47 Docker ist der schnellste Weg zu einem Heimserver, der etwas taugt. Statt Software mühsam einzurichten, startest du fertige Dienste in Containern – Medienserver, Smart-Home-Zentrale, Fotoarchiv, Werbeblocker. Jeder in seiner eigenen Umgebung, alle nebeneinander, jeder in Minuten wieder entfernt. Die Installation unterscheidet sich allerdings je nach System, und zwar mehr, als die kurzen Anleitungen im Netz vermuten lassen. Diese Übersicht führt zur passenden Anleitung – und erklärt vorab, was überall gleich ist und wo die echten Unterschiede liegen. Alle Anleitungen wurden für diese Serie geschrieben, die für Debian, Ubuntu und Arch dabei auf echten Systemen durchgespielt. Wo uns die Hardware fehlte, steht ein Hinweis im jeweiligen Artikel. Welche Anleitung brauche ich? System Anleitung Besonderheit Debian 13 / 12 Docker auf Debian installieren Der Referenzweg. Dienst startet automatisch. Ubuntu 26.04 / 24.04 / 22.04 Docker auf Ubuntu installieren Docker umgeht die vorinstallierte ufw – mit Nachweis. Raspberry Pi OS Docker auf dem Raspberry Pi installieren Zwei verschiedene Wege je nach 32 oder 64 Bit. Arch, Manjaro, EndeavourOS Docker auf Arch Linux installieren Dienst muss von Hand aktiviert werden. AlmaLinux, Rocky, RHEL, CentOS Stream Docker auf AlmaLinux und Rocky installieren SELinux und Podman stehen im Weg. FreeBSD, OpenBSD Docker auf FreeBSD und OpenBSD Läuft dort nicht – was es stattdessen gibt. Linux Mint, Pop!_OS und Zorin OS folgen der Ubuntu-Anleitung; sie tragen die zugrunde liegende Ubuntu-Version in UBUNTU_CODENAME, und genau die braucht die Paketquelle. Windows und macOS kommen in dieser Serie nicht vor – dort installiert man Docker Desktop, das im Hintergrund ohnehin eine Linux-VM betreibt. Was auf allen Linux-Systemen gleich ist Egal welche Distribution, der Ablauf folgt immer demselben Muster: Konkurrierende Pakete entfernen. Fast jede Distribution hat ein eigenes, älteres Docker-Paket. Es kommt den offiziellen in die Quere. Paketquelle einrichten – außer auf Arch, wo Docker aus den Distributionsquellen kommt. Fünf Pakete installieren: Dienst, Befehl, Laufzeit, Buildx und Compose. Dienst starten – und hier trennen sich die Wege. Mit hello-world testen. Benutzer in die Gruppe docker aufnehmen und neu anmelden. Punkt 6 ist die häufigste Stolperstelle überhaupt, und sie ist auf allen Systemen dieselbe: Nach sudo usermod -aG docker $USER funktioniert docker in der laufenden Sitzung noch nicht. Gruppenmitgliedschaften werden bei der Anmeldung gesetzt. Abmelden, neu anmelden – dann geht es. Wer das nicht weiß, hält die Installation für fehlgeschlagen. Die drei Unterschiede, die wirklich zählen Das ist der Kern dieser Serie. Alles andere ist Beiwerk. Debian / Ubuntu / Raspberry Pi Arch AlmaLinux / Rocky Woher die Pakete kommen Dockers eigenes Repository, deb822-Format Arch-Quellen, pacman Dockers CentOS-Repository, dnf Dienst nach der Installation läuft automatisch abgeschaltet abgeschaltet Was zusätzlich im Weg steht ufw (Ubuntu), Snap-Paket Teilupgrades bei -Sy SELinux, Podman Die mittlere Zeile erklärt die meisten Hilferufe in Foren. Auf Debian und Ubuntu richtet das Paket den Dienst automatisch ein – die Installation ist mit dem letzten apt-Befehl fertig. Auf Arch und in der RHEL-Familie ist Docker