Home ITNetzwerkGlasfaserkabel erklärt: Singlemode, Multimode, OS2 bis OM5 und die Stecker LC, SC und APC

Glasfaserkabel erklärt: Singlemode, Multimode, OS2 bis OM5 und die Stecker LC, SC und APC

by Dimitri Roschkowski
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Glasfaser klingt nach einer Technik, die man sich liefern lässt und nicht anfasst. Tatsächlich ist die Physik dahinter einfacher als bei Kupfer — und die Bezeichnungen, die einen beim Kauf eines Kabels erwarten, folgen einem klaren System: Singlemode oder Multimode, eine Klasse wie OS2 oder OM4, ein Steckertyp wie LC oder SC und ein Schliff, UPC oder APC. Wer diese vier Angaben lesen kann, kauft nie das falsche Kabel.

Dieser Artikel erklärt sie der Reihe nach, sagt, welche Faser in Deutschland aus der Wand kommt, warum man blaue und grüne Stecker nie zusammenstecken darf, und wann sich Glasfaser im eigenen Haus gegenüber Kupfer überhaupt lohnt.

Das Wichtigste in Kürze

  • LWL, Lichtwellenleiter, Glasfaser — drei Namen für dasselbe: eine Glasfaser, in der Licht Daten trägt.
  • Singlemode (OS2, gelb) hat einen 9-µm-Kern, trägt Licht kilometerweit und ist die Faser jedes Glasfaseranschlusses.
  • Multimode (OM3/OM4, türkis) hat einen 50-µm-Kern, reicht einige hundert Meter und war lange die günstigere Wahl im Gebäude.
  • Stecker: LC an Switches und SFP-Modulen, SC am Glasfaseranschluss zuhause. Blau (UPC) und grün (APC) nie mischen.
  • Für eine Neuverkabelung im Haus ist heute Singlemode OS2 die zukunftssichere Wahl — der Preisunterschied zur Faser ist gering.
  • Glasfaser ist immun gegen elektromagnetische Störungen und trennt Potentiale — ideal zwischen Gebäuden und Etagen.
  • Sie bricht bei zu engem Biegeradius und verzeiht keinen Schmutz auf der Stirnfläche.

LWL, Lichtwellenleiter, Glasfaser — was ist was?

Nichts davon ist ein Unterschied. Lichtwellenleiter ist der Fachbegriff, LWL seine Abkürzung, Glasfaser der Alltagsname. In Datenblättern steht meist „LWL“, in Werbung „Glasfaser“. Gemeint ist immer eine haardünne Faser aus hochreinem Glas, die Licht führt.

Wie Licht durch Glas geht

Eine Glasfaser besteht aus einem Kern und einem Mantel aus Glas mit leicht unterschiedlichem Brechungsindex. Trifft Licht im Kern flach genug auf die Grenze zum Mantel, wird es vollständig zurückgeworfen — Totalreflexion. So läuft das Licht im Kern entlang, auch um Kurven, solange die Kurven nicht zu eng werden.

Der Außendurchmesser des Glases ist bei allen üblichen Fasern gleich: 125 µm, etwas mehr als ein menschliches Haar. Was sich unterscheidet, ist der Kern — und genau das ist der Unterschied zwischen Singlemode und Multimode.

Zwei Eigenschaften machen Glasfaser Kupfer überlegen, ganz unabhängig von der Bandbreite: Sie ist unempfindlich gegen elektromagnetische Störungen, weil kein Strom fließt. Und sie trennt Potentiale — zwischen zwei Gebäuden mit unterschiedlicher Erdung kann über ein Kupferkabel ein Ausgleichsstrom fließen, über Glas nicht. Deshalb gehört zwischen Haus und Garage, Werkstatt oder Nebengebäude Glasfaser, nicht Cat 7. Wer sein Heimnetzwerk über mehrere Gebäude plant, sollte diese Strecke von Anfang an als Faser vorsehen — und zwischen Homeserver und Switch im selben Raum lohnt sie sich, sobald 10 Gbit/s im Spiel sind.

