5 Immich ist die selbstgehostete Antwort auf Google Fotos: eine schicke Fotoverwaltung, die auf deinem eigenen Server läuft, deine Bilder automatisch vom Handy sichert und dabei nach Gesichtern, Orten und Objekten durchsuchbar macht – ohne dass ein Konzern mitliest. In diesem Artikel zeige ich dir, was Immich kann, welche Hardware du brauchst und wie du es Schritt für Schritt mit Docker Compose einrichtest. Außerdem sage ich dir ehrlich, wo die Grenzen liegen. Was ist Immich und warum ist es so beliebt? Immich ist eine kostenlose Open-Source-Software, mit der du eine private Foto- und Videobibliothek betreibst. Die Bedienung fühlt sich bewusst wie bei den großen Cloud-Diensten an – nur dass alle Daten auf deiner eigenen Hardware bleiben. Genau das macht es für viele zur ersten Wahl, wenn sie aus Google Fotos oder der iCloud aussteigen wollen, ohne auf Komfort zu verzichten. Die wichtigsten Funktionen im Überblick: Mobile-Apps mit Auto-Backup: Die Apps für Android und iOS laden neue Fotos und Videos automatisch im Hintergrund hoch – genau wie du es von Google Fotos kennst. Zeitleiste: Deine Bilder werden nach Aufnahmedatum sortiert dargestellt, inklusive flüssigem Scrollen durch Jahre hinweg. Gesichtserkennung: Immich gruppiert Personen automatisch, sodass du alle Fotos einer bestimmten Person mit einem Klick findest. ML-Suche nach Objekten und Orten: Dank maschinellem Lernen kannst du nach Begriffen wie „Strand“, „Hund“ oder „Geburtstag“ suchen, auch wenn du die Bilder nie beschriftet hast. Geteilte Alben: Du legst Alben an und teilst sie mit Familie oder Freunden – auch mit Leuten, die selbst kein Konto haben. RAW-Support: Auch die Rohdaten deiner Kamera werden unterstützt, was Immich für Hobbyfotografen interessant macht. Der große Reiz liegt darin, dass du all das ohne Abo-Gebühren und ohne Speicherlimit bekommst. Dein einziges Limit ist die Festplatte, die du selbst einbaust. Ein wichtiger Hinweis vorweg: Immich befindet sich in aktiver Entwicklung und war lange als Beta gekennzeichnet. Es läuft im Alltag stabil, aber du solltest wissen, dass sich Dinge zwischen Versionen ändern können. Dazu später mehr. Voraussetzungen: Welche Hardware brauchst du? Immich läuft komplett in Containern über Docker Compose. Das heißt, du brauchst kein spezielles Betriebssystem, sondern nur eine Maschine, auf der Docker läuft. In der Praxis haben sich mehrere Wege bewährt: Mini-PC oder Homeserver: Ein sparsamer Mini-PC mit Intel-N100-Prozessor ist für die meisten die ideale Basis. Er verbraucht wenig Strom und hat genug Rechenkraft für die ML-Funktionen. Wenn du gleich richtig einsteigen willst, findest du in meiner Anleitung zum Homeserver selber bauen die passenden Komponenten. NAS: Viele NAS-Systeme von Synology oder QNAP können Docker-Container ausführen. Alternativ baust du dir dein eigenes NAS und hast damit gleich reichlich Speicher unter einem Dach. Proxmox-VM: Wer schon einen Proxmox-Server betreibt, richtet Immich einfach in einer virtuellen Maschine oder einem LXC-Container ein und hat es sauber vom Rest getrennt. Als Faustregel gilt: Ab 4 GB RAM läuft Immich vernünftig, 8 GB sind für die Gesichtserkennung und die ML-Suche deutlich angenehmer. Die Machine-Learning-Modelle sind das, was am meisten Rechenleistung frisst – besonders beim ersten Durchlauf, wenn deine komplette Sammlung analysiert wird. Ein Punkt, den viele unterschätzen, ist der Speicherplatz. Eine Fotosammlung wächst über die Jahre erheblich, vor allem wenn Videos dazukommen. Plane großzügig: Eine 4-TB-Festplatte