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Denuvo verklagt Cracker voices38 – und will Discord, Valve und Reddit zur Enttarnung zwingen

by Dimitri Roschkowski
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Ein Kopierschutzhersteller verklagt jemanden, dessen Namen er nicht kennt, und bittet ein US-Gericht, Discord, Valve und Reddit zur Herausgabe von Nutzerdaten zu zwingen. Der Beklagte antwortet mit drei neuen Cracks. Der Fall Denuvo gegen „voices38″ zeigt, wie Firmen anonyme Cracker verfolgen — und wo die Grenzen liegen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Denuvo GmbH, eine Tochter des niederländischen Irdeto-Konzerns, hat am 14. September 2026 vor dem US-Bundesgericht für den Northern District of California Klage gegen den anonymen Cracker voices38 eingereicht (Az. 4:26-cv-10423).
  • Vorwurf: Umgehung des Anti-Tamper-Schutzes bei 26 Spielen, darunter Hogwarts Legacy und Black Myth: Wukong, und Verbreitung von Anleitungen dazu — Verstöße gegen § 1201 DMCA.
  • Am 2. Oktober beantragte Denuvo vorgezogene Beweiserhebung: Subpoenas an Discord, Valve und Reddit, um die Identität zu ermitteln.
  • Denuvo gibt an, Krypto-Transaktionen des Crackers über die Börse FixedFloat verfolgt zu haben — ohne zu erklären, wie.
  • Am 7. Oktober veröffentlichte voices38 nach einem Monat Pause Cracks für Atomfall und The Adventures of Elliot sowie einen überarbeiteten Crack für Dead Space Remake.

Wer voices38 ist

Niemand weiß es — das ist der Kern des Verfahrens. voices38 tritt seit Anfang 2026 als Einzelperson oder kleine Gruppe auf, veröffentlicht Cracks für Denuvo-geschützte Spiele über Reddit und Discord und bittet in den begleitenden NFO-Dateien um Spenden in Bitcoin, Ethereum, Solana und weiteren Kryptowährungen. Anders als die Gruppe DenuvOwO, die mit Hypervisor-Tricks arbeitete, setzt voices38 auf klassische Cracks, die keine Windows-Sicherheitsfunktionen abschalten müssen. Genau das macht die Releases für Nutzer attraktiver — und für Denuvo zum größeren Problem.

In der Klageschrift wird der Beklagte als „unbekannte Person oder Organisation“ geführt, zusammen mit zehn namenlosen „Does“. Was Denuvo hat, sind Spuren: eine Discord-Nutzer-ID, das Reddit-Konto und sieben Steam-Profile, die das Unternehmen dem Cracker zurechnet.

Die Klage

Denuvo stützt sich nicht auf gewöhnliche Urheberrechtsverletzung — die Spiele gehören dem Unternehmen nicht, und kein Publisher ist Partei. Die Klage läuft über die Anti-Umgehungsvorschriften des Digital Millennium Copyright Act: § 1201(a)(1) verbietet das Umgehen technischer Schutzmaßnahmen, § 1201(a)(2) das Anbieten von Werkzeugen und Anleitungen dafür. Beides wirft Denuvo voices38 vor, und zwar „vorsätzlich und willentlich“.

Gefordert werden Schadensersatz einschließlich gesetzlicher Pauschalen, eine einstweilige und später dauerhafte Unterlassungsverfügung gegen jede weitere Umgehung sowie die Beschlagnahme beteiligter Materialien. Die Zuständigkeit des kalifornischen Gerichts begründet Denuvo damit, dass Reddit und Discord dort ihren Sitz haben und voices38 beide Plattformen für seine Veröffentlichungen nutzt.

Der Antrag auf Enttarnung

Eine Klage gegen Unbekannt kann nicht zugestellt werden. Denuvo hat deshalb am 2. Oktober beantragt, schon vor der regulären Discovery-Phase Subpoenas verschicken zu dürfen — „ausschließlich, um die wahre Identität des Beklagten festzustellen“. Zuvor hatte das Unternehmen bei den drei Plattformen direkt angefragt: Valve und Reddit verwiesen auf ihre Datenschutzrichtlinien, Discord antwortete gar nicht.

Die Entwürfe der Subpoenas zeigen, wie weit der Zugriff reichen soll:

  • Valve: Registrierungsdaten, Namen und Rechnungsadressen der sieben Steam-Konten, Zahlungsmethoden und Transaktionshistorien, IP-Adressen mit Zeitstempeln, Gerätekennungen und verknüpfte Konten.
  • Discord: Kontodaten sowie alle Server-Mitgliedschaften und dort vergebene Rollen.
  • Reddit: Kontodaten, sämtliche Beiträge und Kommentare und alle Subreddit-Mitgliedschaften.

In einer eidesstattlichen Erklärung ergänzt Anwalt Ryan Morris, Denuvo habe Transaktionen des Crackers auf der Krypto-Börse FixedFloat in Bitcoin, Ethereum und Solana identifiziert. Wie die Zuordnung gelang, steht dort nicht — und eine Subpoena an FixedFloat beantragt Denuvo auffälligerweise nicht. FixedFloat wirbt damit, ohne Registrierung zu funktionieren; es ist unklar, ob dort überhaupt Daten zu holen wären.