Singlemode und Multimode

Singlemode hat einen Kern von nur 9 µm. Darin passt genau ein Lichtweg — eine „Mode“. Das Licht läuft ohne Laufzeitunterschiede, deshalb reicht Singlemode über 10, 40, 80 Kilometer. Gespeist wird mit Laserdioden bei 1310 oder 1550 nm. Der Mantel ist gelb.

Multimode hat einen Kern von 50 µm (ältere Fasern 62,5 µm). Darin laufen viele Lichtwege gleichzeitig, mit leicht unterschiedlicher Länge — das verschmiert das Signal, weshalb die Reichweite auf einige hundert Meter begrenzt ist. Dafür genügen günstigere Lichtquellen (VCSEL bei 850 nm). Der Mantel ist orange (OM1/OM2) oder türkis (OM3/OM4), OM5 ist limettengrün.

Klasse Typ Kern Farbe 10 Gbit/s bis 40/100 Gbit/s bis
OM1 Multimode 62,5 µm orange 33 m –
OM2 Multimode 50 µm orange 82 m –
OM3 Multimode 50 µm türkis 300 m 100 m
OM4 Multimode 50 µm türkis / violett 400–550 m 150 m
OM5 Multimode 50 µm limettengrün 400–550 m 150 m (mehrere Wellenlängen)
OS2 Singlemode 9 µm gelb 10 km und mehr 10 km und mehr

Die Reichweiten gelten für die jeweiligen Standard-Transceiver (10GBASE-SR für Multimode, 10GBASE-LR für Singlemode) — mehr dazu im Artikel zu SFP- und SFP+-Modulen.

Kann man Singlemode und Multimode verbinden?

Nein — nicht sinnvoll. Der Kern passt nicht zusammen (9 µm gegen 50 µm), der Großteil des Lichts geht an der Übergangsstelle verloren, und die Transceiver an beiden Enden müssen zum Fasertyp passen. Ein Link ist immer komplett Singlemode oder komplett Multimode: Faser, Patchkabel und Module.

Welche Faser für zuhause?

Lange galt: Multimode im Gebäude, weil die Transceiver günstiger sind. Das hat sich verschoben. Singlemode-Faser kostet heute kaum mehr als OM4, Singlemode-Transceiver für 10 Gbit/s sind für zweistellige Beträge zu haben — und Singlemode hat keine Reichweitengrenze, die einen später ärgert. Wer neu verlegt, nimmt OS2. Wer OM3- oder OM4-Kabel bereits hat, nutzt sie weiter; für 10 Gbit/s im Haus reichen sie mit Reserve.

Die Stecker: LC, SC, ST, E-2000, MPO

Der Stecker sagt nichts über die Faser aus — LC gibt es für Singlemode und Multimode. Er bestimmt nur, wo das Kabel hineinpasst:

  • LC (Lucent Connector): klein, mit Rasthebel, der Standard an SFP-Modulen und Switches. Fast immer als Duplex-Paar.
  • SC (Subscriber Connector): größer, quadratisch, steckt per Push-Pull. Der Stecker am Glasfaseranschluss zuhause (Gf-TA) und an vielen Glasfasermodems.
  • ST: rund mit Bajonett, älter, in Bestandsanlagen und Industrie noch verbreitet.
  • E-2000: mit Staubklappe, in Providernetzen und Verteilern beliebt, im Heimnetz selten.
  • MPO/MTP: mehrere Fasern in einem Stecker, für 40/100 Gbit/s parallel — Rechenzentrum, nicht Wohnhaus.

