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herdr gegen GNU screen: 1987 trifft auf KI-Agenten

by Dimitri Roschkowski
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GNU screen ist von 1987 und läuft bis heute auf unzähligen Servern. herdr ist von 2026, in Rust geschrieben und für KI-Coding-Agenten gebaut. Der Abstand ist größer als beim Vergleich mit tmux — und gerade deshalb lohnt der Blick, denn screen kann etwas, das beide anderen nicht können.

Das Wichtigste in Kürze

  • screen: überall vorhanden, extrem genügsam, kann serielle Konsolen — aber keine Agentenzustände und nur rudimentäre Splits.
  • herdr: kennt Agentenzustände, Workspaces und eine Socket-API — muss aber installiert werden und ist jung.
  • Entscheidend: Wer serielle Geräte bedient, braucht screen. Wer KI-Agenten koordiniert, herdr.
herdr mit Workspaces und Agentenliste in der Seitenleiste
Workspaces und Agentenzustände auf einen Blick — in screen gibt es dafür keine Entsprechung.

Die Architektur

Auch screen trennt Client und Server, allerdings weniger ausgeprägt: Der Prozess, der die Sitzung hält, läuft im Hintergrund weiter, wenn man sich mit ctrl+a d abmeldet. Mit screen -r hängt man sich wieder an. Das Grundversprechen — die Sitzung überlebt den Verbindungsabbruch — erfüllen beide.

herdr formalisiert das deutlich stärker: ein echter Serverprozess, ein versioniertes Protokoll und ein Socket, über den sich der Zustand auch programmatisch abfragen lässt.

$ herdr status
server:
  status: running
  protocol: 20
  socket: /home/dr/.config/herdr/herdr.sock

In screen fragt man stattdessen die Liste der Sitzungen ab:

screen -ls

Gegenüberstellung

GNU screen herdr
Erschienen 1987 2026
Präfix ctrl+a ctrl+b
Session überlebt Abbruch ja ja
Panes teilen rudimentär frei teilbar
Projekt-Ebene nein Workspaces
Agentenzustände nein ja
Maus nein vollständig
Serielle Konsole ja nein
Vorinstalliert sehr häufig nie
Konfiguration ~/.screenrc ~/.config/herdr/config.toml

Was screen kann und herdr nicht

Ein Punkt, der in Vergleichen gern untergeht: screen spricht mit seriellen Schnittstellen.

screen /dev/ttyUSB0 115200

Damit hängt man an der Konsole eines Switches, eines Routers oder eines Embedded-Boards. Weder tmux noch herdr können das. Wer Netzwerkgeräte konfiguriert, behält screen allein deswegen auf der Platte.

Dazu kommt die Verbreitung. screen ist auf praktisch jedem Unix-System greifbar, oft ohne Nachinstallation. Auf einem fremden Server, auf dem man nichts installieren darf, ist das entscheidend.

Und screen ist genügsam: minimaler Speicherbedarf, keine Abhängigkeiten, läuft auf Hardware, bei der jede moderne TUI zu schwer wäre.

Was herdr kann und screen nicht

Agentenzustände

herdr zeigt für jeden Pane an, ob der Prozess working, blocked, done, idle oder unknown ist. In screen sieht man eine Fensterliste mit Nummern. Ob in Fenster 3 ein Agent seit zehn Minuten auf eine Bestätigung wartet, erfährt man nur durch Hinsehen.

Übersicht der unterstützten Agent-Integrationen
Über zwanzig Agenten werden erkannt; mit Integration meldet der Agent seinen Zustand selbst.

Eine API statt Tastenfolgen

screen kann Befehle in eine Sitzung schicken:

screen -S sitzung -X stuff "make test\n"

Das ist Tastatursimulation. herdr bietet stattdessen eine Socket-API mit JSON:

herdr agent list
herdr agent wait <ziel> --state blocked
herdr workspace create --cwd ~/api-service --label "api-service"

Der Unterschied ist nicht kosmetisch: Ein Agent kann diese Schnittstelle selbst nutzen, sich ein Pane öffnen, einen Befehl ausführen und die Ausgabe strukturiert zurücklesen.

Echte Fensterteilung

screen kann seit Version 4 horizontal und vertikal teilen, aber die Bedienung ist umständlich und die Aufteilung überlebt ein Abmelden nicht. herdr teilt frei und merkt sich das Layout.

Auf dem VPS

Für das klassische Szenario — lange Aufgabe starten, Verbindung trennen, später wiederkommen — tun sich beide nichts. screen -S backup, abmelden, später screen -r backup: Das funktioniert seit Jahrzehnten.

Der Unterschied beginnt, wenn mehrere Dinge gleichzeitig laufen. herdr bietet dafür den direkten Zugriff von außen:

herdr --remote [email protected] --session arbeit

Die lokale Konfiguration wandert mit. Bei screen pflegt man die .screenrc auf jedem Zielsystem einzeln.

Welches Werkzeug wofür?

Aufgabe Empfehlung
Serielle Konsole an Switch oder Router screen — konkurrenzlos
Fremder Server ohne Installationsrechte screen
Langes Backup oder Update absichern screen oder tmux
Mehrere KI-Agenten parallel herdr
Arbeit an mehreren Repositories herdr
Agenten per Skript koordinieren herdr

Fazit

screen und herdr konkurrieren kaum. screen ist ein Grundwerkzeug, das man nicht ersetzt, sondern voraussetzt — und das mit der seriellen Konsole eine Fähigkeit hat, die kein moderner Multiplexer nachbaut. herdr ist ein Spezialwerkzeug für eine Arbeitsweise, die es 1987 nicht gab.

Wer von screen kommt und mit KI-Agenten arbeitet, wird den Unterschied schnell merken. Wer screen für serielle Konsolen und schnelle Sitzungen nutzt, behält es — und installiert herdr daneben.

Mehr zu den Grundlagen in der Einführung zu herdr, der nähere Vergleich unter herdr gegen tmux.

Getestet mit herdr 0.8.2 (stable, Protokoll 20) auf Arch Linux.

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