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Nintendo gewinnt gegen Archbox: 4,5 Millionen Dollar für 30 Switch-Spiele

by Dimitri Roschkowski
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Zwei Jahre nachdem Nintendo begonnen hatte, die Hintermänner mehrerer Switch-Piraterie-Shops zu verfolgen, ist der Fall entschieden. Ein US-Bundesgericht hat den Betreiber zu 4,5 Millionen US-Dollar Schadensersatz verurteilt — per Versäumnisurteil, denn der Beklagte hat sich nie verteidigt.

Über den Beginn dieses Verfahrens haben wir bereits im Dezember 2024 berichtet, als Nintendo Reddit, Discord und Google zur Herausgabe von Nutzerdaten zwingen wollte. Jetzt liegt das Ergebnis vor.

Das Wichtigste in Kürze

  • Urteil: 4,5 Millionen US-Dollar Schadensersatz gegen den Betreiber mehrerer Pirate Shops, bekannt unter dem Pseudonym Archbox.
  • Gericht: U.S. District Court for the Western District of Washington, Aktenzeichen 2:24-cv-00960-LK, Richterin Lauren King.
  • Versäumnisurteil: Der Beklagte hat auf die Klage nie reagiert. Das Gericht entschied deshalb ohne seine Beteiligung.
  • Die Rechnung: 30 Nintendo-Titel × 150.000 US-Dollar — der gesetzliche Höchstsatz pro Werk bei vorsätzlicher Verletzung.
  • Dazu ein dauerhaftes Verbot: keine Verbreitung nicht autorisierter Spiele, keine Umgehungssoftware, keine Beihilfe für andere.
  • Vorsicht bei der Zahl: In manchen Meldungen kursiert die Summe als 45 Millionen. Nachgerechnet sind es 4,5 Millionen.

Worum es ging

Der Beklagte betrieb unter dem Namen Archbox mehrere sogenannte Pirate Shops — Plattformen, auf denen kopierte Nintendo-Switch-Spiele zum Download bereitstanden. Namentlich genannt werden Jack-in-the-Shop, Turtle in the Shop, NekoDrive und LiberaShop, letzterer über Telegram.

Dazu kam die Rolle als Moderator des Subreddits r/SwitchPirates. Nintendo warf ihm vor, von dort gezielt Nutzer auf die eigenen Shops gelenkt und Anleitungen zur Nutzung von Umgehungssoftware geliefert zu haben. Beworben wurden die Angebote außerdem über Instagram, X, TikTok und Discord.

Rechtlich stützte sich Nintendo auf zwei Säulen: klassische Urheberrechtsverletzung durch das Verbreiten der Spiele und Verstöße gegen den DMCA, konkret gegen das Verbot, technische Schutzmaßnahmen zu umgehen. Der zweite Punkt ist der schärfere, weil er schon das Bereitstellen der Werkzeuge erfasst — unabhängig davon, ob damit tatsächlich kopiert wurde.

Der Zeitverlauf

Zeitpunkt Ereignis
März 2024 Erste Unterlassungsaufforderungen, Shops gehen teilweise offline
Juni 2024 Nintendo reicht Klage ein
Dezember 2024 Nintendo beantragt Datenherausgabe bei Reddit, Discord, Google und GitHub
September 2026 Versäumnisurteil über 4,5 Millionen US-Dollar

Auffällig ist die Dauer: Zwischen Klage und Urteil liegen gut zwei Jahre — und das in einem Verfahren, in dem sich der Gegner überhaupt nicht gewehrt hat.

Wie 4,5 Millionen zustande kommen

Das US-Urheberrecht sieht bei vorsätzlicher Verletzung einen gesetzlichen Schadensersatz von bis zu 150.000 Dollar pro Werk vor. Der Kläger muss dafür keinen konkreten Schaden nachweisen — das ist der Kern des Konzepts statutory damages, und es erklärt, warum solche Summen in US-Verfahren so schnell wachsen.

Nintendo hat 30 Titel in die Klage eingebracht, darunter The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom, Mario Kart 8 Deluxe und Super Smash Bros. Ultimate. Dreißig mal der Höchstsatz ergibt die Urteilssumme.

Dass das Gericht durchgängig den Höchstsatz angesetzt hat, ist dabei kein Automatismus. Es setzt Vorsatz voraus — und den hat sich der Beklagte durch eigene Äußerungen selbst bescheinigt: Er bezeichnete sich öffentlich als pirate und erklärte, er wolle Nintendo kein Geld für die Spiele geben. Wer so auftritt und dann im Verfahren schweigt, liefert einem Gericht wenig Anlass, milde zu urteilen.

