1 Wer einen Shelly an eine Pumpe, ein Ventil, einen Motor oder ein Schütz hängt, stößt früher oder später auf die Empfehlung, einen RC-Snubber einzubauen. Oft ohne Begründung — und ohne den Hinweis, dass es dabei nicht um den Schutz der Last geht, sondern um den Schutz des Relaiskontakts im Shelly selbst. Das Wichtigste in Kürze Ein Snubber schützt den Relaiskontakt, nicht den Verbraucher. Nötig bei induktiven Lasten: Motoren, Pumpen, Ventile, Schütze, Trafos. Er dämpft die Spannungsspitze, die beim Abschalten entsteht. Typisch für 230 V: 100 nF in Reihe mit 100 Ω, als fertiges Bauteil. Er ist kein Ersatz für Sicherung oder Überlastschutz. Das Problem: Strom in einer Spule will weiterfließen Jede Spule — und eine Motorwicklung ist nichts anderes — speichert Energie in ihrem Magnetfeld. Solange Strom fließt, ist das unproblematisch. Kritisch wird der Moment, in dem das Relais öffnet. Die Spule versucht, den Stromfluss aufrechtzuerhalten. Da der Weg plötzlich unterbrochen ist, steigt die Spannung an der Unterbrechungsstelle so weit an, bis sie sich einen Weg bahnt. Physikalisch beschreibt das die Induktionsgleichung: Je schneller der Strom zusammenbricht, desto höher die entstehende Spannung. Bei einem sich öffnenden Relaiskontakt geschieht das sehr schnell. Die Folge: Zwischen den auseinanderfahrenden Kontakten entstehen Spannungsspitzen von mehreren Kilovolt — bei einer 230-Volt-Installation. Die Luft dazwischen wird leitend, es zündet ein Lichtbogen. Links die ungedämpfte Spitze, rechts der Verlauf mit Snubber. Was der Lichtbogen anrichtet Ein Lichtbogen ist kein kosmetisches Problem. Er hat drei Wirkungen, die den Shelly über die Zeit zerstören: Materialabtrag. Im Lichtbogen verdampft Kontaktmaterial und schlägt sich an der Gegenseite nieder. Die Kontaktfläche wird rau, der Übergangswiderstand steigt — und damit die Erwärmung. Verschweißen. Im Extremfall schmelzen beide Kontakte zusammen. Dann bleibt das Relais dauerhaft geschlossen. Der Shelly meldet brav „aus“, während die Pumpe weiterläuft. Bei einer Abwasserpumpe oder einem Heizstab ist das die unangenehmste aller Fehlfunktionen. Störimpulse. Der Lichtbogen erzeugt ein breitbandiges Störspektrum. Das kann benachbarte Elektronik stören — bis hin zu Abstürzen des Shelly selbst oder Aussetzern im WLAN. Darum altert ein Relais an induktiver Last deutlich schneller. Datenblätter geben für ohmsche Last oft 100.000 Schaltspiele an, für induktive Last einen Bruchteil davon. Wie der RC-Snubber das löst Ein RC-Snubber ist denkbar simpel: ein Kondensator (C) in Reihe mit einem Widerstand (R), zusammen parallel zum Kontakt oder zur Last geschaltet. Die Arbeitsteilung: Der Kondensator nimmt den Strom auf, der im Moment des Öffnens weiterfließen will. Statt einen Lichtbogen zu zünden, lädt die Spulenenergie den Kondensator. Die Spannung steigt dabei langsam genug an, dass der Kontakt weit genug offen ist, bevor es kritisch wird. Der Widerstand begrenzt den Strom. Ohne ihn würde beim Einschalten der leere Kondensator einen kurzen Kurzschluss darstellen — und das Problem wäre nur verlagert. Zusätzlich verhindert er, dass Kondensator und Spule zu einem Schwingkreis werden, der dauerhaft klingelt. Entscheidend ist: Der Snubber verhindert die Spitze nicht vollständig, er begrenzt die Anstiegsgeschwindigkeit. Und genau darauf kommt es an, weil der Lichtbogen nur entsteht, wenn die Spannung schneller steigt, als der Kontakt sich öffnet. Wohin kommt er? Beide Varianten schützen den Kontakt — die Wahl hängt von der Leitungslänge ab. Variante A — parallel zum Relaiskontakt. Bei Shelly der übliche Weg: Der Snubber kommt auf die Ausgangsklemmen des Geräts, also parallel zum schaltenden Kontakt. Shelly bietet dafür ein passendes Bauteil an, das direkt in die Klemmen geschraubt wird. Variante B — parallel zur Last. Sinnvoll, wenn die Leitung zum Verbraucher lang