2 Seit einem Jahr betreibe ich eine PV-Anlage mit Akku, komplett selbst zusammengebaut. Der Sommer hat mich begeistert. Der Herbst holt mich gerade auf den Boden zurück. In diesem Beitrag zeige ich meine Anlage, meine echten Zahlen der letzten Tage und warum ich PV inzwischen mit anderen Augen sehe. Meine sechs Module stehen auf einem Gestell im Garten, weil mein Haus kein Dach mit Südseite hat. Meine zwei Ziele Ich hatte mit der Anlage zwei Ziele: Eine USV für das ganze Haus: Wichtige Verbraucher sollen bei einem Stromausfall weiterlaufen, also Licht, Netzwerk, Server und Kameras, aber auch Kühlschrank und Gefriertruhe. Energiekosten sparen: Durch viele Geräte im Dauerbetrieb habe ich relativ hohe Stromkosten, finde ich zumindest. Ehrlich gesagt wusste ich am Anfang nicht, was mir PV überhaupt bringt. Deshalb wollte ich möglichst wenig investieren und habe klein angefangen. Die Komponenten So hängt bei mir alles zusammen. Das Herz der Anlage ist ein Victron MultiPlus-II 48/3000/35-32 mit integriertem GX. Die Zahlen im Namen stehen für 48 V Batteriespannung, 3.000 VA Wechselrichterleistung, 35 A Ladestrom und 32 A Durchleitung. Die 3 kVA gelten nur für den Wechselrichter, kurzzeitige Spitzen hält er deutlich höher aus. Ist das Netz da, kann das Gerät über sein Relais bis zu 32 A durchreichen, also deutlich mehr Leistung, als der Wechselrichter allein liefert. Als Solarladeregler arbeitet ein SmartSolar MPPT VE.Can 250/70. Der war zum Teil ein Fehlkauf: Den CAN-Bus des Reglers kann ich nicht nutzen. Am CAN-Anschluss hängt bereits das JK-BMS des Akkus, und der MultiPlus-II GX hat nur einen CAN-Bus, im Gegensatz zu einem Cerbo GX, der zwei hat. Auch das war rückblickend ein kleiner Fehlkauf. Aber man lernt nie aus. Beide Geräte hängen an einem Lynx Distributor von Victron, einer DC-Sammelschiene. Dahinter sitzt ein SmartShunt, ebenfalls von Victron, der genau misst, wie viel Energie in den Akku hinein- und wieder herausfließt. Den Abschluss bildet der Akku mit 14 kWh bei 48 V, gesteuert von einem JK-BMS. An PV habe ich sechs Module mit je rund 550 Wp, aufgeteilt in zwei Strings zu je drei Modulen. Das sind zusammen rund 3,3 kWp. Komponente Aufgabe Victron MultiPlus-II GX 48/3000/35-32 Wechselrichter, Ladegerät und Umschaltung bei Netzausfall Victron SmartSolar MPPT VE.Can 250/70 Solarladeregler Victron Lynx Distributor DC-Sammelschiene mit Sicherungen Victron SmartShunt Energiemessung am Akku JK-BMS Batteriemanagement für den 48-V-Akku 6 PV-Module à ca. 550 Wp rund 3,3 kWp in zwei Strings Die Produktnamen in der Tabelle sind Affiliate-Links zu Amazon. Kaufst du darüber, erhalte ich eine kleine Provision – der Preis ändert sich für dich nicht. Die Live-Ansicht am 15. Oktober um 14:33 Uhr: 3,4 kW aus der PV, 276 W Verbrauch im Haus, der Akku lädt mit rund 3 kW. Was an der Anlage hängt Die Dauerlast liegt bei etwa 250 bis 350 W, je nachdem, welcher Kompressor gerade läuft. Grob gerechnet verbrauche ich jeden Tag rund 7 kWh. Dazu kämen noch Klimaanlagen zum Kühlen oder Heizen, die je nach Betrieb 1,5 bis 2 kW ziehen. Für den Notfall habe ich drei weitere Backups: einen Benzin-Generator, mit dem ich auch ins Hausnetz einspeisen könnte, eine Jackery-Powerstation mit 2 kWh und 800 Wp eigenen Solarmodulen, eine Bluetti-Powerstation mit 3 kWh. Wichtig für alles, was folgt: Ich habe kein Net-Metering und darf nicht einspeisen. Jede Kilowattstunde, die ins Netz geht, wird mir als Verbrauch berechnet. Überschüsse kann ich also nicht verkaufen, sie gehen verloren. Der Sommer: alles super Der Sommer war sehr gut. Schon nach drei bis vier Stunden, also gegen 11 oder 12 Uhr, war alles wieder im Akku, was ich am Abend und in der Nacht verbraucht hatte. Danach hat der MPPT gedrosselt: Er hat den Akku bei 100 Prozent gehalten und nur noch so viel Strom erzeugt, wie der Wechselrichter für die Grundlast gebraucht hat. Der Herbst: die Wahrheit über PV Jetzt kommt der Teil, den viele Enthusiasten und „Grüne“ nicht gerne hören. Wir kommen in den Herbst, die bewölkten und dunklen Tage beginnen. Schauen wir uns die Werte vom 14. und 15. Oktober 2026 an. 14. Oktober: Bei bewölktem, regnerischem Wetter kamen nur 3,2 kWh aus der PV. Die blaue Linie zeigt den Ladezustand des Akkus. Am 14. Oktober bin ich mit rund 50 Prozent Ladezustand in den Tag gestartet. Es war bewölkt und regnerisch, die PV hat gerade einmal 3,2 kWh erzeugt. Verbraucht habe ich 6,8 kWh. Am Abend stand der Akku nur noch bei rund 30 Prozent. 