Was ein Versäumnisurteil praktisch bedeutet

Ein Versäumnisurteil ergeht, wenn der Beklagte auf eine ordnungsgemäß zugestellte Klage nicht reagiert. Das Gericht prüft dann nur noch, ob die Klage schlüssig ist — die Tatsachenbehauptungen des Klägers gelten als zugestanden.

Für den Betroffenen heißt das zweierlei. Erstens: Er hat keine Gelegenheit mehr, die Höhe zu bestreiten. Zweitens: Das Urteil ist trotzdem vollstreckbar. Ob Nintendo die 4,5 Millionen jemals sieht, ist eine andere Frage — bei einer Privatperson ist die Wahrscheinlichkeit gering. Die abschreckende Wirkung erzielt das Urteil auch so.

Praktisch relevanter ist deshalb der zweite Teil des Urteils: das dauerhafte Verbot. Wer dagegen verstößt, landet nicht wieder in einem Zivilverfahren, sondern riskiert eine Missachtung des Gerichts — mit deutlich unangenehmeren Folgen.

Einordnung

Der Fall zeigt Nintendos Linie unverändert: Das Unternehmen geht nicht gegen einzelne Nutzer vor, sondern gegen die Infrastruktur — Shops, Verteilwege, Anleitungen. Das ist juristisch effizienter und medienwirksamer, und es trifft diejenigen, die tatsächlich in großem Maßstab verbreiten.

Bemerkenswert bleibt, wie viel Angriffsfläche der Beklagte selbst geliefert hat. Die öffentliche Selbstbezeichnung als Pirat, die Moderation eines einschlägigen Subreddits unter demselben Pseudonym, die Bewerbung über gleich fünf soziale Netzwerke: Jede dieser Spuren war später Beweismittel. Wer in einem Feld agiert, in dem Gerichtsverfahren wahrscheinlich sind, führt mit so einem Auftritt die Klageschrift für den Gegner mit.

Für deutsche Leser ist die Summe übrigens nicht direkt übertragbar. Gesetzlicher Schadensersatz in dieser Form existiert hier nicht; deutsche Gerichte berechnen den Schaden anders und kommen typischerweise auf deutlich niedrigere Beträge. Die Verbote und Unterlassungsansprüche funktionieren dagegen vergleichbar.

Häufige Fragen

Waren es jetzt 4,5 oder 45 Millionen Dollar?

4,5 Millionen. Die Rechnung des Gerichts lautet 30 Werke mal 150.000 Dollar, das ergibt 4.500.000. In einzelnen Meldungen ist die Zahl um eine Stelle verrutscht.

Muss der Beklagte das jetzt zahlen?

Rechtlich ja, das Urteil ist vollstreckbar. Praktisch hängt es davon ab, ob pfändbares Vermögen existiert. Bei Privatpersonen bleiben solche Urteile häufig weitgehend uneinbringlich.

Ist das Herunterladen solcher Spiele in Deutschland strafbar?

Das Anbieten und Verbreiten ist klar rechtswidrig. Beim reinen Herunterladen aus offensichtlich rechtswidriger Quelle greift die Privatkopie-Ausnahme nicht — auch das ist eine Urheberrechtsverletzung. Das Umgehen technischer Schutzmaßnahmen ist zusätzlich gesondert verboten.

Was ist ein Versäumnisurteil?

Eine Entscheidung, die ergeht, weil der Beklagte auf die Klage nicht reagiert hat. Die Behauptungen des Klägers gelten dann als zugestanden, das Gericht prüft nur noch die Schlüssigkeit.

Geht Nintendo auch gegen normale Nutzer vor?

In diesem Verfahren nicht. Nintendo hat allerdings im Dezember 2024 versucht, über Reddit, Discord, Google und GitHub an Daten von Nutzern des Subreddits zu kommen — darüber haben wir damals geschrieben.

Quellen: Verfahrensunterlagen des U.S. District Court for the Western District of Washington, Aktenzeichen 2:24-cv-00960-LK; begleitende Fachberichterstattung. Abgerufen am 28.09.2026. Der Beklagte wird hier unter seinem öffentlich verwendeten Pseudonym geführt. Dieser Artikel ist Berichterstattung und keine Rechtsberatung.

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