ist ein guter Startpunkt, und du solltest die Möglichkeit einkalkulieren, später zu erweitern. Für die Datenbank und die Vorschaubilder ist eine SSD ideal, während die eigentlichen Originaldateien auch auf einer klassischen HDD liegen können. Immich Schritt für Schritt mit Docker Compose installieren Die Installation ist erfreulich unkompliziert, wenn Docker und Docker Compose bereits auf deinem Server laufen. Immich stellt zwei Dateien bereit, die du fast unverändert übernehmen kannst: eine docker-compose.yml und eine .env mit den Konfigurationswerten. Lege zunächst einen Ordner für Immich an und wechsle hinein: mkdir ./immich-app && cd ./immich-app Lade die offizielle docker-compose.yml aus dem Release des Projekts (immich-app auf GitHub) herunter: wget -O docker-compose.yml https://github.com/immich-app/immich/releases/latest/download/docker-compose.yml Hole dir die Beispiel-Umgebungsdatei und benenne sie in .env um: wget -O .env https://github.com/immich-app/immich/releases/latest/download/example.env Öffne die .env mit einem Editor deiner Wahl und passe die wichtigsten Werte an. Setze bei UPLOAD_LOCATION den Pfad, in dem deine Fotos gespeichert werden sollen, etwa /mnt/fotos/immich. Vergib außerdem bei DB_PASSWORD ein sicheres, eigenes Passwort für die Datenbank. Starte den kompletten Stack im Hintergrund: docker compose up -d Beim ersten Start lädt Immich mehrere Container-Images herunter, das dauert je nach Internetverbindung ein paar Minuten. Danach erreichst du die Weboberfläche in deinem Browser unter http://SERVER-IP:2283. Beim ersten Aufruf legst du das Admin-Konto an. Dieser erste Benutzer ist automatisch Administrator und kann später weitere Nutzer einladen. Danach landest du direkt in der leeren Zeitleiste – bereit für deine ersten Uploads. Das war der Kern. Wenn du deine Container lieber über eine grafische Oberfläche verwalten möchtest, statt alles über die Kommandozeile zu steuern, lohnt sich ein Blick auf Portainer als Docker-Oberfläche – damit behältst du Logs, Updates und Ressourcen im Auge. Passende Hardware für ImmichEin sparsamer Server mit genug Speicher ist die halbe Miete – damit läuft Immich rund.Mini-PC mit Intel N100Auf Amazon ansehenNAS-Festplatte (ab 4 TB)Auf Amazon ansehen2,5-Zoll- oder NVMe-SSDAuf Amazon ansehen* Affiliate-Links: Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Käufen. Bitte prüfe die Kompatibilität mit deinem System. Die Mobile-App einrichten und Auto-Backup aktivieren Der eigentliche Komfort kommt erst mit der App. Ohne sie ist Immich nur ein Bildbetrachter, mit ihr wird es zum echten Google-Fotos-Ersatz. Installiere die Immich-App aus dem Google Play Store beziehungsweise dem Apple App Store. Beim ersten Start fragt die App nach der Server-URL. Gib hier die Adresse deiner Instanz ein, im Heimnetz also zum Beispiel http://192.168.1.50:2283. Melde dich anschließend mit deinem Konto an. Gehe in den Einstellungen der App auf den Punkt Backup und wähle die Alben aus, die automatisch gesichert werden sollen – meist ist das der Kamera-Ordner. Aktiviere das Auto-Backup, damit neue Aufnahmen selbstständig hochgeladen werden. Ab jetzt landet jedes neue Foto automatisch auf deinem Server, sobald das Handy im WLAN ist. Du kannst zusätzlich das Backup über mobile Daten erlauben, solltest dabei aber dein Datenvolumen im Blick behalten. Wichtig: Immich ersetzt kein Backup Das ist der Abschnitt, den ich am liebsten in fetten Buchstaben schreiben würde. Ein weit verbreiteter Denkfehler lautet: „Meine Fotos sind jetzt auf meinem Server, also sind sie sicher.