38 Omarchy ist ein fertig eingerichtetes Arch Linux mit dem Tiling-Fenstermanager Hyprland – zusammengestellt von David Heinemeier Hansson, dem Erfinder von Ruby on Rails. Der Reiz liegt nicht in exotischer Technik, sondern im Zuschnitt: Du beantwortest fünf Fragen, wartest gut zwei Minuten und hast danach einen vollständig eingerichteten Arbeitsplatz. Keine Paketauswahl, keine Partitionierung von Hand, keine Suche nach der passenden Statusleiste. Dieser Artikel begleitet eine echte Installation von Anfang bis Ende. Getestet wurde Omarchy 4.0.3 mit Hyprland 0.56.2 und Kernel 7.2.3 in einer virtuellen Maschine (Stand September 2026). Die Installation dauerte 2 Minuten und 23 Sekunden. Vorher: Was du wissen solltest Zwei Dinge vorweg, damit es hinterher keine Überraschung gibt. Erstens löscht der Installer die gewählte Festplatte vollständig. Es gibt keinen Assistenten, der neben Windows Platz schafft. Wer Omarchy parallel zu Windows betreiben will, muss die Partitionierung vorher selbst erledigen – wie das geht, steht in Dual Boot: Linux neben Windows installieren. Zweitens ist Omarchy Arch Linux. Es gibt keine festen Versionssprünge, sondern laufende Aktualisierungen. Das hält das System aktuell, verlangt aber gelegentlich Aufmerksamkeit. Für einen Server, der drei Jahre unbeaufsichtigt laufen soll, ist das die falsche Wahl – dafür nimmst du besser Proxmox. Gebraucht wird: ein 64-Bit-Rechner mit UEFI, mindestens 4 GB RAM (8 GB sind angenehmer), etwa 30 GB Platz und ein USB-Stick ab 8 GB. Wie du den Stick bootfähig machst, zeigt Bootfähigen Linux-USB-Stick erstellen; wenn dein Rechner partout nicht vom Stick starten will, hilft BIOS öffnen und UEFI starten. Schritt 1: Vom Installationsmedium starten Nach dem Booten vom Stick meldet sich ein Arch-Linux-Menü. Der oberste Eintrag ist der richtige; es gibt zusätzlich eine Variante mit Sprachausgabe sowie Einträge für Speichertest und Firmware-Informationen. Der erste Eintrag startet den Installer. Alles andere sind Diagnosewerkzeuge. Danach erscheint der Omarchy-Startbildschirm. Ein Druck auf die Eingabetaste beginnt die Einrichtung. Kein grafischer Assistent, kein Ladebalken – nur eine Zeile. Schritt 2: Die fünf Fragen Jetzt kommt der eigentliche Dialog. Er ist bewusst knapp gehalten: keine Paketauswahl, keine Desktop-Variante, keine Spiegelserver. Tastaturlayout Die Liste ist lang und alphabetisch sortiert. Für eine deutsche Tastatur tippst du einfach de – die Liste filtert mit. Das ist wichtiger, als es aussieht: Die Wahl gilt auch für die Passworteingabe gleich danach, und ein vertauschtes y/z im Verschlüsselungspasswort merkst du erst beim nächsten Start. Pfeiltasten zum Blättern, Eingabetaste zum Bestätigen – oder einfach lostippen zum Filtern. Benutzername und Passwort Der Benutzername muss aus Buchstaben und Ziffern bestehen, ohne Leerzeichen. Ein Benutzer genügt – weitere legst du später an. Das Passwort gilt gleich dreifach: für deinen Benutzer, für administrative Rechte und für die Festplattenverschlüsselung. Der Installer sagt das ausdrücklich dazu. Nimm hier kein kurzes Alltagspasswort – wer den Rechner in die Hand bekommt, kommt sonst an alles heran. Ein Passwort für Benutzer, Administration und Verschlüsselung. Name und E-Mail-Adresse Diese beiden Angaben landen nicht in einem Benutzerkonto, sondern in der Git-Konfiguration – sie stehen später unter deinen Commits. Wer nicht programmiert, drückt zweimal die Eingabetaste und überspringt sie. „Hit return to skip“ – die Angabe ist freiwillig. Auch die E-Mail-Adresse dient nur Git. Hostname Der Name, unter dem der Rechner im Netzwerk auftaucht. Ohne Eingabe heißt er schlicht