Home NachrichtenGoogle-Cloud-Ausfall legt Revolut lahm: Stromausfall in London trifft Banken in ganz Europa

Google-Cloud-Ausfall legt Revolut lahm: Stromausfall in London trifft Banken in ganz Europa

by Dimitri Roschkowski
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Update 19:45 Uhr: Revolut funktioniert wieder. Google hat den Vorfall um 16:03 Uhr deutscher Zeit als behoben geschlossen („mitigated for most of the customers“). Bei mir ging die Revolut-App allerdings erst gegen 19:45 Uhr wieder vollständig – unabhängig davon, was die Statusseiten bis dahin meldeten. Korrektur: Der Ausfall der ING am selben Tag hing laut heise nicht mit der Google-Störung zusammen.

Seit Dienstagmorgen geht bei Revolut wenig: Login, Kartenzahlungen, Überweisungen und Abhebungen am Geldautomaten sind gestört, auch für Kunden in Deutschland. Die Ursache liegt nicht bei der Bank selbst, sondern bei Google Cloud: Ein Stromausfall hat eine Zone der Region London lahmgelegt. Betroffen sind außerdem die ING, britische Banken wie Lloyds und HSBC, die Paketdienste Royal Mail und DPD sowie Cloudflare.

Stand 14:30 Uhr listet Revoluts deutsche Statusseite noch 31 Funktionen als „teilweise nicht verfügbar“. Google meldet, der Stromausfall sei behoben und die Dienste erholten sich, der Vorfall ist aber noch nicht geschlossen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ursache: Stromausfall („power event“) in der Google-Cloud-Zone europe-west2-b in London, ab 08:08 Uhr deutscher Zeit.
  • Folgen: 38 Google-Cloud-Dienste gestört, darunter die Datenbanken Spanner und Bigtable, Cloud NAT und das Load Balancing.
  • Revolut: Störung ab etwa 08:50 Uhr, europaweit. Geld und Daten sind laut Revolut sicher.
  • Weitere Betroffene: ING, Lloyds, HSBC, Halifax, Royal Mail, DPD, Rightmove, BT, Cloudflare.
  • Stand 14:30 Uhr: Strom wieder da, Dienste erholen sich, vollständige Wiederherstellung von Google für 15:00 Uhr angekündigt.
  • Stand 19:45 Uhr: Google hat den Vorfall um 16:03 Uhr geschlossen; Revolut läuft wieder – bei mir erst seit etwa 19:45 Uhr.
Grafik: Stromausfall in der Google-Cloud-Zone europe-west2-b in London und die betroffenen Dienste Revolut, ING, Lloyds, HSBC, Royal Mail, DPD und Cloudflare
Eine von drei Zonen der Region London ist ausgefallen. Die Folgen reichten bis zu Banken in Deutschland.

Was Google meldet

Auf der Statusseite von Google Cloud beginnt der Vorfall am 20. Oktober um 06:08 UTC, also 08:08 Uhr deutscher Zeit. Zunächst hieß es nur, mehrere Dienste in der Region europe-west2 zeigten „erhöhte Fehlerraten und zeitweise Netzwerkausfälle“. Um 13:12 Uhr nannte Google dann die Ursache: „Due to a power event we had suffered an outage within europe-west2-b zone. The power event is mitigated.“

Um 13:58 Uhr folgte das Update, man sehe die Erholung der Dienste und priorisiere bestehende Workloads. Neue Workloads ließen sich möglicherweise noch nicht anlegen. Die vollständige Wiederherstellung wurde „vorläufig“ für 06:00 Uhr pazifischer Zeit angekündigt, das ist 15:00 Uhr bei uns. Als Workaround empfiehlt Google, Workloads in eine andere Zone oder Region zu verschieben, „falls machbar“.

Was bei Revolut nicht funktioniert

Nach Berichten von t-online und teltarif begannen die Probleme bei Revolut gegen 08:50 Uhr. Bei Allestörungen kamen die Meldungen aus ganz Deutschland, in Großbritannien verzeichnete Downdetector gegen 08:00 Uhr Ortszeit über 1.500 Meldungen. Revoluts Statusseite führt derzeit unter anderem diese Funktionen als teilweise nicht verfügbar:

  • Registrierung und Login
  • Kartenzahlungen und Geld per Bankkarte hinzufügen
  • Überweisungen, auch intern zwischen Revolut-Konten
  • Bargeldauszahlungen am Geldautomaten
  • Währungsumtausch, Aktienhandel und Krypto
  • Live-Chat mit dem Kundenservice
  • Revolut Business: App, Web-App, API und Händlerzahlungen

Revolut bestätigte gegenüber Medien eine „Störung, die mehrere Dienste betrifft“, und versicherte: „Wir können bestätigen, dass das Geld und die Daten aller Kunden sicher sind.“ Die Bank nutzt Google Cloud als Infrastruktur, eine Person mit Kenntnis der Vorgänge bestätigte Reuters und Bloomberg den Zusammenhang.