15. Oktober: Nachts erreicht der Akku die 20-Prozent-Grenze, das Haus zieht Strom aus dem Netz. Danach liefert die Sonne 14 kWh. In der Nacht zum 15. Oktober war es dann so weit: Der Akku hat den eingestellten Mindest-Ladezustand von 20 Prozent erreicht. Diese Reserve halte ich bewusst zurück, damit für einen Stromausfall noch genug Energie da ist. Bis die Sonne aufging, kam der Strom deshalb aus dem Netz, insgesamt 1,6 kWh. Danach hatte ich Glück: An diesem Tag hat die Anlage genau 14 kWh erzeugt, also fast eine ganze Akkuladung. Der Ladezustand ging bis auf 92 Prozent hoch. Der Unterschied zum Vortag ist enorm: 3,2 kWh gegen 14 kWh, und am 14. Oktober war es „nur“ bewölkt. Es lag weder Schnee auf den Modulen noch war es besonders kalt. Mehr Akku? Löst das Problem nicht Jetzt würde man sagen: Dann brauche ich eben mehr Akku. Das ist tatsächlich schon geplant und in Arbeit. Aber was passiert dann? Mit einem vollen Akku hätte ich nicht mehr nur rund drei Tage Unabhängigkeit vom Netz, sondern vielleicht sechs, sieben oder acht. Und genau da liegt das Problem: Kann ich die Akkus im Herbst und Winter überhaupt noch voll laden? Wenn nicht, beginnen die Zellen zu driften und laufen auseinander. Das BMS gleicht die Zellen aber nur bei einem hohen Ladezustand aus. Ich wäre also gezwungen, die Akkus regelmäßig aus dem Netz voll zu laden. Spätestens dann stellt sich die Frage, ob sich das Ganze noch lohnt. Mehr Module? Kosten Platz und verpuffen im Sommer Die nächste naheliegende Antwort: mehr PV-Module. Erstens kostet das Platz, viel Platz. Als ich meine Module bestellt und abgeholt habe, hätte ich nicht gedacht, dass sie so groß sind. Wenn sie nicht auf dem Dach montiert sind, nehmen sie ganz schön viel Fläche im Garten weg. Zweitens bringt es ohne Einspeisung im Sommer nichts. Schon jetzt drosselt der MPPT im Sommer ab dem späten Vormittag. Jedes zusätzliche Modul würde dann nur noch mehr gedrosselt, die Energie wäre verschenkt. Und wie viele Module bräuchte man überhaupt, um aus einem trüben Herbsttag genug herauszuholen? Bei einem Viertel des Ertrags eines guten Tages müsste die Anlage ein Vielfaches so groß sein. Mein Fazit Für mein Haus ist die Anlage in Ordnung, solange ich weiß, dass ich bei Bedarf Strom aus dem Netz ziehen kann. Ohne Netz würde ich mit dem aktuellen System im Winter nicht weit kommen. Einen längeren Stromausfall, wie ihn Berlin nach dem Brandanschlag der linksextremen „Vulkangruppe“ erlebt hat, würde ich dagegen gut überstehen. Mir zeigt das aber auch sehr deutlich: Die These „Sonne und Wind schicken keine Rechnung“ ist einfach falsch. Vor allem bei Dunkelflauten oder „Hellbrisen“ (Grüße an Stefan Spiegelsberger) können wir uns nicht allein auf Solar- und Windenergie verlassen. Wir brauchen auch grundlastfähige Kraftwerke, die Strom liefern, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Ich bin weiterhin ein großer Fan von PV mit Speicher, um das eigene Haus zu versorgen. Aber nicht zum Einspeisen ins Netz und nicht in Form riesiger Solarparks, die im Sommer gedrosselt werden müssen, weil zu viel Strom im Netz ist, die Redispatch-Maßnahmen nötig machen oder deren Überschüsse irgendwo in großen Lasten „verfeuert“ werden müssen. Vorheriger Beitrag Reinigungstücher für die Werkstatt im Test: Ultra Grime Original, Power Scrub und Glass & Stainless You may also like Ich habe von einem Alien geträumt – und dann meine Geräte gezählt September 24, 2026 10.000 Besucher im Monat – Wir haben einen Meilenstein erreicht! Januar 29, 2025 Frohe Weihnachten 2024 – trotz aller Sorgen und Ereignisse Dezember 24, 2024 Vom heimischen PC zur Cloud – Warum Smartphones, KI und AR den... Dezember 8, 2024 Black Friday: Der Ausverkauf der echten Rabatte? November 29, 2024 Neustart bei myTech.home: Neues Kapitel, neue Energie! November 21, 2024 Hinterlasse einen Kommentar Cancel Reply Save my name, email, and website in this browser for the next time I comment.