“ Das ist gefährlich falsch. Immich ist eine Fotoverwaltung, kein Backup. Wenn deine Festplatte ausfällt oder du versehentlich etwas löschst, sind die Bilder ohne separate Sicherung weg. Halte dich deshalb an die bewährte 3-2-1-Regel: drei Kopien deiner Daten, auf zwei unterschiedlichen Medien, davon eine an einem anderen Ort. Konkret heißt das für Immich: Sichere sowohl den UPLOAD_LOCATION-Ordner mit den Originaldateien als auch die Datenbank. Nur die Fotos zu sichern reicht nicht, denn ohne die Datenbank verlierst du Alben, Gesichtszuordnungen und Metadaten. Ein externes Backup auf eine zweite Festplatte oder in einen Cloud-Speicher deiner Wahl ist Pflicht. Ebenso wichtig ist der Umgang mit Updates. Immich entwickelt sich schnell, und gelegentlich gibt es Breaking Changes, die zusätzliche Schritte erfordern. Wirf vor jedem Update einen Blick in die Release Notes des Projekts. Wenn dort von Breaking Changes die Rede ist, folge den genannten Anweisungen, statt einfach blind das neueste Image zu ziehen. Ein Backup vor dem Update erspart dir im Zweifel viel Ärger. Immich von unterwegs erreichbar machen Solange du nur zu Hause im WLAN bist, funktioniert alles über die lokale IP. Spannend wird es, wenn du auch unterwegs auf deine Fotos zugreifen willst. Hier gibt es zwei grundsätzliche Wege – und einen, den du auf keinen Fall gehen solltest. Die sichere und empfohlene Variante ist ein VPN. Mit einem VPN wie WireGuard oder dem sehr einfach einzurichtenden Tailscale baust du von deinem Handy eine verschlüsselte Verbindung ins Heimnetz auf. Für Immich verhält es sich dann so, als wärst du zu Hause. Das ist sicher, weil dein Server nach außen komplett unsichtbar bleibt. Die zweite Variante ist ein Reverse Proxy mit einer eigenen Domain und einem gültigen SSL-Zertifikat, etwa über Nginx Proxy Manager oder Traefik. Das ist komfortabler, weil du keine VPN-Verbindung brauchst, aber es setzt Kenntnisse rund um HTTPS und Zugriffsschutz voraus. Was du niemals tun solltest: den Port 2283 einfach ungeschützt im Router freigeben. Damit stellst du deine komplette Fotosammlung offen ins Internet. Ohne VPN oder ordentlichen Reverse Proxy mit Verschlüsselung gehört ein selbstgehosteter Dienst nicht direkt ans Netz. Die Grenzen ehrlich benannt So gut Immich ist – es ist kein magischer Ersatz, der einfach läuft und nie Aufmerksamkeit braucht. Damit du weißt, worauf du dich einlässt, hier die ehrliche Kehrseite: Pflegeaufwand: Du bist selbst für Updates, Backups und die Fehlersuche verantwortlich. Das kostet ab und zu Zeit. Der Server muss laufen: Anders als bei einer Cloud brauchst du eine Maschine, die dauerhaft eingeschaltet ist. Das bedeutet Stromkosten, auch wenn ein sparsamer Mini-PC hier nur wenige Euro im Monat ausmacht. ML braucht Ressourcen: Gesichtserkennung und Objektsuche kosten Rechenleistung. Auf schwacher Hardware dauert die erste Analyse lange, und die Suche reagiert träger. Du bist der Admin: Es gibt keinen Support-Hotline. Bei Problemen bist du auf die Dokumentation, das Community-Forum und deine eigene Bereitschaft angewiesen, dich einzuarbeiten. Für technisch interessierte Menschen ist das kein Hindernis, sondern der Reiz an der Sache. Wer aber einfach nur einen sorgenfreien Dienst will, sollte sich dieser Verantwortung bewusst sein. Troubleshooting: Die häufigsten Stolpersteine Falls beim Einrichten etwas hakt, sind es meist diese drei Klassiker: Container startet nicht: Prüfe mit docker compose logs, was schiefläuft. Häufig ist der Port 2283 schon belegt, oder