der Switch meldet die Kamera auf Port 6. Gerätenamen und MAC-Adressen unkenntlich gemacht. Port 6 im Detail: verbunden, PoE+, Geschwindigkeit FE. „FE“ steht für Fast Ethernet, also 100 Mbit/s. Das ist bei dieser Kamera normal und kein Zeichen einer schlechten Reparatur – mehr kann die Schnittstelle der RLC-823A nicht. Für einen 4K-Stream reicht das. T568A oder T568B – was ist der Unterschied? T568A und T568B sind die beiden Farbschemata für RJ45-Anschlüsse. Der Unterschied ist kleiner, als viele denken: Nur das orangefarbene und das grüne Adernpaar tauschen die Plätze, also Pin 1/2 mit Pin 3/6. Pin 4, 5, 7 und 8 sind identisch. T568A und T568B unterscheiden sich nur in Pin 1, 2, 3 und 6. Welches Schema du nimmst, ist bei normalen Netzwerkkabeln egal, solange beide Enden gleich aufgelegt sind. Bei der Reolink-Reparatur gilt: Die Belegung der Kamera folgt der B-Reihenfolge, deshalb legst du auch das Keystone nach B auf. Auf vielen Keystones sind beide Farbcodes in denselben Feldern aufgedruckt – genau da habe ich die falsche Farbe gelesen. Wie Netzwerkkabel grundsätzlich aufgebaut sind, erkläre ich in Netzwerkkabel erklärt. Damit es nicht wieder rostet Die Steckverbindung am Kamerakabel ist die Schwachstelle jeder Außenkamera. Dringt Feuchtigkeit unter die Regenkappe, oxidieren Kontakte und Metallgehäuse – langsam, aber zuverlässig. Diese Punkte helfen: Regenkappe vollständig montieren: Dichtring einsetzen und die Überwurfmutter fest anziehen. Verbindung nicht nach oben zeigen lassen und eine Tropfschlaufe einplanen, damit Wasser am Kabel abläuft und nicht in den Stecker läuft. Anschlussdose nutzen: Die Verbindung in eine wetterfeste Dose mit Schutzart IP65 oder höher legen. Reolink bietet für viele Modelle passende Anschlussdosen an. Selbstverschweißendes Band um die Steckverbindung schützt zusätzlich. Einmal im Jahr nachsehen: Regenkappe ab, Kontakte prüfen. Leichter Belag lässt sich früh noch entfernen. Eine wetterfeste Abzweigdose (hier IP66) schützt die Steckverbindung vor Regen. Material und Alternativen Produkt Wofür Hinweis LogiLink NK4003 Keystone Cat6A neuer Anschluss am Kamerakabel bei mir verwendet, für AWG 22–24 Keystone-Modul Cat5e werkzeuglos neuer Anschluss passt besser zu dünnen Adern Kontaktspray für Elektronik Fehlersuche, leichte Oxidation half bei mir nicht mehr Netzwerkkabel-Tester Belegung prüfen zeigt vertauschte Adern Wasserdichte RJ45-Kupplung Verbindung im Freien Alternative zur Regenkappe Reolink Anschlussdose Steckverbindung wetterfest unterbringen Modell passend zur Kamera wählen Selbstverschweißendes Isolierband zusätzlicher Schutz um die fertige Verbindung wickeln Reolink RLC-823A Neukauf, falls nichts mehr hilft laut Reolink Auslaufmodell Die Produktnamen in der Tabelle sind Affiliate-Links zu Amazon. Kaufst du darüber, erhalte ich eine kleine Provision – der Preis ändert sich für dich nicht. Lohnt sich die Reparatur? Ganz klar ja. Das Material kostet ein paar Euro, und die Arbeit ist überschaubar. Dem stehen 315,99 Euro für eine neue Kamera gegenüber – und die RLC-823A führt Reolink inzwischen ohnehin als Auslaufmodell. Ich habe so bereits zwei Kameras gerettet, die Duo 2 PoE und jetzt die RLC-823A. Mehr zu den Modellreihen findest du in meinem Reolink-Überblick. Fazit Wenn eine Reolink-PoE-Kamera plötzlich tot ist, lohnt sich der Blick unter die Regenkappe. Bei mir waren Stecker und Buchse verrostet, Kontaktspray half nicht mehr, aber ein Keystone-Modul für ein paar Euro schon. Die einzige echte Falle ist die ungewöhnliche Belegung mit sechs Adern – und die Verwechslung zwischen A und B. Wer die Adern nach Schema B auflegt und Pin 4 grau sowie Pin 7 violett belegt, bekommt die Kamera wieder ans Netz. Ich muss jedenfalls keine 300 Euro für eine neue Kamera ausgeben. FAQ Warum geht meine Reolink-PoE-Kamera plötzlich nicht mehr? Sehr häufig ist Feuchtigkeit in der Steckverbindung am Kamerakabel schuld. Dann oxidieren die Kontakte, und weder Strom noch Daten kommen an. Prüfe zuerst mit einem anderen Kabel direkt am Switch und schau unter die Regenkappe. Wie viele Adern hat ein Reolink-Kamerakabel? Bei meinen Kameras sechs: vier Datenadern auf Pin 1, 2, 3 und 6 sowie Grau auf Pin 4 und Violett auf Pin 7 für die PoE-Versorgung. Pin 5 und 8 bleiben frei. T568A oder T568B für eine Reolink-Kamera? T568B. Die Belegung des Reolink-Kabels folgt der B-Reihenfolge. Mit der A-Reihe landen die Datenadern an anderen Pins – bei mir bekam die Kamera dann zwar Strom, aber kein Netzwerk. Warum startet die Kamera, hat aber kein Netzwerk? Weil der Strom über andere Pins oder unabhängig von der Datenbelegung ankommt, die Datenpaare aber nicht stimmen. Genau das war bei mir das Fehlerbild nach der Verwechslung von A und B. RJ45-Belegung mit 4 Adern: Reicht das für Ethernet? Für 10 und 100 Mbit/s ja – sie nutzen nur die Paare auf Pin 1/2 und 3/6. Für Gigabit braucht man alle acht Adern. Die RLC-823A arbeitet mit 100 Mbit/s, der Switch zeigt deshalb „FE“. Kann ich ein Cat6A-Keystone für die dünnen Reolink-Adern verwenden? Bei mir hat es funktioniert, obwohl die Adern im LogiLink NK4003 nicht richtig fest sitzen. Besser passen Cat5e-Keystones oder RJ45-Stecker für dünne Adern. Kann ich statt eines Keystones einen RJ45-Stecker crimpen? Ja, mit derselben Belegung. Du brauchst dafür eine Crimpzange und Stecker, die zu den dünnen Adern passen. Quellen Reolink: RLC-823A, technische Daten Userbag: Replacing the Ethernet port on a Reolink CCTV camera Reolink Support: Introduction to Ethernet Cable Wikipedia: Power over Ethernet Vorheriger Beitrag UniFi Cloud Storage: Ubiquiti startet Cloud-Speicher für Protect und Drive für 5 Dollar pro TB You may also like Syncthing vs. Resilio Sync: Open Source gegen BitTorrent-Sync – was 2026 die... 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