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Hartlöten: Temperatur, Lot, Flussmittel und der Unterschied zum Weichlöten

by Dimitri Roschkowski
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Hartlöten ist die Verbindungstechnik zwischen Weichlöten und Schweißen: fester und temperaturbeständiger als eine Weichlötung, aber ohne dass die Werkstücke selbst schmelzen. In der Hausinstallation ist es Pflicht bei Gas-, Öl- und Solarleitungen, bei Trinkwasser dagegen oft verboten. Dieser Ratgeber erklärt, bei welcher Temperatur man hartlötet, welches Lot und Flussmittel man braucht, welcher Brenner reicht und wie eine saubere Hartlötung Schritt für Schritt gelingt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Hartlöten beginnt bei 450 °C. Darunter ist es Weichlöten. In der Praxis arbeitet man beim Hartlöten von Kupfer bei etwa 650 bis 800 °C.
  • Das Lot schmilzt, das Werkstück nicht. Das flüssige Lot wird vom Kapillareffekt in den Spalt gezogen.
  • Kupfer auf Kupfer lässt sich mit phosphorhaltigem Lot ohne Flussmittel hartlöten. Bei Messing, Rotguss, Stahl und Edelstahl braucht man Silberlot und Flussmittel.
  • Der Brenner entscheidet. Ein einfacher Propan-Kartuschenbrenner schafft dünne Rohre, für 22 und 28 mm braucht es MAPP-Gas oder eine Acetylen-Sauerstoff-Anlage.
  • Trinkwasserleitungen aus Kupfer bis 28 mm dürfen nicht hartgelötet werden. Gas- und Ölleitungen müssen es.

Hartlöten und Weichlöten: der Unterschied

Diagramm: Arbeitstemperaturen beim Weichlöten und Hartlöten im Vergleich zu den Flammentemperaturen von Propan und MAPP-Gas
Weichlöten liegt weit unter, Hartlöten deutlich über der Grenze von 450 °C.

Die Trennlinie ist genormt: Schmilzt das Lot unter 450 °C, ist es Weichlöten, darüber Hartlöten. Dahinter stehen zwei völlig verschiedene Verfahren.

Weichlöten Hartlöten
Arbeitstemperatur ca. 180–250 °C ca. 650–800 °C, je nach Lot bis über 900 °C
Lot Zinn-Kupfer oder Zinn-Silber Kupfer-Phosphor, Silberlote, Messinglote
Flussmittel immer je nach Werkstoff und Lot
Festigkeit gering bis mittel hoch, nahe am Grundwerkstoff
Temperaturbeständigkeit bis etwa 110 °C Dauerbetrieb mehrere hundert Grad
Wärmebedarf gering, jeder Lötbrenner reicht hoch, leistungsstarker Brenner nötig
Gefüge des Werkstücks bleibt unverändert Kupfer wird weichgeglüht
Typischer Einsatz Trinkwasser, Heizung, Elektronik Gas, Öl, Solar, Kälte, mechanisch belastete Teile

Der letzte Punkt bei „Gefüge“ wird oft übersehen: Hartes Kupferrohr verliert durch die Hitze seine Festigkeit und wird weich. Für die Dichtheit spielt das keine Rolle, für die Stabilität der Leitung schon.

Hartlöten: Temperatur und Glühfarbe

Die richtige Temperatur hängt am Lot, nicht am Werkstück. Jedes Hartlot hat einen Schmelzbereich und eine Arbeitstemperatur, bei der es sauber fließt. Für die gängigen Lote in der Installation liegt sie zwischen 650 und 760 °C.

Ein Thermometer braucht man dafür nicht. Kupfer zeigt die Temperatur über seine Glühfarbe: Beginnt das Rohr im abgedunkelten Licht dunkelrot zu glühen, liegt man bei gut 650 bis 700 °C, also im richtigen Fenster. Kirschrot ist schon obere Grenze. Leuchtet das Kupfer hellrot bis orange, ist es zu heiß: Das Lot wird dünnflüssig, läuft weg, und das Kupfer verzundert.