Über den Antrag entscheidet Richter Haywood S. Gilliam Jr. Ein Detail aus der Klage fiel Beobachtern auf: Eines der Steam-Profile ist auf den Namen „Enzo Favara“ registriert — die Hauptfigur aus Mafia: The Old Country, das ebenfalls auf Denuvos Liste steht.

Warum Denuvo diesen Weg gehen muss

Als Take-Two vor wenigen Wochen den GTA-6-Leaker enttarnte, brauchte es dafür keine Klage: Vier Subpoenas nach § 512(h) DMCA, die ein Gerichtsschreiber ohne Richter ausstellt, reichten. Dieses Verfahren ist aber an Urheberrechtsverletzungen durch Inhalte auf einer Plattform gebunden. Denuvos Vorwurf ist die Umgehung einer Schutzmaßnahme — ein eigener Tatbestand nach § 1201, für den das Schnellverfahren nicht gilt. Also bleibt nur die „Doe-Klage“ mit Antrag auf vorgezogene Beweiserhebung: langsamer, teurer und vom Ermessen eines Richters abhängig.

Die Antwort: drei Releases an einem Tag

Nach Bekanntwerden der Klage im September schrieb voices38 auf Reddit: „Alles in Ordnung. Alles geht normal weiter.“ Dann passierte einen Monat lang nichts, und in der Szene wurde spekuliert, der Cracker sei enttarnt oder ausgestiegen. Am 7. Oktober — fünf Tage nach dem Enttarnungsantrag — erschienen binnen weniger Stunden drei Releases:

  • Atomfall (Rebellion, 2025), rund 53,8 GB, der erste neue Crack seit der Klage.
  • The Adventures of Elliot: The Millennium Tales (Square Enix, Juni 2026), rund 111 Tage nach Erscheinen.
  • Dead Space Remake „REAL CRACKFIX“: kein neuer Crack, sondern eine von Grund auf neu gebaute Version, die laut voices38 die Probleme der beiden Vorgänger aus dem Januar beheben soll — gebaut mit neueren eigenen Werkzeugen.

Die Botschaft ist unübersehbar: Der juristische Druck hat die Produktion nicht gestoppt. Anders bei DenuvOwO — die Gruppe löste sich im September auf, ein Mitglied verwies ausdrücklich auf das Risiko durch die Klage.

Einordnung

Denuvo führt hier einen Stellvertreterkrieg: Nicht die Publisher klagen, sondern der Dienstleister, dessen Produkt öffentlich als geknackt gilt. Jeder neue Crack ist ein Argument gegen den Kaufpreis von Anti-Tamper — und voices38 liefert diese Argumente inzwischen im Wochentakt.

Ob die Subpoenas zum Ziel führen, ist offen. Discord, Reddit und Steam speichern IP-Adressen und Zahlungsdaten, aber wer sieben Steam-Konten unter Spielfiguren-Namen anlegt und Spenden über registrierungsfreie Krypto-Börsen annimmt, hat die naheliegenden Spuren vermutlich bedacht. Für Denuvo hat das Verfahren trotzdem einen Wert: Es schafft ein Präjudiz, es schreckt Mitläufer ab — DenuvOwO ist das Beispiel —, und es macht jede weitere Veröffentlichung zum Beweismittel.

Dass US-Gerichte Spielepiraterie empfindlich bestrafen, zeigte zuletzt das Urteil gegen „Archbox“ mit 4,5 Millionen Dollar Schadensersatz. Der Unterschied: Dort war der Beklagte bekannt. Bei voices38 muss Denuvo diese Hürde erst nehmen.

Häufige Fragen

Was ist Denuvo Anti-Tamper?

Ein Kopierschutz der österreichischen Denuvo GmbH (Irdeto-Konzern), der Spiele-Executables so verschlüsselt und verändert, dass sie ohne gültige Lizenz nicht laufen und Manipulationen erkennen. Publisher lizenzieren ihn meist für die ersten Monate nach Release und entfernen ihn später wieder.

Ist das Cracken in Deutschland strafbar?

Ja. § 95a UrhG verbietet die Umgehung wirksamer technischer Schutzmaßnahmen, § 108b UrhG stellt sie unter Strafe. Auch das Verbreiten von Umgehungswerkzeugen ist verboten. Die US-Klage läuft nach amerikanischem Recht, die Rechtslage in der EU ist aber vergleichbar.

Wie geht es weiter?

Zunächst muss das Gericht über den Subpoena-Antrag entscheiden. Werden die Daten herausgegeben und führen sie zu einer Person, kann Denuvo die Klage zustellen und das eigentliche Verfahren beginnen. Sitzt der Cracker außerhalb der USA, wird es für Denuvo deutlich schwieriger.

Quellen: Klageschrift Denuvo GmbH v. voices38, U.S. District Court, Northern District of California, Az. 4:26-cv-10423 (14. September 2026) und Ex-parte-Antrag auf vorgezogene Beweiserhebung mit Erklärung Ryan C. Morris (2. Oktober 2026), beide über TorrentFreak; TorrentFreak, „Denuvo Asks Court to Unmask Game Cracker voices38″ (6. Oktober 2026); Lawyerd News zur Verfahrensart; Notebookcheck und VGTimes zu den Releases vom 7. Oktober. Abgerufen am 12.10.2026.

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