omarchy. Wenn mehrere Linux-Rechner im Haus stehen, lohnt ein sprechender Name. Buchstaben, Ziffern und Bindestriche sind erlaubt. Zeitzone Die Liste ist nach Regionen sortiert. Tippe Berlin, um in Deutschland schnell fündig zu werden. Bei falscher Zeitzone stimmen später Zeitstempel und Zertifikatsprüfungen nicht. Schritt 3: Kontrollieren und bestätigen Bevor etwas geschrieben wird, fasst der Installer alles zusammen. Das ist der letzte bequeme Zeitpunkt für Korrekturen – „No, change it“ führt zurück in den Dialog. Alle Angaben auf einen Blick. Das Passwort bleibt verdeckt, die E-Mail-Adresse haben wir für den Screenshot geschwärzt. Schritt 4: Zielfestplatte wählen Jetzt wird es ernst. Der Installer listet die gefundenen Datenträger mit Größe und Modellbezeichnung auf. In unserem Test war das eine 100-GB-Platte der virtuellen Maschine. Modell und Größe helfen beim Unterscheiden – trotzdem zweimal hinschauen. Die anschließende Warnung ist wörtlich zu nehmen: „Everything will be overwritten. There is no recovery possible.“ Wer an dieser Stelle die falsche Platte erwischt, verliert deren Inhalt vollständig. Ein kurzer Hinweis am Rand verrät außerdem, dass Strg + C eine Installation ohne Verschlüsselung startet. Der Punkt ohne Wiederkehr. Externe Platten vorher abziehen. Schritt 5: Warten Ab hier läuft alles allein. Ein Fortschrittsbalken zeigt den Stand, darunter blendet Omarchy Tipps ein – etwa den wichtigsten überhaupt: SUPER + K zeigt später alle Tastenkürzel. Die Dauer hängt vor allem an der Internetverbindung – die Pakete werden frisch geladen. 2 Minuten 23 Sekunden. Vor dem Neustart den USB-Stick abziehen. Schritt 6: Der erste Start Als Bootloader kommt Limine zum Einsatz, nicht das bekanntere GRUB. Das Menü ist schlicht und wählt nach kurzer Wartezeit automatisch den einzigen Eintrag. Limine zeigt unten die Kernel-Version und zählt herunter. Danach fragt der Anmeldebildschirm nach dem Passwort. Es ist dasselbe, das du im Installer vergeben hast. Nach der Anmeldung startet Hyprland direkt durch. Was dabei herauskommt Ein kurzer Blick auf die Systeminformationen zeigt, was installiert wurde: Omarchy 4.0.3, Hyprland 0.56.2 unter Wayland, Kernel 7.2.3, das Terminal foot und insgesamt 944 Pakete. Für ein vollständiges Arbeitssystem ist das schlank. fastfetch fasst das frisch installierte System zusammen. Auf der Platte liegt eine durchdachte Struktur: eine 2 GB große EFI-Partition für den Bootloader, der Rest als LUKS-verschlüsselter Container. Darin sitzt ein Btrfs-Dateisystem mit getrennten Subvolumes für System, Heimatverzeichnis, Logs und Paket-Cache. Diese Trennung ist die Voraussetzung dafür, dass Schnappschüsse später sinnvoll funktionieren – ein Rücksprung auf einen früheren Systemstand nimmt deine Dokumente nicht mit zurück. Verschlüsselung und getrennte Subvolumes richtet der Installer ohne Nachfrage ein. Die ersten Handgriffe nach der Installation Die gesamte Bedienung hängt an einem Menü, das du mit SUPER + SPACE öffnest. Von dort erreichst du Programme, Einstellungen, Themes und die Paketverwaltung – ohne eine einzige Kommandozeile. Software nachinstallieren: aus den Arch-Quellen, aus dem AUR oder als Web-App. Bemerkenswert ist der Eintrag Web App: Damit verwandelst du eine Webseite in ein eigenständiges Fenster mit eigenem Symbol. Ein großer Teil der vorinstallierten „Programme“ funktioniert genau so. Wer wissen will, welche Tasten belegt sind, findet unter Learn außerdem gebündelte Verweise auf Hyprland, Arch, Neovim und Bash: Die Dokumentation ist eingebaut statt weggelassen. Aktualisiert wird ebenfalls über das Menü. Da Arch fortlaufend aktualisiert, solltest du das