ist. Dann wird die Energie dort abgefangen, wo sie entsteht, und die Leitung wirkt nicht als Antenne für die Störimpulse. Beide sind korrekt. Variante A ist in der Praxis einfacher, weil alles im Schaltkasten bleibt. Welche Werte? Für eine 230-Volt-Installation mit üblichen Lasten sind 100 nF und 100 Ω der gängige Standardwert. Wichtig ist weniger die exakte Dimensionierung als die Spannungsfestigkeit: Der Kondensator muss für Netzspannung zugelassen sein — Klasse X2 (oder Y2 bei Schutzklassenanforderungen). Ein gewöhnlicher Folienkondensator aus der Bastelkiste gehört nicht ans Netz; X2-Typen sind so gebaut, dass sie im Fehlerfall hochohmig versagen statt zu zünden. Der Widerstand sollte die Impulsenergie aushalten, typisch 0,5 bis 2 Watt. Der pragmatische Rat: Fertige RC-Snubber kaufen, statt sie selbst zusammenzulöten. Sie kosten wenige Euro, sind geprüft und haben die richtige Bauform für die Klemmen. Wann braucht man keinen? Bei rein ohmschen Lasten ist kein Snubber nötig — klassische Glühlampen, Heizstäbe, Wasserkocher. Dort gibt es keine Spule, die Energie speichert. Grenzfälle sind LED-Leuchtmittel und Netzteile. Sie sind nicht induktiv, haben aber am Eingang oft Kondensatoren, die beim Einschalten einen hohen Stromstoß ziehen. Das belastet den Kontakt ebenfalls — dagegen hilft allerdings kein RC-Snubber, sondern gegebenenfalls ein Einschaltstrombegrenzer. Last Snubber? Motor, Pumpe, Lüfter ja Magnetventil ja Schütz, Relais als Last ja Trafo, Klingeltrafo ja Heizstab, Wasserkocher nein Glühlampe nein LED-Leuchten, Netzteile bringt wenig Der Haken: Reststrom Ein Punkt, der gern übersehen wird: Ein Kondensator leitet Wechselstrom. Der Snubber führt also auch im ausgeschalteten Zustand einen kleinen Reststrom — bei 100 nF an 230 V sind das wenige Milliampere. Bei einem Motor merkt man das nicht. Bei LED-Leuchtmitteln kann dieser Reststrom aber ausreichen, um sie schwach glimmen oder blitzen zu lassen. Wer einen Snubber an einem Lichtkreis einsetzt und danach nachts eine glimmende Lampe hat, kennt jetzt die Ursache. Was ein Snubber nicht kann Noch einmal deutlich, weil es regelmäßig verwechselt wird: Er ersetzt keine Sicherung. Gegen Kurzschluss und Überlast schützt allein der Leitungsschutzschalter. Er verhindert keine Überlastabschaltung des Shelly. Wenn ein Gerät zu viel Strom zieht, hilft kein Snubber — dafür braucht es eine andere Lösung. Er macht ein zu klein dimensioniertes Relais nicht größer. Ein 16-A-Shelly bleibt ein 16-A-Shelly. Fazit Der RC-Snubber ist ein Bauteil für wenige Euro, das über die Lebensdauer eines Shelly entscheiden kann. Bei jeder induktiven Last gehört er dazu — nicht weil die Installation sonst sofort ausfällt, sondern weil die Kontakte sonst in einem Bruchteil der möglichen Schaltspiele verschlissen sind. Besonders bei Anwendungen, bei denen ein verschweißter Kontakt gefährlich wird — Pumpen, Heizungen, alles Unbeaufsichtigte — ist er Pflicht und nicht Kür. Sicherheitshinweis: Arbeiten an 230-Volt-Installationen sind einer Elektrofachkraft vorbehalten. Vor jedem Eingriff freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern und Spannungsfreiheit prüfen. RC-Snubber und ZubehörFertige Snubber für Netzspannung — sicherer als selbst zusammengelötet.Shelly RC SnubberAuf Amazon ansehenRC-Snubber 100nF 100 OhmAuf Amazon ansehenEntstoerkondensator X2Auf Amazon ansehenShelly Pro 1PMAuf Amazon ansehen* Affiliate-Links: Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Käufen. Bitte prüfe die Kompatibilität mit deinem System. Vorheriger Beitrag Pooltester im Test: Schütteltest für 17 Euro gegen Photometer für 149 You may also like Cyanursäure im Pool: Idealwert, messen, senken und die Chlorsperre vermeiden Oktober 10, 2026 Pool milchig trotz guter Wasserwerte: Wochen Chemie, und die Ursache stand auf... 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