UPC und APC: die Sache mit blau und grün

Das ist der Punkt, an dem am häufigsten etwas kaputtgeht. Die Stirnfläche einer Faser ist entweder UPC geschliffen (gerade, Stecker blau) oder APC (um 8° angeschrägt, Stecker grün). Der Schrägschliff lenkt Rückreflexionen aus der Faser hinaus — wichtig bei Singlemode über lange Strecken und bei TV-Signalen, deshalb nutzen Glasfaseranschlüsse in Deutschland SC/APC.

Blau und grün dürfen nie zusammengesteckt werden. Die Stirnflächen berühren sich nur an einer Kante, die Dämpfung ist enorm, und die Kanten können sich gegenseitig beschädigen. Ist am einen Ende APC und am anderen UPC nötig, gibt es dafür Patchkabel mit gemischten Steckern (SC/APC auf LC/UPC) — das ist der korrekte Weg.

Kabelarten und wie man ihre Bezeichnungen liest

  • Patchkabel: beidseitig konfektioniert, Simplex (eine Faser) oder Duplex (zwei, für Senden und Empfangen). Das, was man zwischen Switch und Modul steckt.
  • Pigtail: nur einseitig ein Stecker, das andere Ende wird angespleißt — so werden Verteiler und Dosen aufgebaut.
  • Verlegekabel: mehrere Fasern in einem robusten Mantel, für Kanal, Erdreich oder Steigleitung; wird an beiden Enden gespleißt.
  • Dropkabel: das dünne, meist einfaserige Kabel, das der Provider vom Keller bis zur Wohnung legt.

Eine Bezeichnung wie I-V(ZN)H 2G50/125 OM3 liest sich so: I = Innenkabel, V = Vollader, (ZN) = nichtmetallische Zugentlastung, H = halogenfreier Mantel, 2G50/125 = zwei Gradientenfasern mit 50 µm Kern und 125 µm Mantel, OM3 = die Klasse. Bei Singlemode steht statt „G50/125″ ein „E9/125″.

Zwei Kürzel sind für zuhause besonders nützlich: G.657.A1 oder G.657.A2 kennzeichnen biegeunempfindliche Singlemode-Fasern, die enge Radien von 10 oder sogar 7,5 mm verkraften. Für ein Kabel, das um Türzargen und durch Leerrohre soll, ist das die richtige Wahl.

Der Glasfaseranschluss zuhause

Bei einem FTTH-Anschluss endet die Faser des Providers am Gf-TA, dem Glasfaser-Teilnehmeranschluss — einer kleinen Dose mit SC/APC-Buchse. Von dort führt ein Patchkabel zum ONT (Glasfasermodem) oder direkt in einen Router mit Glasfaseranschluss. Ab dem Modem ist alles wieder gewöhnliches Ethernet; welches Kupferkabel dort sinnvoll ist, erklärt unser Artikel zu Netzwerkkabeln von Cat 5e bis Cat 8.

Welches Kabel vom Glasfaseranschluss zur FRITZ!Box? Das hängt vom Gerät ab. Ein ONT hat meist eine SC/APC-Buchse — dann ein Singlemode-Patchkabel SC/APC auf SC/APC. Eine FRITZ!Box mit SFP-Steckplatz nimmt ein Modul mit LC-Buchse — dann SC/APC auf LC/APC (bei GPON-Modulen) oder LC/UPC (bei AON-Modulen, laut Angabe des Modulherstellers). Immer Singlemode, immer auf die Steckerfarbe achten.

Die Faser vom Provider ist in Deutschland praktisch immer Singlemode. Das beantwortet auch die oft gestellte Frage, ob FTTH Singlemode oder Multimode ist.