dem Server geht der Arbeitsspeicher aus. Zu wenig RAM ist die typische Ursache, wenn Container immer wieder neu starten. Uploads erscheinen nicht: Kontrolliere die Berechtigungen der App auf dem Handy. Ohne Zugriff auf Fotos und ohne die Erlaubnis, im Hintergrund zu arbeiten, kann das Auto-Backup nicht funktionieren. Unter Android hilft es oft, die Akku-Optimierung für die Immich-App zu deaktivieren. ML ist quälend langsam: Auf schwacher Hardware wie einem Raspberry Pi als Homeserver braucht die maschinelle Analyse deutlich länger. Das ist normal. Gib dem ersten Durchlauf Zeit, oder reduziere in den Einstellungen das verwendete ML-Modell auf eine kleinere Variante. Fazit Immich ist die wohl überzeugendste selbstgehostete Alternative zu Google Fotos, die es derzeit gibt. Du bekommst automatisches Backup vom Handy, eine schnelle Zeitleiste, Gesichtserkennung und eine erstaunlich gute Suche – alles auf deiner eigenen Hardware und ohne laufende Kosten. Die Installation mit Docker Compose ist in einer halben Stunde erledigt, und die App macht es im Alltag genauso bequem wie die kommerziellen Vorbilder. Der Preis dafür ist Verantwortung: Du musst für Backups sorgen, Updates im Auge behalten und den Server am Laufen halten. Wenn du diese Punkte ernst nimmst – vor allem das externe Backup von Fotos und Datenbank – bekommst du eine Fotoverwaltung, die dir wirklich gehört. Für alle, die ihre Erinnerungen aus der Cloud der Konzerne zurückholen wollen, ist Immich genau der richtige Weg. Häufige Fragen Ist Immich kostenlos? Ja, Immich ist vollständig kostenlose Open-Source-Software. Es gibt keine Abo-Gebühren und kein Speicherlimit. Die einzigen Kosten sind deine eigene Hardware und der Strom, den der Server verbraucht. Optional kannst du das Projekt mit einem freiwilligen Kauf unterstützen, das schaltet aber keine Pflichtfunktionen frei. Wie viel Speicherplatz brauche ich? Das hängt komplett von der Größe deiner Sammlung ab. Als grober Anhaltspunkt: Rechne mit dem, was deine Fotos und Videos aktuell belegen, plus reichlich Puffer für die kommenden Jahre. Eine 4-TB-Festplatte ist ein solider Startpunkt für die meisten Haushalte. Plane die Möglichkeit ein, später zu erweitern, denn eine Fotobibliothek wächst kontinuierlich. Läuft Immich auf dem Raspberry Pi? Grundsätzlich ja, ein Raspberry Pi 4 oder 5 mit ausreichend RAM kann Immich betreiben. Die Kernfunktionen laufen zufriedenstellend. Die maschinelle Bildanalyse für Gesichter und Objektsuche ist auf dieser Hardware allerdings deutlich langsamer, gerade beim ersten Durchlauf. Für den Einstieg und kleinere Sammlungen ist der Pi in Ordnung, für große Bibliotheken empfehle ich einen stärkeren Mini-PC. Kann ich meine Google-Fotos-Daten importieren? Ja. Du kannst deine Daten über Google Takeout exportieren und anschließend in Immich einspielen. Der Import ist möglich, kostet aber etwas Geduld, weil Takeout die Metadaten in separaten JSON-Dateien ablegt. Es gibt dafür bewährte Werkzeuge aus der Community, die das Zusammenführen übernehmen, sodass Aufnahmedaten und Orte korrekt übernommen werden. Ist Immich sicher? Im Heimnetz ist Immich sicher, solange du ein starkes Passwort verwendest. Kritisch wird es erst beim Zugriff von außen. Gib den Dienst niemals ungeschützt über eine Portfreigabe frei. Nutze stattdessen ein VPN wie WireGuard oder Tailscale oder einen ordentlich abgesicherten Reverse Proxy mit HTTPS. Dann sind deine Fotos genauso sicher wie deine übrige Heimnetz-Infrastruktur. 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