Welches Lot zum Hartlöten?

Lot Zusammensetzung Arbeitstemperatur ca. Geeignet für Flussmittel
Kupfer-Phosphor-Lot (CuP 179) Kupfer mit rund 6 % Phosphor 760 °C Kupfer auf Kupfer nicht nötig
Silberhaltiges Phosphorlot (CuP 279, 2 % Silber) Kupfer, Phosphor, 2 % Silber 740 °C Kupfer auf Kupfer, fließt besser nicht nötig
Silberlot mit ca. 34–45 % Silber Silber, Kupfer, Zink, teils Zinn 650–730 °C Kupfer, Messing, Rotguss, Stahl, Edelstahl immer
Messinglot Kupfer-Zink rund 900 °C Stahl, Reparaturen immer
Aluminium-Hartlot Aluminium-Silizium ca. 580 °C Aluminium speziell

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Phosphorhaltige Lote sind der Standard für Kupferrohr. Der Phosphor wirkt als eingebautes Flussmittel und löst die Oxidschicht des Kupfers. Aber Vorsicht: Auf Stahl, Edelstahl und nickelhaltigen Werkstoffen bilden diese Lote spröde Verbindungen. Dort sind sie tabu.

Silberlot ist der Alleskönner. Je höher der Silberanteil, desto niedriger die Arbeitstemperatur und desto besser fließt das Lot — und desto teurer wird es. Für Heimwerker sind flussmittelummantelte Stäbe am bequemsten: Das Flussmittel sitzt als Mantel direkt auf dem Stab.

Flussmittel beim Hartlöten

Metall überzieht sich beim Erhitzen sofort mit einer Oxidschicht, auf der kein Lot haftet. Das Flussmittel löst diese Schicht und schützt die Stelle, bis das Lot fließt. Es wird als Paste dünn auf beide Fügeflächen gestrichen.

  • Nicht nötig bei Kupfer auf Kupfer mit phosphorhaltigem Lot.
  • Immer nötig bei Messing, Rotguss, Stahl und Edelstahl sowie bei allen Silberloten ohne Phosphor.
  • Das Flussmittel muss zur Löttemperatur passen. Hartlötflussmittel ist etwas anderes als Weichlötfett. Gängig ist der Typ FH 10 für Silberlote.
  • Rückstände nach dem Löten entfernen. Sie sind korrosiv. Warmes Wasser und eine Bürste reichen meist.

Ein praktischer Nebeneffekt: Das Flussmittel zeigt die Temperatur an. Es wird erst weiß und krümelig, dann klar und glasig wie Wasser. Ist es glasklar, stimmt die Temperatur für das Lot.

Welcher Brenner zum Hartlöten?

Die Flamme jedes Gasbrenners ist mit knapp 2.000 °C heiß genug. Entscheidend ist die Wärmeleistung: Kupfer leitet Wärme so schnell ab, dass ein schwacher Brenner die Lötstelle nie auf Temperatur bringt, egal wie lange man draufhält.

Brenner Hartlöten von Kupferrohr bis ca. Einordnung
Kartuschenbrenner Propan/Butan 12–15 mm für gelegentliche kleine Lötstellen
Zyklonbrenner mit Propan/Butan 18 mm deutlich bessere Wärmeübertragung
Zyklonbrenner mit MAPP-Gas 28 mm das Maximum ohne Sauerstoff
Propanbrenner an der Flasche 28 mm und mehr, je nach Brennereinsatz günstig im Gas, sperriger
Acetylen-Sauerstoff alle Durchmesser Profi-Ausrüstung

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Hartlöten mit Propangas funktioniert also, hat aber Grenzen. Mit einer Elf-Kilo-Flasche und einem großen Brennereinsatz kommt man weit, mit der kleinen Kartusche nur bis zu dünnen Rohren. Wie sich ein MAPP-Brenner in der Praxis schlägt, steht in meinem Test der Rothenberger Super Fire Hot Box.

Zwei Hilfsmittel machen den Unterschied: ein Flammenreflektor, der die Hitze hinter dem Rohr zurückwirft, und Windschutz. Schon leichter Durchzug kühlt die Lötstelle so stark, dass sie nicht mehr warm wird.