Handhabung: was Glasfaser übelnimmt

  • Schmutz. Ein Staubkorn auf der 9-µm-Stirnfläche deckt einen erheblichen Teil des Kerns ab. Staubkappen erst unmittelbar vor dem Stecken abnehmen, Stecker bei Verdacht mit einem Reinigungsstift säubern, nie mit dem Finger berühren.
  • Enge Biegeradien. Glas bricht. Als Faustregel gilt das 10- bis 15-Fache des Kabeldurchmessers, bei G.657-Fasern deutlich weniger. Kabelbinder nicht festziehen, Kabel nicht knicken.
  • Zug. Am Stecker ziehen ist tabu; das Kabel wird an der Zugentlastung geführt.
  • Licht. Nie in eine aktive Faser oder ein aktives Modul schauen. Die Leistung üblicher Module ist gering, aber unsichtbares Infrarot und ein Auge sind keine gute Kombination.

Spleißen oder Stecker?

Fest verlegte Fasern werden an ihren Enden gespleißt — mit einem Spleißgerät thermisch verschweißt, auf ein Pigtail, das dann in der Dose oder im Verteiler sitzt. Das ist die dauerhafteste Verbindung mit der geringsten Dämpfung, braucht aber ein Gerät für vierstellige Beträge oder einen Dienstleister. Die Alternative sind fertig konfektionierte Kabel in passender Länge, die man ohne Werkzeug zieht. Für die meisten Heimprojekte ist das der praktikable Weg; zum Spleißen folgt ein eigener Artikel.

Glasfaser-Zubehör fürs Heimnetz

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Fazit

Vier Angaben entscheiden über das richtige Glasfaserkabel: Singlemode oder Multimode, die Klasse (OS2 beziehungsweise OM3/OM4), der Stecker (LC am Switch, SC am Anschluss) und der Schliff (blau UPC, grün APC — nie mischen). Für neue Strecken im Haus ist Singlemode OS2 die Wahl ohne Reue, für den Providernetzanschluss ohnehin die einzige.

Und die beiden Gründe, aus denen Glasfaser auch dort sinnvoll ist, wo Kupfer bandbreitenmäßig reichen würde: Sie fängt keine Störungen ein und sie trennt Potentiale. Zwischen zwei Gebäuden ist das kein Luxus, sondern die einzige saubere Lösung.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Glasfaser und LWL?

Keiner. LWL ist die Abkürzung für Lichtwellenleiter, den Fachbegriff für Glasfaserkabel.

Welche zwei Arten von Glasfaserkabeln gibt es?

Singlemode mit 9-µm-Kern für lange Strecken und Multimode mit 50-µm-Kern für Distanzen bis einige hundert Meter. Sie sind untereinander nicht kompatibel.

Ist FTTH Singlemode oder Multimode?

Singlemode. Providernetze arbeiten ausnahmslos mit Singlemode-Fasern, in Deutschland mit SC/APC-Steckern am Teilnehmeranschluss.

Wie lang darf ein Glasfaserkabel sein?

Multimode OM4 trägt 10 Gbit/s über bis zu 400 Meter, Singlemode mit Standardmodulen über 10 Kilometer. Im Haus ist die Länge nie das Problem.

Wie sieht ein Glasfaserkabel aus?

Ein dünnes Kabel mit 2 bis 3 mm Durchmesser, gelb bei Singlemode, türkis oder orange bei Multimode, mit kleinen Steckern, die eine Staubkappe tragen. Im Inneren eine Glasfaser, dünner als ein Haar, umgeben von Aramidfäden als Zugentlastung.

Kann ich Glasfaser selbst verlegen?

Fertig konfektionierte Kabel ja — sie werden wie ein Netzwerkkabel gezogen, nur vorsichtiger bei Biegeradius und Zug. Fasern selbst spleißen erfordert ein Spleißgerät und Übung.

Was kostet ein Glasfaser-Patchkabel?

Ein LC-LC-Duplexkabel in wenigen Metern Länge kostet zwischen fünf und fünfzehn Euro, ob Singlemode oder Multimode. Der Preisunterschied liegt bei den Modulen, nicht beim Kabel.

Grundlage sind die Normen ISO/IEC 11801 und ITU-T G.652/G.657 sowie die Datenblätter gängiger Hersteller, Stand September 2026.

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