danach installiert, aber nichts läuft, und docker ps meldet, es könne den Daemon nicht erreichen. Ein Befehl fehlt: sudo systemctl enable --now docker Das ist kein Fehler dieser Distributionen, sondern deren Grundhaltung: Sie starten keine Dienste, ohne dass du es sagst. Versionen im Test Was im September 2026 tatsächlich installiert wurde: System Docker Compose Quelle Debian 13 „Trixie“ 29.8.0 v5.5.1 Dockers Repository Ubuntu 26.04.1 LTS 29.8.0 v5.5.1 Dockers Repository Arch Linux 29.7.2 5.5.1 Arch-Quellen Bemerkenswert: Arch hinkt hier nur eine Nebenversion hinterher – das Vorurteil, Distributionspakete seien hoffnungslos veraltet, trifft auf Arch nicht zu. Auf Debian gilt es dagegen sehr wohl für das Paket docker.io aus den Debian-Quellen, weshalb alle Anleitungen dieser Serie Dockers eigenes Repository nutzen. Ein Hinweis zur Schreibweise, die immer wieder Ärger macht: Es heißt docker compose mit Leerzeichen. Das alte docker-compose mit Bindestrich war ein eigenständiges Python-Programm und ist abgekündigt. Wenn eine Anleitung den Bindestrich verwendet, ist sie älter als 2022 – und möglicherweise auch in anderen Punkten überholt. Zwei Sicherheitsregeln, die überall gelten Diese beiden Punkte fehlen in fast jeder Installationsanleitung, und sie sind wichtiger als jeder Installationsschritt. 1. Veröffentlichte Container-Ports umgehen deine Firewall Nicht wegen eines Fehlers, sondern weil Docker seine Weiterleitungsregeln vor denen deiner Firewall in die Filterketten schreibt. Im Test auf Ubuntu war das eindeutig nachweisbar: Firewall aktiv, eingehend alles verboten, Port 8080 in keiner Freigabe – und von einem anderen Rechner im Netz antwortete der Container mit HTTP 200. Die Absicherung ist ein Zusatz vor dem Port: ports: - "127.0.0.1:8080:80" Damit horcht der Dienst nur auf dem Rechner selbst. Soll er ins Netz, stellst du einen Reverse Proxy davor und veröffentlichst allein dessen Port. Den vollständigen Nachweis samt Regelketten und dem zweiten Weg über DOCKER-USER findest du in der Ubuntu-Anleitung. 2. Die Gruppe docker entspricht Root-Rechten Wer in dieser Gruppe ist, kann mit einem einzigen Befehl das gesamte Dateisystem des Wirts in einen Container einhängen und dort als root schreiben. Die Gruppe ist damit kein „Docker benutzen dürfen“, sondern faktisch Administratorzugang. Auf deinem eigenen Heimserver ist das unkritisch – du bist ohnehin der Administrator. Auf einem System mit mehreren Benutzern solltest du genau überlegen, wen du aufnimmst, oder den Rootless-Modus prüfen, in dem Docker vollständig unter deinem Benutzer läuft. Was du danach damit machst Docker allein tut nichts – interessant wird es mit den Diensten darin. Diese Anleitungen setzen alle ein laufendes Docker voraus: Verwaltung und Einstieg Portainer – Weboberfläche für alle Container. Der sinnvollste erste Dienst. Medien und Dateien Jellyfin – Medienserver ohne Abo Immich – Fotoarchiv als Google-Photos-Ersatz Nextcloud – eigene Cloud für Dateien und Kalender Paperless-ngx – papierloses Dokumentenarchiv Netzwerk Pi-hole – netzweiter Werbeblocker AdGuard Home – die modernere Alternative dazu Tailscale – Zugriff von außen ohne Portweiterleitung Smart Home Home Assistant – die Zentrale Zigbee2MQTT – Zigbee-Geräte ohne Hersteller-Bridge ESPHome – eigene Sensoren bauen Die Hardware darunter Raspberry Pi als Homeserver – der sparsame Einstieg Homeserver selber bauen – wenn der Pi zu klein wird NAS selber bauen – für Speicherplatz Proxmox – wenn du VMs neben Containern brauchst Unraid – NAS-Betriebssystem mit eingebautem Docker Hardware für den HeimserverEgal welches System – für Container zählen Arbeitsspeicher und eine SSD. Der Prozessor ist selten der Engpass.Mini-PC mit Intel N100Auf Amazon ansehenNVMe-SSD 1 TBAuf Amazon ansehenRaspberry Pi 5 mit 8 GBAuf Amazon ansehenArbeitsspeicher DDR5 32 GBAuf Amazon ansehen* Affiliate-Links: Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Käufen. Bitte prüfe die Kompatibilität mit deinem System. Häufige Fragen Brauche ich Docker oder Docker Desktop? Auf einem Linux-Server die Engine, also das, was diese Anleitungen installieren. Docker Desktop ist eine grafische Oberfläche für Windows und macOS und startet dort im Hintergrund eine Linux-VM. Auf Linux brauchst du diesen Umweg nicht. Willst du eine Weboberfläche, nimm Portainer. Ist das Installationsskript von get.docker.com in Ordnung? Es funktioniert, und Docker selbst empfiehlt es ausdrücklich nicht für Produktionssysteme: Es erkennt die Umgebung automatisch, überschreibt dabei Einstellungen ohne Rückfrage und lässt sich nicht sauber aktualisieren. Für eine Wegwerf-VM in Ordnung, für den Heimserver nicht. Docker oder Podman? Podman ist technisch in einigen Punkten sauberer – kein dauerhafter Dienst, kein Root nötig. Der Grund für Docker ist das Umfeld: Praktisch jede Anleitung und jede compose.yaml im Netz geht von Docker aus. Wenn du fertige Rezepte nutzen willst, ist Docker der Weg des geringeren Widerstands. In der RHEL-Familie ist Podman allerdings zu Hause und eine echte Überlegung wert. Wie viel Arbeitsspeicher brauche ich? Docker selbst fast nichts – entscheidend ist, was darin läuft. Pi-hole kommt mit wenigen Hundert Megabyte aus, Immich mit Bilderkennung will mehrere Gigabyte. Für einen Heimserver mit einer Handvoll Diensten sind 8 GB eine bequeme Grundlage, 4 GB der praktische Einstieg. Läuft Docker in einer virtuellen Maschine? Ja, ohne Einschränkung – die Anleitungen dieser Serie wurden in VMs geprüft. Verschachtelt wird es nur dann schwierig, wenn du in einem Container wiederum VMs starten willst. Und wenn ich Docker nicht mehr will? Jede Anleitung endet mit den Befehlen zum vollständigen Entfernen. Denk daran, dass das Löschen von /var/lib/docker alle Abbilder, Container und Volumes mitnimmt – dort liegen deine Daten. Fazit Die Installation von Docker dauert auf jedem Linux-System etwa fünf Minuten. Was darüber entscheidet, ob es danach rundläuft, sind drei Kleinigkeiten: ob der Dienst automatisch startet (nur bei Debian und Ubuntu), dass die Gruppenmitgliedschaft eine neue Anmeldung braucht, und dass veröffentlichte Ports deine Firewall umgehen. Wer zum ersten Mal einen Heimserver aufsetzt und die Wahl hat, nimmt Debian: Der Dienst startet von allein, es gibt kein SELinux und keine Rolling-Release-Überraschungen, und alle Anleitungen im Netz passen. Wer einen Raspberry Pi herumliegen hat, fängt mit dem an – die Pi-Anleitung nennt die zwei Handgriffe, mit denen die SD-Karte das auch überlebt. 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