Kupferrohre hartlöten: Schritt für Schritt

Schnittzeichnung: Rohr im Fitting, Lot fließt durch Kapillarwirkung in den Lötspalt, Flamme erwärmt das Fitting
Der Kapillareffekt zieht das Lot in den Spalt, sogar nach oben.
  1. Ablängen und entgraten. Rohr rechtwinklig mit dem Rohrabschneider trennen, innen und außen entgraten.
  2. Blank machen. Rohrende und Fitting innen mit Reinigungsvlies oder Drahtbürste metallisch blank reiben. Danach nicht mehr mit den Fingern anfassen.
  3. Flussmittel auftragen, falls nötig (siehe oben). Dünn, nur auf die Fügeflächen.
  4. Zusammenstecken bis zum Anschlag. Der Spalt zwischen Rohr und Fitting muss schmal sein, etwa 0,05 bis 0,2 mm. Normgerechte Fittings liefern das von selbst.
  5. Umgebung schützen. Lötmatte hinter die Lötstelle, Brennbares wegräumen, Löschmittel bereitstellen.
  6. Gleichmäßig erwärmen. Die Flamme in Bewegung halten und vor allem das Fitting erhitzen, weil es die größere Masse hat. Warten, bis das Kupfer dunkelrot glüht.
  7. Lot zuführen. Den Lotstab an den Spalt halten, auf der der Flamme abgewandten Seite. Das Werkstück muss das Lot schmelzen, nicht die Flamme. Das Lot schießt dann von selbst in den Spalt.
  8. Abkühlen lassen, ohne die Verbindung zu bewegen. Nicht mit Wasser abschrecken.
  9. Reinigen und prüfen. Flussmittelreste entfernen. Rundum muss ein geschlossener Lotring sichtbar sein.

Die häufigsten Fehler

  • Lot in die Flamme halten. Es tropft dann auf kaltes Metall und perlt ab — eine kalte Lötstelle.
  • Zu heiß. Das Lot läuft durch, das Flussmittel verbrennt, das Kupfer verzundert schwarz.
  • Schmutzige Flächen. Auf Oxid, Fett und Fingerabdrücken haftet kein Lot.
  • Zu weiter Spalt. Ohne Kapillarwirkung füllt das Lot den Spalt nicht.
  • Restwasser in der Leitung. Es verdampft und hält die Lötstelle unter 100 °C. Die Leitung muss leer und trocken sein.

Wo man hartlöten muss — und wo man es nicht darf

Für Kupferrohre in der Hausinstallation regelt das DVGW-Arbeitsblatt GW 2, welches Verfahren zulässig ist:

Anlage Weichlöten Hartlöten
Trinkwasser, Rohre bis 28 mm ja nein
Trinkwasser, Rohre ab 35 mm ja ja
Heizung bis 110 °C ja ja
Fußboden- und Flächenheizung nein ja
Solaranlage über 110 °C nein ja
Gas, Flüssiggas, Heizöl nein ja, Pflicht

Dass Trinkwasserrohre bis 28 mm nicht hartgelötet werden dürfen, hat einen handfesten Grund: Die hohe Temperatur verändert die Innenoberfläche des Kupfers und kann Lochkorrosion begünstigen. Bei dünnen Rohren ist das Risiko am größten.

Und: Arbeiten an Gasleitungen sind Sache eines eingetragenen Fachbetriebs. Das gilt unabhängig davon, wie gut man löten kann.

Stahl, Edelstahl, Messing und Aluminium hartlöten

Stahl hartlöten

Mit Silberlot und Flussmittel gut machbar, etwa bei Rohrrahmen, Halterungen oder Werkzeugreparaturen. Messinglot ist günstiger, braucht mit rund 900 °C aber deutlich mehr Wärme, als ein Kartuschenbrenner bei größeren Teilen liefert.