Bemerkenswert ist, dass auch deutsche Kunden betroffen sind. Revolut betreibt das Geschäft in der EU über die litauische Revolut Bank UAB mit deutscher Zweigniederlassung. Die Technik dahinter hängt offenbar an derselben Infrastruktur in London.

Auch die ING hatte Probleme

Parallel meldeten ING-Kunden seit den frühen Morgenstunden Probleme beim Login. Auch die ING nutzt Google-Cloud-Dienste. Ob die Störung dieselbe Ursache hat, ist nicht bestätigt, t-online spricht von einem „möglichen Zusammenhang“.

Warum eine einzige Zone eine Bank stoppen kann

Cloud-Regionen bestehen aus mehreren Zonen, London zum Beispiel aus den Zonen a, b und c. Die Idee: Fällt eine Zone aus, übernehmen die anderen. In der Praxis hat das heute nicht gereicht. Laut Google waren nicht nur Dienste in Zone b weg, sondern die ganze Region zeigte erhöhte Fehlerraten und Netzwerkaussetzer, darunter Grundbausteine wie Cloud NAT, Load Balancing und die Datenbanken Spanner und Bigtable. Wer darauf aufbaut, hat an diesem Morgen wenig Spielraum, egal wie gut die eigene Anwendung verteilt ist.

Für alle, die zu Hause Server betreiben, ist das eine vertraute Lektion in größerem Maßstab. „In der Cloud“ heißt nicht automatisch „redundant“. Eine Region ist ein Standort mit gemeinsamer Stromversorgung und gemeinsamem Netz. Wirklich unabhängig ist erst, was in einer zweiten Region oder bei einem zweiten Anbieter läuft. Und das kostet, weshalb es viele Unternehmen bei einer Region belassen.

Was Revolut-Kunden jetzt tun können

  • Abwarten: Das Guthaben ist nicht weg, die Systeme kommen schrittweise zurück. Fehlgeschlagene Zahlungen nicht mehrfach wiederholen, sonst drohen doppelte Buchungen, sobald alles wieder läuft.
  • Statusseite prüfen: Revolut pflegt unter revolut.com/de-DE/system-status eine Liste der betroffenen Funktionen.
  • Bargeld und Zweitkarte: Wer nur eine Karte hat, steht an so einem Tag an der Kasse ohne Geld da.

Meine Lehre aus dem Tag: eine zweite Karte

Ich nutze Revolut seit rund acht Jahren mit dem Metal-Abo, und zwar für alles: tägliche Ausgaben, Abos, Krankenversicherung, die Server für meine Projekte. Eigentlich bin ich zufrieden. Trotzdem häufen sich zuletzt Berichte anderer Nutzer, deren Konten nach einer kleinen eingehenden Überweisung eingeschränkt wurden, weil Revolut plötzlich Nachweise verlangte, und die dann Wochen oder Monate auf ihr Geld gewartet haben. Zusammen mit einem Tag wie heute ist das für mich Grund genug, nicht alles auf eine Karte zu setzen.

Als Backup habe ich mir vor kurzem ein Konto bei Kast eingerichtet, einem Anbieter mit USD-Konto und Visa-Karte, der auf Stablecoins basiert. Das Konto war in wenigen Minuten eröffnet, Karte und Apple Pay inklusive. Kast ist allerdings keine Bank, das Guthaben wird in US-Dollar geführt, und die Bewertungen sind gemischt. Mein ausführlicher Erfahrungsbericht folgt in den nächsten Tagen: Kast Card im Test. Wer es direkt ausprobieren will: Kast-Konto eröffnen (Empfehlungslink).

Werbung: Der Kast-Link ist ein Empfehlungslink. Meldest du dich darüber an, bekommen wir beide nach den Bedingungen von Kast eine Gutschrift. Am Preis ändert sich für dich nichts.

Mehr zu meinen acht Jahren mit Revolut, zum Metal-Abo und zu den Kontosperrungen anderer Nutzer: Revolut Erfahrungen nach acht Jahren.

Quellen

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