regelmäßig tun – wöchentlich reicht im Normalfall. System, Konfiguration, Firmware und Zeitzone lassen sich getrennt aktualisieren. Was alles schon eingerichtet ist 944 Pakete klingt nach wenig für ein vollständiges System – und das ist es auch. Omarchy verzichtet konsequent auf doppelte Werkzeuge. Statt drei Bildbetrachtern gibt es einen; statt einer Auswahl an Terminals genau foot. Was dafür vorhanden ist, deckt den Alltag ab: Terminal, Editor und Dateimanager – foot, Neovim mit fertiger Konfiguration, GNOME Files Browser auf Chromium-Basis, farblich an das gewählte Theme angepasst Aufnahmewerkzeuge für Screenshot, Bildschirmvideo, Farbwähler und Texterkennung Systemwerkzeuge – Netzwerk, Bluetooth, Audio, Datenträger, alles über dasselbe Menü erreichbar Entwicklungsumgebung mit Git, Docker, lazygit und lazydocker Screenshot, Bildschirmvideo, Texterkennung, QR-Code und Farbwähler – ohne eine einzige Nachinstallation. Der Eintrag Text in diesem Menü verdient eine Erwähnung: Er zieht per Texterkennung Zeichen aus einem markierten Bildschirmbereich in die Zwischenablage. Für Fehlermeldungen, die als Bild ankommen, ist das Gold wert. Aktualisieren – und was Btrfs damit zu tun hat Arch aktualisiert laufend. Das heißt in der Praxis: einmal pro Woche über das Update-Menü gehen und danach neu starten, wenn der Kernel dabei war. Genau hier zahlt sich die Partitionierung aus, die der Installer ohne Nachfrage anlegt. Weil das System auf Btrfs mit getrennten Subvolumes liegt, kann vor jeder Paketaktualisierung automatisch ein Schnappschuss entstehen. Geht ein Update schief, wählst du im Bootmenü den vorherigen Systemstand und bist in einer Minute wieder arbeitsfähig – ohne dass deine Dokumente mit zurückgesetzt werden, denn das Heimatverzeichnis liegt in einem eigenen Subvolume. Das ist der wichtigste Unterschied zu einer klassischen Installation auf ext4: Dort ist ein fehlgeschlagenes Update eine Bastelaufgabe, hier ein Neustart. Omarchy in einer virtuellen Maschine Für einen ersten Blick ist die virtuelle Maschine der naheliegende Weg – und genau dort sind uns beim Test die einzigen echten Probleme begegnet. Wer das vorher weiß, spart sich einen langen Abend. Schwarzer Bildschirm mit Mauszeiger. Das System startet, der Cursor lässt sich bewegen, sonst passiert nichts. Ursache ist nicht Hyprland, sondern die Statusleiste: Sie reicht ihre Fenster über DMA-BUF ein, also über direkt weitergereichte Grafikspeicher-Bereiche. Der virtuelle Grafiktreiber nimmt diese Puffer nicht an, der Compositor weist das Fenster ab, und das Programm beendet sich – sechsmal hintereinander, dann gibt es auf. Übrig bleibt ein Desktop ohne Leiste, ohne Hintergrund, ohne alles. Die Lösung ist eine einzige Umgebungsvariable, die das Qt-Programm auf den weichen Zeichenweg über gemeinsamen Arbeitsspeicher umstellt: export QT_QUICK_BACKEND=software Dasselbe Muster trifft GTK-Programme. Der Dateimanager startete erst nach: export GSK_RENDERER=cairo Zu kleine Auflösung. Der virtuelle Bildschirm meldet oft eine niedrige Auflösung als bevorzugt, obwohl er mehr kann. hyprctl monitors all zeigt unter availableModes, was tatsächlich möglich ist – die passende Zeile kommt dann in die Monitor-Konfiguration. Irreführende Fehlermeldungen. Zwei Meldungen im Protokoll sehen dramatisch aus und sind harmlos: eglCreateContext … EGL_BAD_MATCH ist ein normaler Rückfall von einer neueren auf eine ältere Grafikschnittstelle. Und atomic drm request: failed to commit: Permission denied bedeutet meist nur, dass die grafische Sitzung im Moment nicht die aktive Textkonsole besitzt – etwa weil man gerade mit STRG + ALT + F2 auf eine andere gewechselt