Edelstahl hartlöten

Edelstahl bildet eine besonders zähe Oxidschicht. Nötig sind ein Silberlot mit hohem Silberanteil und ein Flussmittel, das ausdrücklich für Edelstahl geeignet ist. Wichtig: nicht überhitzen und zügig arbeiten, sonst verbrennt das Flussmittel, bevor das Lot fließt.

Messing und Rotguss hartlöten

Funktioniert mit Silberlot und Flussmittel problemlos. Phosphorlote gehen bei Messing nur mit Flussmittel. Messing nicht zu stark erhitzen: Es liegt mit seinem Schmelzpunkt näher an der Löttemperatur als Kupfer.

Aluminium hartlöten

Die Königsdisziplin. Aluminium schmilzt bei 660 °C, das Lot fließt bei etwa 580 °C — das Fenster ist schmal, und Aluminium zeigt keine Glühfarbe als Warnung. Dazu kommt eine hartnäckige Oxidhaut. Mit speziellem Aluminiumlot und passendem Flussmittel ist es möglich, verlangt aber Übung an Probestücken.

Sicherheit

  • Brandschutz zuerst. Lötmatte verwenden, Umgebung freiräumen, Wasser oder Feuerlöscher griffbereit. Nach der Arbeit auf Glutnester kontrollieren, besonders in Holzbalkendecken und hinter Verkleidungen.
  • Lüften. Flussmitteldämpfe reizen die Atemwege. Älteres cadmiumhaltiges Silberlot nicht mehr verwenden, seine Dämpfe sind giftig.
  • Schutzbrille und Handschuhe. Flussmittel spritzt, Kupfer bleibt lange heiß, ohne dass man es sieht.
  • Gaskartuschen nicht über 50 °C erwärmen und nicht im Keller lagern.

Fazit

Hartlöten ist kein Hexenwerk, verlangt aber drei Dinge: saubere Flächen, das zum Werkstoff passende Lot und genug Wärme. Wer Kupfer auf Kupfer lötet, kommt mit phosphorhaltigem Lot ganz ohne Flussmittel aus. Für alles andere ist Silberlot mit Flussmittel die sichere Wahl. Und bevor man den Brenner anwirft, lohnt der Blick in die Regeln: Nicht überall, wo man hartlöten kann, darf man es auch.

Häufige Fragen zum Hartlöten

Bei welcher Temperatur wird hartgelötet?

Hartlöten beginnt definitionsgemäß über 450 °C. Praktisch arbeitet man bei Kupfer zwischen 650 und 800 °C, mit Messinglot bei rund 900 °C.

Was ist der Unterschied zwischen Hartlöten und Weichlöten?

Die Temperatur und damit die Festigkeit. Weichlöten läuft unter 450 °C mit Zinnloten ab, Hartlöten darüber mit Kupfer- oder Silberloten. Hartgelötete Verbindungen sind fester und halten höhere Temperaturen aus.

Kann man mit Propan hartlöten?

Ja. Mit einem Kartuschenbrenner gelingt das bei Kupferrohr bis etwa 15 mm, mit einem Zyklonbrenner bis 18 mm. Für 22 und 28 mm braucht man MAPP-Gas oder einen Propanbrenner an der großen Flasche.

Braucht man zum Hartlöten Flussmittel?

Bei Kupfer auf Kupfer mit phosphorhaltigem Lot nicht. Bei Messing, Rotguss, Stahl und Edelstahl sowie bei Silberloten ohne Phosphor immer.

Ist Hartlöten besser als Weichlöten?

Nicht grundsätzlich. Hartlöten ist fester und temperaturbeständiger, aber aufwendiger und bei dünnen Trinkwasserrohren nicht erlaubt. Für Trinkwasser und normale Heizungsleitungen ist Weichlöten oder Pressen der Standard.

Wie erkennt man eine gute Hartlötung?

An einem geschlossenen, glatten Lotring rund um den Spalt, ohne Lücken und ohne dicke Tropfen. Das Kupfer darf verfärbt, aber nicht schwarz verzundert sein.

Ausrüstung zum Hartlöten

Lot, Flussmittel und Brenner für die ersten Lötstellen.

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