ist. Auf echter Hardware treten diese Punkte nicht auf. Wer Omarchy dauerhaft nutzen will, sollte es ohnehin auf einem richtigen Rechner installieren – die virtuelle Maschine ist zum Anschauen da, nicht zum Arbeiten. Wie du beides parallel betreibst, steht in Dual Boot: Linux neben Windows installieren. Die Bedienung in fünf Minuten Damit der erste Kontakt nicht im Ratespiel endet, hier die Tasten, die du am ersten Tag brauchst: Taste Wirkung SUPER + SPACE Hauptmenü – der Einstieg in alles SUPER + K Alle Tastenkürzel anzeigen SUPER + RETURN Terminal SUPER + W Fenster schließen SUPER + ESCAPE Sperren, abmelden, neu starten SUPER + CTRL + C Screenshot und Bildschirmaufnahme Der Programmstarter listet alles Installierte auf – tippen filtert, Eingabetaste startet. Wer tiefer einsteigen will, findet die Grundlagen des Fenstermanagers in unserem Hyprland-Überblick. Was du für die Installation brauchstMehr als einen Stick und etwas Platz verlangt Omarchy nicht – diese Teile haben sich bewährt.USB-Stick 32 GBAuf Amazon ansehenMini-PC mit Intel N100Auf Amazon ansehenSSD mit 500 GBAuf Amazon ansehenArbeitsspeicher DDR4 16 GBAuf Amazon ansehen* Affiliate-Links: Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Käufen. Bitte prüfe die Kompatibilität mit deinem System. Häufige Fragen Kann ich Omarchy neben Windows installieren? Nicht mit dem mitgelieferten Installer – der überschreibt die gewählte Platte komplett. Du kannst Windows aber vorher verkleinern und Omarchy auf eine zweite Platte oder in den freigeräumten Bereich legen. Die Vorbereitung beschreibt unser Dual-Boot-Artikel. Ist die Verschlüsselung Pflicht? Nein. An der Bestätigungsabfrage startet Strg + C eine unverschlüsselte Installation. Bei einem Notebook würde ich die Verschlüsselung trotzdem behalten. Warum dauert die Installation bei mir länger? Weil die Pakete während der Installation heruntergeladen werden. Die 2 Minuten 23 Sekunden aus unserem Test setzen eine schnelle Leitung voraus; über eine langsame DSL-Verbindung wird daraus schnell eine Viertelstunde. Welche Hardware wird unterstützt? Alles, was Arch Linux unterstützt – also nahezu jeder 64-Bit-Rechner mit UEFI. Bei NVIDIA-Grafik ist mehr Nacharbeit nötig als bei AMD oder Intel. In virtuellen Maschinen kann der Grafiktreiber zicken; unser Testsystem startete anfangs mit schwarzem Bildschirm, weil die Oberfläche ihre Fenster über DMA-BUF einreichen wollte und der virtuelle Treiber das ablehnte. Wie deinstalliere ich Omarchy wieder? Wie jedes Linux: Platte überschreiben oder neu partitionieren. Da Omarchy Limine statt GRUB verwendet, solltest du bei einem Dual-Boot-System danach den Windows-Bootloader prüfen. Brauche ich Vorkenntnisse in Arch Linux? Für die Installation nicht. Für den Betrieb hilft es: Wenn ein Update einmal klemmt, landest du bei der Arch-Dokumentation. Wer noch nie mit einem rollenden Release gearbeitet hat, sollte das erst in einer virtuellen Maschine durchspielen. Fazit Der Omarchy-Installer macht genau eine Sache, und die richtig: Er stellt fünf Fragen und liefert danach ein vollständiges, verschlüsseltes, aktuelles System mit fertig eingerichtetem Tiling-Desktop. Wer Arch Linux immer schon einmal ausprobieren wollte, aber vor dem Zusammenbau zurückgeschreckt ist, bekommt hier die Abkürzung. Der Preis dafür ist fehlende Wahlfreiheit während der Installation – und eine Festplatte, die vollständig überschrieben wird. Beides sollte man kennen, bevor man den Stick einsteckt. Was danach kommt, erklärt unser Hyprland-Überblick; wie du das System nach deinem Geschmack umbaust, steht in Hyprland konfigurieren. 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